Chronik einer Pleite: FORMAT beleuchtet, wie die noble Contantia Privatbank verspielt wurde

Manager Karl Petrikovics baute rund um die Constantia Bank ein Konglomerat von Firmen auf. Wieso es zusammenbrach, wird langsam klar. Wer aller Schuld daran trägt, ist noch offen.

Nach vielen Tagen des Schweigens ist Karl Petrikovics nun in eine mediale Offen­sive gegangen. Bis zum Sommer war er Chef der noblen Constantia Privatbank. Vergangene Woche ging die CPB in die Knie und wurde um einen Euro von fünf Großbanken übernommen. Solange er tätig war, sei noch alles in Ordnung gewesen, argumentiert Petrikovics. „Man kann eine Bank auch totschreiben“, spielt er auf den massiven Abfluss von Kundengeldern an (siehe FORMAT-Interview ). Ins Gerede war die CPB wegen ihrer Verflechtungen mit der Immofinanz-Gruppe gekommen, die von ihr gegründet wurde und mit der – noch – ein Managementvertrag besteht. Nun ist Österreichs erste Adresse für das Privatvermögen von Industriellen und Milliardären am Boden. Licht ins Dickicht der komplizierten Firmenkonstrukte brachte aber auch Petrikovics bei seinen Auftritten nicht.

Petrikovics' ehrgeiziger Einstieg
Nach dem Tod des eisern regierenden Konzernherrn Herbert Turnauer im Jahr 2000 fiel die Constantia Privatbank und der Verpackungskonzern Constantia Packaging AG an seine Tochter Christine de Castelbajac. Der Konzerngründer selbst warb den jungen und selbstbewussten Petrikovics von der Creditanstalt ab. Dieser baute mit viel Ehrgeiz die Immofinanz und deren Tochter Immoeast auf. Noch bis Anfang Oktober war er dort Boss. Der aus einfachen Verhältnissen stammende Waldviertler schuf damit lukrative Geldmaschinen. 2000 brachte der heute 54-jährige Petrikovics die Immo-Gesellschaften an die Börse. Die Geschäfte liefen wie am Schnürchen. Durch die Managementverträge verdiente die CPB im vergangenen Jahr noch gut 87 Millionen Euro an der Immofinanz-Gruppe. 2007 verwaltete die feine Bank für ihre betuchte Klientel 32,1 Milliarden Vermögen, viele Kunden hatten große Mengen Immofinanz-Aktien in ihren Depots.

Anfang vom Ende
Mittlerweile ermittelt der Staatsanwalt nach einer Anzeige der Finanzmarktaufsicht (FMA) gegen die Vorstände der CPB. Es soll um Ungereimtheiten bei der Gewinnfestsetzung der Bank gehen.
Erste Risse zeigten sich im Mai 2007. Die Immoeast holte sich damals über eine Kapitalerhöhung noch 2,7 Milliarden frisches Geld von der Börse. Wenig später ging es mit den Immobilienmärkten bergab. Es tauchten erste Gerüchte auf, die Constantia Bank habe Teile der Kapitalerhöhung selbst zeichnen müssen. Petrikovics beharrt auch heute darauf: „Es wurden 100 Prozent bei Anlegern platziert.“ Wie auch immer: Die Kurse der Immofinanz-Gruppe brachen mit zunehmender Geschwindigkeit ein.

Immofinanz borgt sich 900 Mio
Zu dieser Zeit borgte sich eine Gesellschaft namens Immofinanz Beteiligungs AG über eine Anleihe 900 Millionen Euro von der Immoeast. Diese Beteiligungs AG steht zwar offiziell im Eigentum der Privatstiftungen „Camilla“ und „Stephanie“ in Liechtenstein, zählt aber zum Einflussbereich der Constantia Privatbank. Mit dem Geld wurden offenbar in großem Stil Aktien der Immofinanz-Gruppe erworben. Das scheint ziemlich evident, auch wenn keiner etwas darüber wissen will. Auch Petrikovics sagt nichts. Ob auf diese Weise der Kurs gestützt werden sollte, ist unklar. Die FMA hat keine Kursmanipulation festgestellt. Eher wurde auf einen Anstieg der Papiere spekuliert – der nie kam. Seit dem Frühsommer 2007 verloren Immofinanz und Immoeast gut 90 Prozent an Wert.

Rätsel um 520 Millionen
Besichert ist das Darlehen über 900 Millionen mit einer Haftung der Constantia B.V., der Holding von Christine de Castelbajac, zu der auch die Bank gehörte. 520 Millionen Euro sind noch ausständig. Laut dem neuen Immofinanz-Chef Thomas Kleibl sollen 150 Millionen Euro noch im Oktober zurückfließen. Zum Rest will er sich nicht äußern. Die Haftung der Constantia B.V. könnte schlagend werden.
Gut 60 Millionen Stück Immofinanz-Aktien hatte die CPB außerdem direkt ­erworben. Im Februar 2008 zog das Geld­institut die Reißleine und verkaufte die ­Pakete an die Investoren Rudolf Fries und Walter Scherb. Zum Ausgleich der Verluste musste die CPB zuvor 175 Millionen Euro zuschießen, worunter das Ergebnis der Bank heuer massiv leiden muss. Fries und Scherb waren auch nicht bereit, das Risiko weiter fallender Kurse auf sich zu nehmen. Eine Put-Option verpflichtet die Constantia B.V., die Aktien ab 2010 für sieben Euro pro Stück zurückzukaufen. Aktuell würde das 350 Millionen Euro Verlust bringen.

Kalte Füße bei Bankkunden
Als die diversen Haftungen der Constantia B.V. ruchbar wurden, bekamen viele Bankkunden kalte Füße. Diese großen ­Risiken für die Muttergesellschaft der Bank zerstörten das ohnehin schon geschwundene Vertrauen. Dazu kommen – unbestätigte – Gerüchte, dass im Einflussbereich der Bank noch weitere große Immo-Aktien­pakete liegen könnten. Der Abfluss von Kundengeldern brachte die Bank in akute Liquiditätsschwierigkeiten. Das verwaltete Vermögen der CPB ist um rund 20 Milliarden auf 12,2 Milliarden Euro gesunken.

Petrikovics stieg rechtzeitig aus
Christine de Castelbajac musste ihre Bank um einen symbolischen Euro her­geben. Ironie des Schicksals: Zuvor stand die CPB monatelang zum Verkauf. Da hätte die kunstsinnige Dame noch fast eine Milliarde Euro dafür bekommen. In diesem Zusammenhang wird auch die Rolle von Guido Schmidt-Chiari, dem engsten Vertrauten von Castelbajac, der auch den Bankverkauf betreute, noch spannend. Petrikovics hingegen stieg rechtzeitig aus. Seinen eigenen kleinen Anteil an der CPB hat Petrikovics schon im Vorjahr losgeschlagen und dafür geschätzte 20 Millionen Euro kassiert. In Summe wird sein Vermögen auf 50 Millionen taxiert.

Existenz steht auf dem Spiel
Christine de Castelbajac könnte auch noch um das Geld für die Ablöse der Managementverträge durch die Immofinanz-Gruppe umfallen: immerhin gut 340 Millionen Euro. Die neuen Bankeigentümer bestehen darauf, dass das Geld in die CPB fließt und nicht an die ehemalige Eigen­tümerin. Immofinanz-Sprecher Thomas Brey: „Eine Abspaltung wird kaum vor Jahresende möglich sein.“ Nachdem das Schicksal der Bank besiegelt ist, geht es nun um die Existenz der Immofinanz-Gruppe. Die Immoeast ist ab April 2009 auf die ausstehenden 520 Millionen Euro aus der Anleihe angewiesen. „Kommt das Geld nicht, könnte das Unternehmen Schwierigkeiten kriegen“, sagt Bank-Austria-Analyst Alexander Hodosi. Das sieht übrigens auch Petrikovics so.

Von Andreas Lampl und Barbara Nothegger

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