Crash und Cash: SkyEurope scheint seinem Ende entgegenzufliegen, Niki hebt dazu ab

Vom Niedergang der Billigfluglinie SkyEurope profitiert einer, der vor zwei Jahren noch dort einsteigen wollte, besonders stark: Niki Lauda. Experten glauben, dass es mit SkyEurope nach dem Sommer vorbei ist.

Zwei Telefone sind für Michael-Chris­tian Schmidt im Moment nicht genug. Er leitet die Fluggast-Servicestelle im Verkehrsministerium und hat alle Hände voll zu tun, um verunsicherte und verärgerte Passagiere zu betreuen; vor allem von der SkyEurope, die zu Wochenbeginn in der Slowakei Insolvenz anmeldete. „Es gibt viele Beschwerden. Vor allem von Passagieren, deren Flüge annulliert wurden und die auf die Refundierung warten müssen.“ Die österreichisch-slowakische Billigflug­linie sorgt auch bei Flugunternehmer Niki Lauda für Arbeit. Für den Fall, dass die Maschinen des Konkurrenten alle am Boden bleiben müssen, hat er bereits vorgesorgt. „Wir würden helfen, auf unseren Strecken gestrandete Passagiere heimzufliegen“, sagt Lauda. Seine Airline NIKI wird wohl überhaupt der größte Nutznießer der Situation sein – und Cash durch einen Crash von SkyEurope machen.

Himmel lichtet sich für Niki
Ohne neuen Investor – und Brancheninsider zweifeln dar­an, dass sich noch einer finden lässt – wird der vor acht Jahren gegründete Diskont-Carrier SkyEurope bald für immer am Boden bleiben. Für Laudas NIKI liegt jetzt die große Chance in der Luft. Die Lufthansa-Gruppe muss aufgrund von EU-Auflagen nach Abschluss der AUA-Übernahme Flugverbindungen abgeben, die er sich schnappen will. Mit dem endgültigen Ausfall von SkyEurope würde sich der Himmel noch weiter lichten. Lauda meint zwar: „Richtige Perlen haben die nicht im Streckennetz, sonst hätten sie ja nicht 180 Millionen Verlust angehäuft.“ Doch auf Nachfrage wird klar, dass er sehr wohl auf einige Destinationen schielt: „Amsterdam und Kopenhagen haben wir auf dem Speiseplan. Da ist es sicher ein Vorteil, wenn SkyEurope nicht mehr fliegt. Auch Nizza wäre im Sommer interessant.“ Vor allem Brüssel hat Lauda im Auge: Er will in die EU-Hauptstadt fliegen, sobald AUA-Lufthansa dort Verbindungen abgeben müssen. SkyEurope bietet die Strecke ebenfalls an – noch.

Entspannung in der Preisschlacht
Entspannung erwartet Lauda auch beim bislang brutalen Preiswettbewerb. Das ist zwar schlecht für die Passagiere, aber gut für seine Erträge und jene von anderen Airlines. „Der Druck, den SkyEurope durch Preisdumping ausübte, hat sogar eine Lufthansa in Bedrängnis gebracht“, sagt Hein Vogel, Airline-Experte aus Deutschland. Mal wurden Flüge um einen Euro beworben, zuletzt wurden 100.000 Tickets um 19 Euro verschleudert. Drei Millionen Euro, so rechnet Lauda, habe ihn SkyEurope in den vergangenen zwei Jahren gekostet. „Wir mussten die ja matchen.“ Nach Paris und Mailand, wo SkyEurope ­direkt gegen NIKI flog, behielt er trotzdem die Oberhand. Und während SkyEurope Verbindlichkeiten in der Höhe von 176,6 Millionen Euro ausweist und im Geschäftsjahr per Ende September 2008 ein Betriebsergebnis von minus 58 Millionen Euro, verbuchte NIKI im Vorjahr einen Gewinn nach Steuern von 7,1 Millionen Euro. Im ersten Quartal 2009 wurde ein Passagierzuwachs von 30 Prozent erzielt.

Warum SkyEurope noch fliegt
2008 hatte SkyEurope am Wiener Flughafen noch einen Marktanteil von 6 Prozent (siehe Tabelle ) , heuer bis Mai waren es nur mehr 4,1 Prozent. Die Fluglizenz von SkyEurope läuft noch bis 25. Oktober. Aber seit Anmeldung des Gläubigerschutzverfahrens in der Slowakei, das dem Chapter 11 in den USA ähnelt, zählt jeder Tag: Einen knappen Monat hat das Gericht Zeit, darüber zu entscheiden, ob es den Restrukturierungsantrag bewilligt. Binnen 90 Tagen muss die Neuaufstellung der Firma und die Suche nach einem Investor erfolgen. Aber alle Experten sind sich einig. „Der Grund, warum man unter Gläubigerschutz fliegt, liegt auf der Hand. Über den Sommer soll noch geflogen werden“, sagt Hannes Schwarz, Geschäftsführer des Geschäftsreisenanbieters Carlson Wagonlit (CWT). In der Hauptreisezeit wolle man noch Geld einnehmen. Wahrscheinlich zum letzten Mal – und dann dichtmachen.

Offene Flughafen-Rechnungen
Fraglich ist, ob es SkyEurope überhaupt noch über den Sommer schafft. Die Airports in Paris, Sofia und Bukarest haben wegen offener Rechnungen in den letzten Tagen bereits kurzfristig Jets beschlagnahmt. Beim Flughafen Wien muss die SkyEurope am 26. Juni für drei Wochen im Voraus die Gebühren zahlen, sonst darf sie nicht mehr starten. Lauda glaubt, dass es bald vorbei sein wird: „Die Flughäfen interessiert das Gläubigerschutzverfahren wenig.“ Die Geschichte von SkyEurope ist eine, in der oft das Geld fehlt: Begonnen hat das Unternehmen am 6. September 2001, wenige Tage vor den Terroranschlägen in New York. Ein Low-Cost-Carrier, der aus der Slowakei heraus operiert, das war die Grundstrategie. Gründer Christian Mandl, der sich von der Geschäftsführung in den Aufsichtsrat zurückgezogen hat, glaubte, man müsse eine kritische Größe erreichen, um gute Gewinne einzufliegen. Bald wurde nach Wien expandiert, wo schon immer die Besitzgesellschaft beheimatet war. 2005 ging das Unternehmen mit Unterstützung der Bank Austria in Wien und Warschau an die Börse.

Wenig Chancen auf Investoren
Bereits vor zwei Jahren war es bei SkyEurope sehr eng. Damals plante Niki Lauda gemeinsam mit dem Investor Ronny Pecik die Übernahme der österreichisch-slowakischen Fluglinie, um sie mit NIKI und Air Berlin zu fusionieren. Aus den Plänen wurde nichts. Denn der US-Fonds York, Hauptaktionär von SkyEurope, legte sich quer. „Diese Idioten haben die Gelegenheit nicht gepackt und die Airline umgebracht“, erzählt Pecik. Geboten habe man 3,30 Euro pro Aktie: „Stattdessen sagt mir einer von denen aufgeblasen ins Gesicht, er wolle sechs Euro pro Aktie. Die Gier von den York-Leuten war grenzenlos.“ Lange schien es, dass auch die Geduld von York endlos ist: Immer wieder wurden die Kreditlinien verlängert, sodass SkyEurope von Fachmedien bereits der Titel „Weltmeister im Fliegen auf Pump“ verliehen wurde. Doch nun ist es damit vorbei. Pecik will sich nicht mehr beteiligen: „Es ist beim besten Willen nicht vorstellbar, dass irgendwer Interesse an dieser Airline hat.“ Lauda erklärt: „Eine Übernahme von SkyEurope würde uns schwächen.“

Prinzip Hoffnung
Laut eigenen Angaben verhandelt SkyEurope-Chef Jason ­Bitter mit drei Investorengruppen. Doch einzig York oder die portugiesisch-kanadische Gruppe Longstock könnten nochmals ein paar Millionen für SkyEurope (700 Beschäftigte) locker­machen. Viele andere wie etwa die Billigfluglinie Easyjet winkten ab. Andere SkyEurope-Aktionäre sehen die Lage optimistischer. So seien ­bereits drei Viertel der benötigten 15 Mil­lionen Euro für eine Kapitalerhöhung beisammen. Auch eine positive Fortführungsprognose von Ernst & Young, die für 2010 knapp zehn Millionen Ebit vorsieht, spräche für den Weiterbetrieb.
Den SkyEurope-Fluggästen, die bereits seit Wochen auf ihr Geld für annullierte Flüge hoffen, kann Michael-Christian Schmidt vom Verkehrsministerium im Moment auch nicht helfen. Diese Forderungen müssen nun bei Gericht in Brati­slava angemeldet werden. Dort wird entschieden, für wen es Cash gibt und wer bei einem Crash leer ausgeht.

Von Romana Kanzian und Miriam Koch

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