Das Erste Bauernopfer: Ransauer soll für Verluste durch bwin-Aktiendeal gerade stehen

In der bwin-Aktienaffäre klagt Erste-Tochter ecetra ihren Ex-Vorstand Robert Ransauer auf Zahlung von unglaublichen 65 Millionen Euro.

Eine Klage wie diese bekommt Richter Stefan Kreitner nicht alle Tage auf den Tisch. In dem Papier klagt die Erste-Bank-Tochter ecetra ihren ehemaligen Vorstand Robert Ransauer beim Handelsgericht Wien auf Zahlung von satten 65 Millionen Euro.

Kurstreiber-Aktien
Hintergrund dieser Klage sind umstrittene Geschäfte mit Aktien des Online-Wettanbieters bwin, die vor allem im Jahr 2006 dazu angetan waren, den Kurs der Aktien von knapp 20 Euro auf über 100 Euro zu treiben. bwin-Großinvestor Martin Begsteiger soll damals mehrere Millionen Aktien im Zusammenwirken mit ecetra, der Privatinvest und der Deutschen Bank im Kreis geschickt haben, um den Kurs künstlich hoch zu halten. Die ecetra habe für Beg­steiger eine Zeit lang als Kreditgeber – mit einem Kreditrahmen von bis zu 70 Millionen Euro pro Tag – fungiert. Der ­Erste Bank sei dadurch ein Schaden von 100 Millionen Euro entstanden, die 2006 zur Gänze abgeschrieben wurden.

Versicherung über 75 Mio
Den Totalausfall will die Erste Bank aber offenbar nicht hinnehmen und schöpft alle – auch noch so ungewöhnlichen – Mittel aus. Dafür schickt sie den unter Kollegen als „Bullterrier“ bezeichneten Anwalt Florian Kremslehner als Klagevertreter ins Rennen. Was neben der enormen Höhe der Forderung gegen Ransauer vor allem ins Auge sticht, ist, dass dieser noch immer in der Bank beschäftigt ist. Die Höhe der Klage erklärt sich daraus, dass für Ransauer eine Haftpflichtversicherung in Höhe von 75 Millionen Euro abgeschlossen wurde, auf die das ­Institut nun zugreifen will. Eine Diskrepanz zwischen Klage und Weiterbeschäftigung des Ex-Managers kann das Institut nicht erkennen. Erste-Bank-Sprecher Peter Thier: „Wir werfen Ransauer ja keine Vorsätzlichkeit, sondern nur Fahrlässigkeit vor. Und in seiner jetzigen Position als Head of s IT Solutions macht er ja einen exzellenten Job.“ Lediglich als ecetra-Vorstand habe er seine Verantwortung vernachlässigt und es Dritten erleichtert, der Bank Schaden zuzufügen, lautet die Argumentation der Erste Bank.

Ransauer auf Urlaub
Ransauer, der sich zur Causa nicht äußern will, lässt über seinen Anwalt Georg Schima ausrichten, dass er für den Schaden gar nicht verantwortlich sein kann. Er sei nämlich zu der Zeit, als Beg­steiger der ungewöhnlich große Kreditrahmen von ecetra ein­geräumt wurde, auf Urlaub gewesen. Als er aus dem Urlaub zurückkam, sei alles schon zu spät gewesen. Ransauers damalige Vorstandskollegen Michel Vukusic, der noch immer an der Spitze von ecetra steht, und Johannes Leobacher, der kürzlich sogar zum Erste-Bank-Vorstand avancierte, sollen aber – trotz Solidarhaftung der Vorstände – von Schadenersatzklagen unbehelligt bleiben. „Innerhalb des Vorstands war Ransauer zuständig“, beharrt Thier. Auch eine Ver­antwortung des damaligen ­ecetra-Aufsichtsrats und Erste-Vorstands Franz Hochstrasser wird von der Bank verneint: „Er hat nur eine Aufsichtspflicht, aber keine operative Verantwortung“, erläutert der Erste-Sprecher. Und auch an einer Klage gegen die Deutsche Bank werde fieberhaft gearbeitet, ist aus Juristenkreisen zu hören.

Von Angelika Kramer

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