Claudia Oszwald: "Wir halten uns an alle Gesetze"

FORMAT : Frau Oszwald, H&M behauptet immer wieder, fair zu sein. Wie ist es dann möglich, dass ein T-Shirt nur 4,95 Euro kostet?

Claudia Oszwald : Es ist uns ein wichtiges Anliegen, Verantwortung dafür zu übernehmen, wie unsere Geschäftstätigkeit Menschen und Umwelt beeinflusst. Daher gibt es seit vielen Jahren einen Verhaltenskodex, den alle unsere Lieferanten und Sublieferanten einhalten müssen und der Rahmenbedingungen für Sicherheit, Entlohnung, Arbeitszeit und Bezahlung vorgibt. Wir können unsere Ware deshalb so günstig halten, weil wir in großen Volumen einkaufen, wenige Mittelsmänner haben und keine eigenen Fabriken betreiben.

Konzerne wie H&M halten sich meist nur an Mindestlohngesetze. Damit verdienen Arbeiter in Asien oft nur ein, zwei Euro täglich, was auch H&M scharfe Kritik einbringt. Wie geht das Unternehmen damit um?

H&M hält sich immer an alle gesetzlichen Vorgaben und rechtlichen Bestimmungen. Das betrifft sowohl unsere Verkaufs- als auch Produktionsländer.

Zwar hat zuletzt auch H&M Umsatzrückgänge hinnehmen müssen, doch ist der Erfolg bis heute ungebrochen. Worauf führen Sie die Erfolgsstory zurück?

Es ist in erster Linie unser Unternehmenskonzept: Mode und Qualität zum besten Preis. Bei H&M findet man alles - von Basics bis zu aktuellen Trends. Jeden Tag kommt neue Ware in die Stores und damit neue Inspiration. Durch unsere Kampagnen mit bekannten Models und durch Designerkooperationen holen wir ein Stück internationale Modewelt in die Kleiderschränke.

Hohes Wachstumspotenzial ortet H&M auch im Internet. Wie läuft das Geschäft in Österreich?

Mit dem Online-Shop können wir neue Zielgruppen erreichen. Die Umsätze des Online-Shops werden nicht einzeln kommuniziert, aber ich kann sagen, dass wir damit auf gute Resonanz stoßen. Trotzdem bleibt der stationäre Handel unser wichtigster Verkaufskanal.

H&M eröffnet Jahr für Jahr weltweit Hunderte neue Shops. Wie steht es um die Expansionspläne in Österreich?

Für heuer planen wir eine Neueröffnung in den Stadtgalerien in Schwaz in Tirol. Zudem werden jedes Jahr bestehende Geschäfte umgebaut und mit neuester Shop-Einrichtung verschönert. Auch das ist ein tolles Angebot an unsere Kunden.

H&M soll zunehmend von hybriden Käufern profitieren, also von Kunden, die zum Beispiel bei Prada die Kleidung kaufen und bei H&M die Accessoires. Stimmt das?

Das ist Teil unserer Erfolgsgeschichte. Es liegt absolut im Trend, teure Designerkleidung mit günstigen Teilen zu kombinieren und damit seinen persönlichen Stil und seine modische Individualität auszudrücken. Mit Mode von H&M kann man außerdem zeigen, dass Stil keine Frage des Geldes ist.

Wie schafft es H&M, die gestiegenen Baumwollpreise noch immer nicht an Kunden weiterzugeben?

Weil wir wollen, dass die Menschen mit H&M weiterhin einen guten Deal machen.

Das Interview führte Silvia Jelincic

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