Comeback der Gier

Comeback der Gier

Die Gewinne der US-Finanzindustrie bewegen sich schon wieder in Richtung Vorkrisenniveau. Die Wall Street verdient Milliarden. Damit steigt die Gefahr, dass auch der alte Hochmut der Banker zurückkehrt.

"Quantum Dawn 2" - hinter diesem apokalyptischen Decknamen versteckt sich die vielleicht schlimmste Bedrohung für die Welt im Allgemeinen, für das Universum der Wall Street im Besonderen. Seit Mitte Juli 2013 haben das US-Katastrophenschutz- sowie das Gesundheitsministerium gemeinsam mit den Finanzmarktaufsichtsbehörden aus Angst vor einer weltweiten Ausbreitung tödlicher Krankheitserreger für 50 systemrelevante amerikanische Großbanken Alarm geschlagen.

Ein breit angelegter Stresstest soll nun checken, wie gut die Wall Street auf den Ausbruch einer verheerenden Pandemie vorbreitet ist. Die quälende Frage der Aufseher: Ist das Finanzsystem auch dann noch funktionsfähig, wenn bis zu 30 Prozent der Banken-Belegschaften beim Ausbruch weltweiter Seuchen dahingerafft oder ans Krankenbett gefesselt würden: zum Beispiel durch den lebensgefährlichen Vogelgrippe-Virus H7N9 oder den erst 2012 entdeckten, ebenfalls letalen MERS-Coronavirus, der die Atemwege angreift; oder durch ähnliche Erreger.

Während dieses Ergebnis noch aussteht, scheinen sich die großen US-Banken von einer anderen Prüfung wieder recht gut erholt zu haben, von jener der vor gut fünf Jahren ausgebrochenen Finanzkrise - die immerhin auch an die 400 Todesopfer unter den US-Geldhäusern gefordert hat. Das belegen zumindest die Geschäftsergebnisse des zweiten Quartals 2013, die traditionell Mitte Juli präsentiert wurden. Die Zahlen sind dergestalt, dass schon von einem Comeback der Gier gesprochen wird.

Gewinne wie vor der Krise

Allein die sechs größten Wall-Street-Banken haben im vergangenen Jahresviertel zusammengerechnet Nettogewinne in der Höhe von rund 23,1 Milliarden Dollar - in etwa 17,45 Milliarden Euro - ausgewiesen. Die stärkste Perfomance legte JP Morgan Chase mit einem Plus von 6,5 Milliarden Dollar hin. Auf Platz zwei rangiert die Traditionsbank Wells Fargo mit einem Profit von 5,5 Milliarden Dollar. Dann folgen große Namen wie Citigroup (4,2 Milliarden), Bank of America (vier Milliarden) Goldman Sachs (1,9 Milliarden) sowie Morgan Stanley mit knapp einer Milliarde Nettogewinn.

"Die besten Ergebnisse seit sechs Jahren“, so das Jubel-Fazit des "Wall Street Journal“. Und die "Financial Times“ sekundierte: "Die Gewinne der US-Banken haben wieder das Vorkrisen-Niveau erreicht.“

Das scheint zwar ein bisschen übertrieben, denn immer noch liegt die durchschnittliche Kapitalrendite der sechs größten Wall-Street-Banken bei zirka 8,9 Prozent, etwas weniger als die Hälfte im Vergleich zu 2006. Doch nach Jahren einschneideder Abschreibungen und außerordentlicher Belastungen wegen teils Milliarden teurer Straf- oder Vergleichszahlungen verdienen sie in praktisch allen Disziplinen wieder gutes Geld. Und das, obwohl das Geschäftsvolumen insgesamt zurückgefahren wurde.

Die "Nummer eins der Welt“, wie der Boss von JP Morgan, Jamie Dimon, sein Haus selbstbewusst nennt, konnte beispielsweise dank einer Erholung des US-Hypothekarmarktes - jener Bereich, der die Krise ausgelöst hat - im Privatkunden-Kreditgeschäft mit einem Plus von 3,1 Milliarden Dollar punkten. Im Großkunden-Business und Investment-Banking belief sich der Gewinn auf 2,8 Milliarden, weil die US-Industriegiganten ihr Geld nach wie vor lieber in Finanz- statt in Produktionsanlagen investieren. Und die Ausweitung des Anlageberatungs-Geschäftes, vor allem für die Superreichen dieser Welt, machte den Rest des Krautes fett. Bei den anderen Banken sind bloß die Gewichtungen dieser Teilergebnisse etwas unterschiedlich, ansonsten aber in ihrer Struktur vergleichbar.

Auffallend ist, dass ein Großteil dieser Gewinne, deren Ausmaß selbst Analysten überraschte, aus dem wieder erstarkten Handel mit Aktien und Aktienderivaten stammt. Dieser Teil des Bankgeschäftes zieht sich quer durch die Abteilungen und war zuletzt drei Jahre lang in Folge rückläufig - nicht zuletzt, weil Derivate im Zentrum der Kritik standen. Doch dank der Niedrigzins-Politik der US-Notenbank und der mauen Stimmung am Anleihenmarkt erleben seit etwa einem Jahr fast alle Aktienkurse einen immensen Boom, wodurch die sechs größten Wall-Street-Banken diesen Negativ-Trend nun wieder wettmachen konnten.

Entlarvte Regulierungskritik

Es dauerte aber nur Stunden, bis Kritiker auf die Gefahr hinwiesen, dass die US-Banken wegen dieser "an sich erfreulichen“ Gewinne schon wieder "too big to fail“ geworden seien, also im Ernstfall abermals vom Steuerzahler gerettet werden müssten. Daher müssten Regulierungsmaßnahmen wie etwa die Basel-III-Kapitalvorschriften durch neue Auflagen weiter verschärft werden (siehe "Basel III und kein Ende"). "Ständig malen die Banken den Teufel an die Wand, dass diese Vorschriften ihre Konkurrenzfähigkeit erodieren,“ so der demokratische US-Senator Sherrod Brown. "Der ist wohl nun als Schimäre entlarvt.“

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