Christoph Schönborn – Unser Mann in der Vatikanbank

Christoph Schönborn – Unser Mann in der Vatikanbank

Christoph Schönborn soll helfen, die Bank des Papstes vom Image des Geldwäsche-Instituts und der Nähe zur Mafia zu befreien. Weltliche Konten werden geschlossen.

Ettore Gotti Tedeschi war ein richtiger Banker vom alten Schlag. Bloß kein Aufsehen erregen, am besten hinter verschlossenen Türen verschwiegenen, aber guten Geschäften nachgehen. Für die Vatikanbank von früher war er als Präsident eine Idealbesetzung. Denn bis zum Frühjahr 2013 wusste die Welt so gut wie nichts über das "Istituto per le Opere di Religione“ (IOR), das tief im Vatikan in einem alten Wehrturm residiert.

Es war schließlich die letzte Kraftanstrengung des ehemaligen Papstes Benedikt XVI im Amt, in der Vatikanbank die Weichen neu zu stellen. Davor waren Versuche, das abgeriegelte Institut zu öffnen, stets im Treibsand der Ränkespiele des Kirchenstaates untergegangen. Benedikt bestellte kurz vor seinem Abschied den Deutschen Ernst von Freyberg statt Gotti zum neuen Präsidenten der Bank. Zeitgleich mit seinem Rücktritt kam damit ein modern denkender Banker ans Ruder, dessen Aufgabe es nun ist, die Bank von all den bösen Gerüchten wie Geldwäsche oder Mafia-Nähe endgültig reinzuwaschen.

Der neue Papst Franziskus I, der seit seinem Amtsantritt im Vatikan kräftig umbaut, stärkt von Freyberg nun den Rücken. Seine Neubesetzung der Kontrollgremien ist der nächste Schritt auf dem Weg, die Vatikanbank endlich auf die " Weiße Liste “ der EU zu bringen, auf der nur Institute aufscheinen, die der Geldwäsche völlig unverdächtig sind.

Vertrauensposition

Jenes Kardinalskollegium, das Präsidium sowie Aufsichtsrat der Vatikanbank überwachen soll, ist das entscheidende Gremium an der Schnittstelle zwischen Papst und Bank. Dass der Reformpapst Franziskus es früher oder später neu besetzen würde, war abzusehen. Dass der österreichische Kardinal Christoph Schönborn dabei eine Rolle spielen würde, nicht unbedingt. Schönborn wird einer jener sieben Kardinäle sein, welche die Bank künftig kontrollieren und dem Papst direkt berichten. Eine Vertrauensposition.

"Diese Bestellung ist sicher weniger als Ehre für Österreich zu verstehen, denn als persönliche Wertschätzung des Papstes für Kardinal Schönborn“, glaubt der katholische Publizist und Vatikan-Analyst Hubert Feichtlbauer. Die Rolle der Kardinalskommission, deren Mitglied Schönborn nun ist, liegt nicht in operativen Tätigkeiten, sondern in strategischen Weichenstellungen. Die Kardinäle beraten sich direkt mit dem Papst und der vatikanischen Finanzkurie, in der die finanziellen Angelegenheiten des Kirchenstaates geregelt werden.

Zwar tagen die sieben Kardinäle in der Regel lediglich zweimal pro Jahr in Rom, aber die internen Informationsflüsse und informellen Verbindungen werden aus Christoph Schönborn in Zukunft wohl einen der weltweit bestinformierten Menschen machen, was die vatikanischen Finanzen betrifft. Er rückt damit in den Kreis der engen Papst-Vertrauten auf, eine Aufwertung der Rolle des im Vatikan auch schon vor dieser Bestellung angesehenen Österreichers.

Durchleuchtung

In der Vatikanbank von heute, wie sie sich in den kommenden Jahren wohl darstellen wird, dürfte kaum ein Stein auf dem anderen bleiben. Eine ebenfalls von Franziskus eingesetzte Expertenkommission ist beauftragt, das Institut zu durchleuchten und alte, dunkle Geschäfte - die es sehr wahrscheinlich gibt - ans Licht zu bringen. Ihr Bericht soll bis Ende 2014 vorliegen und wird die inhaltliche Grundlage für Bank-Präsidium, Aufsichtsrat und die Gruppe um Schönborn bilden, um die Weichen für eine Neuausrichtung zu stellen.

So richtig spannend dürfte sein Job für Schönborn daher wohl erst ab 2015 werden, wenn die Reformen tatsächlich angegangen werden. Vorderhand finden erst einmal kosmetische Korrekturen statt, gleichsam als Vorwäsche vor der ganz großen Reinigung. Derzeit werden die Konten des Institutes, das eigentlich nur kirchliche Kunden haben dürfte, durchforstet. Kirchenferne Konteninhaber werden höflich gebeten, sich eine andere Hausbank zu suchen.

Die nächste Personalentscheidung steht im Februar an, wenn Franziskus des Vorsitzenden der Kardinalskommission bestellt. Favorit ist der Italiener Pietro Parolin, der seit kurzem auch "Staatssekretär seiner Heiligkeit“ ist.

Christoph Schönborn skizziert im FORMAT-Interview seine neue Aufgabe .

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