Clever und Smart: Die goldenen Geschäfte der Paris Hilton

Blond und blöd? In Wahrheit ist Paris Hilton, bekanntestes It-Girl der Welt, eine knallharte Geschäftsfrau. Und dabei ziemlich erfolgreich. Ihr selbst erwirtschaftetes Vermögen wird auf mindestens 150 Millionen Dollar geschätzt.

Am Freitag letzter Woche sah man Paris Hilton, 29, in ungewohnter Aufmachung Graffiti von Hauswänden in Los Angeles schrubben. Sie trug Leggings und ein weites gelbes T-Shirt. Nur die Diamantenkette von Chanel, die teuren High Heels und natürlich die etwa zwanzig Fotografen verrieten, dass sich hier nicht ­irgendwer, sondern das berühmteste It-Girl der Welt die Hände schmutzig machte. Der Reinigungseinsatz war allerdings nicht ganz freiwillig, sondern Teil einer Strafe für den Besitz illegaler Drogen. Im August war Paris Hilton auf einer Damentoilette in Las Vegas mit 0,8 Gramm Kokain im Handtäschchen erwischt worden. Jetzt muss sie 200 Stunden lang zusammen mit dem Hollywood Los Angeles Beautification Team ihre Heimatstadt in Ordnung bringen.

Eigentlich hat Fräulein Hilton für so etwas überhaupt keine Zeit. Sie ist mehr als genug damit beschäftigt, Geld zu scheffeln. Zum Beispiel das des Unternehmers Günther Aloys, 63, aus Ischgl. Den mag sie gern, seit er sie vor vier Jahren zum ersten Mal nach Österreich einfliegen ließ, um ­seinen Dosen-Prosecco zu promoten. Paris winkte und rief „I love you“. Als sie gefragt wurde, warum sie die Österreicher liebt, ­erklärte sie: „Weil die mir eine Million ­dafür zahlen, dass ich ihnen winke.“
Damit war das Thema erledigt für Paris Hilton. Die Österreicher mussten noch ihre Dollarmillion überweisen, 150.000 Euro Steuern bezahlen und zehn Prozent an der Münchner Aloys Rich AG (HRB 182563) an Hilton überschreiben.

So ist es überall, egal ob in Korea, Dubai, Kanada, Großbritannien, Deutschland oder in den USA: Wenn die 29-jährige Blondine mit der Kleinmädchenstimme auftaucht, wird es teuer. Innerhalb von knapp acht ­Jahren hat sie es geschafft, ihren Namen zu einem internationalen Markenzeichen zu machen. Sogar ihr Standardspruch „That’s hot“ ist als Trademark geschützt.

Und wehe, es wagt jemand, ihre Rechte zu verletzen. Paris Hilton klagt sofort. Zuletzt erwischte es den Postkartenverlag Hallmark Cards. Er hatte „That’s hot“ und ihr Porträt auf eine Grußkarte gedruckt. Paris forderte 500.000 Dollar Schadensersatz. Hallmark hatte vermutlich nicht damit ­gerechnet, dass Hilton ihre Interessen so knallhart durchziehen würde. Aber das geht fast allen so. Die öffentliche Rolle als blödes Blondchen, das mit Kieksstimme Banalitäten verbreitet, hat schon viele getäuscht.

Dabei warnt Paris vor sich selbst. „Ich ermutige die Leute gern in ihrem Glauben, dass ich doof bin“, sagt sie, „und lache dann den ganzen Weg zur Bank über sie.“ Ihre um zwei Jahre jüngere Schwester Nicky sagt über Paris’ Rollenspiel: „Ihre echte Stimme benutzt sie nur im allerengsten Freundes- oder Familienkreis – ein ziemlich verrücktes Konzept, wenn man darüber nachdenkt.“

Das Selbstvermarktungsgenie  

Verrückt oder nicht: Paris Hilton ist eine der erfolgreichsten 29-jährigen Unternehmerinnen der Welt und das am meisten unterschätzte Talent in der Disziplin Selbstvermarktung. „Paris Hilton ist eine Art Branding-Genie“, sagt der amerikanische Markenexperte Alex Bogusky. „Sie inspiriert mich durch ihre ­Fähigkeit, sich ständig neu zu erfinden und im Zentrum der Aufmerksamkeit zu bleiben, ohne zu viel von sich preiszugeben. Die Leute wären schockiert, wenn sie wüssten, wie intelligent Paris ist und wie kühl sie jeden ihrer Schritte kalkuliert.“

„Seit Paris Hilton mein Testimonial ist“, freut sich der Österreicher Günther Aloys, „rennen mir Importeure aus der ganzen Welt die Türe ein. Egal wo, Paris Hilton ist überall ein Topstar.“ Der Aktienkurs der Rich AG spiegelt diesen Boom leider nicht exakt wider. Im Jänner lag er noch bei 1,11 Euro, unterdessen sackte er auf 35 Cent ab. Trotzdem verlängert Aloys ge­rade Hiltons Vertrag. Im Sommer war er im Hilton-Anwesen auf Long Island, um mit Paris’ Vater Rick die Details zu besprechen. „Im Jänner gibt es eine Veranstaltung mit Paris an der Frankfurter Börse“, sagt Aloys, dann soll die Rich-Aktie zu einem neuen Höhenflug ­starten.
Als die Kosmetikfirma Parlux Fragrances in Florida 2004 das erste Duftwasser mit dem Namen „Paris Hilton“ auf den Markt brachte, stieg der Marktwert des Unter­nehmens innerhalb weniger Monate.

Dazu kommen Lizenzverträge für Uhren, Kosmetika und Brillen, die alle von der Beans­talk Group, einer der weltweit führenden Trademark-Licensing-Agenturen, vermittelt wurden. Modekollektionen für Mensch und Hund gehören ebenso zu Paris Hiltons Kerngeschäft wie Handtaschen, Schuhe und Schmuck. Ihre geschäftlichen Aktivitäten steuert Paris über die Firma Paris Hilton Entertainment Inc. (PHEI) in Beverly Hills, Kalifornien. Das Unternehmen operiert nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Selbst Wirtschaftsauskunfteien können nur bruchstückhafte Informationen liefern.

Aber so viel weiß man: PHEI ist Vertragspartner für Film- und TV-Produktionen. Paris hat in 26 Filmen mitgespielt, inklusive des Amateurpornos „1 Night In Paris“, den ihr Exlover Rick Salomon mit ihr drehte, als sie gerade einmal 19 Jahre alt war, und gegen ihren Willen veröffentlichte. „Er wollte damit mein Leben ruinieren“, sagt sie heute, „aber er hat mich nur stärker gemacht.“ Nach dem Sexskandal lief ihre wenig erfolgreich gestartete TV-Reality-Show „Simple Life“ plötzlich so rund, dass es fünf Verlängerungen gab. Über ihre andere Firma Paris Hilton Enterprises will sie ihr nächstes Projekt abwickeln: die Gründung einer Hotelkette. „Das hat mich schon immer interessiert“, sagte sie im August.

Kein Wunder, wenn man Hilton heißt. Paris ist die älteste Tochter von Richard Howard Hilton, 55, dem Enkel des Hotelgründers Conrad Hilton. Mit seiner Firma Hilton & Hyland gehört er zu den erfolgreichsten Luxusmaklern der USA. Sein Vermögen wird auf 300 Millionen Dollar geschätzt. Paris wird also einmal reich erben. Aber nötig ist das nicht mehr. In zwei Jahren will sie selbst so reich sein wie ihr Vater. Heute schon wird ihr Privatver­mögen auf mindestens 150 Millionen Dollar geschätzt. Ihr prognostizierter Umsatz für die nächsten zwei Jahre beträgt eine Viertel Million Dollar – pro Tag. Nicht schlecht für eine Blondine, von der viele glauben, dass sie mehr auf dem Konto als im Kopf hat.

Als hauptberufliche Erbin sieht sich die 29-Jährige nicht. „Hier laufen so viele Erbinnen rum“, sagt sie, „aber ich kann nicht erkennen, dass eine von denen sich so ins Zeug legt wie ich. Ich bin eine Ich-AG. Ich fliege alle drei Tage rund um die Welt und kümmere mich um meine Geschäfte. Ich drehe Filme, mache TV-Shows, trete öffentlich auf. Jeder Tag meines Lebens ist ver­plant – auf Jahre im Voraus.“ Ihr Arbeitstag beginnt in der Regel um sechs Uhr morgens. Nicht selten endet er erst weit nach Mitternacht. Sobald es dunkel wird, pflegt Paris Hilton in Clubs und Diskotheken aufzu­tauchen, normalerweise in einem Outfit, das sie selbst entworfen hat, nicht selten unter Verzicht auf ein Unterhöschen. Entsprechende Fotos haben ihren Bekanntheitsgrad nur noch gesteigert. Für Paris Hilton sind diese Auftritte Job, eine Maßnahme, um ihr Branding zu optimieren. Dass sie pro Abend bis zu 100.000 Euro kassiert, ist ein an­genehmer Nebeneffekt.

Ganz ohne Probleme läuft es trotzdem nicht. Schuld daran sind die Drogen. Seit dem Vorfall in Las Vegas lässt Japan sie nicht mehr einreisen; und jetzt hat Paris Angst, die USA zu verlassen. Letzte Woche gab es eine fast einstündig Video­konferenz mit Günther Aloys. Ob er ihr garantieren könne, dass sie im Jänner ungehindert nach Deutschland und Österreich kommen könne und nicht abgeschoben ­werde, fragte sie. Jetzt verhandelt Aloys mit den zuständigen Ministerien in Wien und Berlin. Es sieht so aus, als gäbe es kein ­Problem. Vorausgesetzt, Paris steckt sich künftig statt des Tütchens Kokain eine Dose Rich Secco in die Handtasche. Auch das soll stimulierend wirken.

Von Michael Kneissler

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