Das Duell der Ski-Giganten

Der Wettbewerb zwischen Head & Atomic ist in dieser WM-Saison noch härter. Hohe Summen werden in Rennsport und neue Technologien gepumpt. Die Investitionen in die Marke zahlen sich aus.

Das Duell der Ski-Giganten

Absolut nichts wird dem Zufall überlassen. Schon Tage vor dem großen Lauberhornrennen werden die Wetterberichte von Wengen genauestens studiert. Ein 30 Mann starkes Serviceteam ist praktisch rund um die Uhr im Einsatz, um zu testen, wie die Pistenbedingungen am Hundschopf, auf der Minsch-Kante und dem Canadian Corner sind. Auch die Konkurrenz wird genauestens beobachtet: Wer nimmt welche Kurve im Training besonders schnell, und woran liegt das? "Von den Skiteams wird ein enormer Aufwand betrieben. Der Unterschied zur Formel 1 ist nicht sehr groߓ, berichtet Wolfgang Mayrhofer, Geschäftsführer von Atomic, der größten Skimarke der Welt.

Was in der Formel 1 Red Bull und Ferrari sind, das sind im Skizirkus Atomic und Head. Die beiden Marken haben die meisten Stars unter Vertrag und machen sich den Sieg im Markenweltcup unter sich aus. Wirft Atomic Superstar Marcel Hirscher und den jungen US-Star Mikaela Shiffrin in die Schlacht, so setzt Head auf Dauerbrenner wie Lindsey Vonn und Aksel Lund Svindal oder auf Anna Fenninger und "Mr. RTL“ Ted Ligety. Zu Saisonmitte hat Head im Markenranking mit 3.650 Punkten vor Atomic mit 2.720 Punkten die Nase vorn.

Diesen Winter wird die Konkurrenz zwischen beiden Skiherstellern, die vorwiegend in Österreich produzieren, noch zusätzlich angeheizt. Denn die WM in Schladming steht vor der Tür und damit die Gelegenheit, die Siegerski einem noch breiteren Fernsehpublikum anzudienen.

Millionär Svindal

Für ihre Stars sind beide Topmarken bereit, einiges springen zu lassen. Vor allem Head wird in der Szene als Spitzenzahler bezeichnet. So soll der schwedische Allrounder Aksel Lund Svindal jährlich rund eine Million Euro allein von seiner Skifirma erhalten, Vorjahres-Weltcupsiegerin Lindsey Vonn nur knapp weniger. "Aber Maier-Größenordnungen werden heute auch von der Konkurrenz wahrscheinlich nicht mehr gezahlt“, glaubt Atomic-Chef Mayrhofer. Beim Helden der Nation ging es bis zu drei Millionen. Während Topstars sowohl Fixum als auch Erfolgsprämie etwa in einem Verhältnis von 40:60 kassieren, müssen sich weniger arrivierte Racer meist ohne Fixum zurechtfinden. Atomic versucht, Abwerbeversuchen von der Konkurrenz - vor einigen Jahren stand Benni Raich auf der Einkaufsliste von Head - mit Langfristverträgen zu begegnen. "Wir haben für Marcel Hirscher einen klaren, langfristigen Entwicklungsplan ausgearbeitet“, sagt Mayrhofer.

Auch beim Rundumservice schenken sich Head und Atomic nichts: Jeder Fahrer bekommt pro Saison zwischen 30 und 100 Paar Ski zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus steht den Stars ein Servicemann für 100.000 bis 150.000 Euro pro Jahr zur Verfügung. Marcel Hirscher reist mit rund 30 Paar Skischuhen im Gepäck durch den Skizirkus. Außerdem gehört Hirschers Vater zum Tross fix dazu. Dass all das nicht billig ist, ist klar. Von Branchenkennern wird geschätzt, dass sich Atomic den Rennsport zirka 15 Millionen Euro im Jahr kosten lässt und Head noch einmal darüber liegt.

Der Sinn dieser Investitionen erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Früher galt in der Branche das Sprichwort "Win on sunday, sell on monday“, also dass sich Siege unmittelbar in Erfolge im Laden umwandeln ließen. Das ist nur mehr sehr bedingt richtig. Zwar konnten die Skiverkäufe in den vergangenen Jahren mit weltweit 3,2 bis 3,5 Millionen Stück stabil gehalten werden; zwar liegen die Österreicher auch bei den Marktanteilen voran: Atomic hat, nachdem der französische Konkurrent Rossignol vor ein paar Jahren von der Spitze verdrängt wurde, mit 15 Prozent Weltmarktanteil die Führung übernommen (Anteil in Österreich: 26 bis 27 Prozent), Head folgt mit 13 Prozent dahinter (in Österreich rund 19 Prozent) …

Das Drumherum zählt

… aber generell verdienen die Unternehmen im klassischen Alpinski-Bereich kaum noch etwas. Die Gewinne werden anderswo erzielt. Nach Jahren des Raunzens und Zauderns hat sich die gesamte Skibranche mittlerweile damit arrangiert, dass ihr Markt stagniert. Man denkt um. Die Ausgaben im Rennsport werden als Investition in die Marke verstanden, um davon mit anderen Produkten zu profitieren. "Wir haben beim Skischuhverkauf um zehn Prozent zugelegt“, freut sich etwa Bob Koch von Head Österreich. Auch Helme und Snowboards verkauften sich besser. Atomic wiederum verweist auf Zuwächse bei Damenskiern und Freeskiern für den Off-Pisten-Bereich. "Wir sind gefordert, ständig links und rechts zu schauen und bei Innovationen am Ball zu bleiben“, schildert Mayrhofer. Sonst steht man gnadenlos im Abseits - so wie es den französischen Skiproduzenten vor einigen Jahren ergangen ist.

Die beiden Atomic und Head geben deshalb jährlich auch substanzielle Beträge für Forschung & Entwicklung aus. Bei Head, das im überwiegenden Eigentum des Schweden Johan Eliasch steht, arbeitet man gar an einem Monsterprojekt. "Head hat vor Jahren in Sportswear 70 Millionen Euro umgesetzt. Dort wollen wir wieder hin“, verrät Koch. Gemunkelt wird, dass Lindsey Vonn, die soeben einen Zehnjahresvertrag bei Head unterschrieben hat, nach ihrer aktiven Laufbahn den Sportswear-Verkauf in den USA ankurbeln soll.

Nahende Übernahme?

Dies auch deshalb, weil die Margen bei der Bekleidung deutlich attraktiver als in der Skiproduktion sind. Zwar sind sowohl Head als auch Atomic mittlerweile profitabel, Raum nach oben ist bei zehn bis 15 Millionen Betriebsergebnis aber noch da. Rupert-Heinrich Staller, der bekannt kritische Wiener Investor, hat deshalb auch ein Auge auf Head geworfen: "Head wird nach den Investitionen der letzten Jahre klar in die Gewinnzone kommen und ist sicherlich eine der spannendsten Aktien 2013 in Wien.“ Eine nahende "exogene oder auch endogene Übernahme“ von Head würde ihn deshalb nicht wundern.

Die Erwartungen an die Ski-WM Schladming sind in beiden Rennställen hochgeschraubt: Während Head eine Wiederholung des Rekords von zehn Medaillen in Garmisch-Partenkirchen für machbar hält, will der Atomic-Chef um nichts nachstehen. Mit Marcel Hirscher im Team wünscht sich Mayrhofer sieben bis zehn Medaillen. Bei aller Konkurrenz findet Bob Koch aber auch Verbindendes: "Wir sind alle Österreicher und die besten Skibauer der Welt.“

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