Christian Domany: "Ich habe in jeder Phase für das Unternehmen das Richtige getan"

Christian Domany, für den Skylink zuständiger Ex-Flughafenvorstand, erklärt in seinem ersten Interview nach dem Abgang, warum nicht er allein für die Kostenexplosion beim neuen Terminal verantwortlich ist.

FORMAT: Herr Domany, seit Freitag prüft der Rechnungshof den Skylink-Terminal. Was wird herauskommen?
Domany: Ich bin sehr froh, dass es diese Prüfung gibt. Und ich werde jetzt auch die Möglichkeit haben, mit meinen Aussagen einen Beitrag zur Aufklärung zu leisten.
FORMAT: Sind Sie schon befragt worden? Gibt es einen Termin?
Domany: Nein.
FORMAT: Sie gelten als Hauptverantwortlicher für die Skylink-Kostenexplosion von 400 Millionen Euro auf 830 Millionen. Sehen Sie sich auch als solcher?
Domany: Der Skylink wurde 2000 geplant, aber das ist nicht mit einem Haus zu vergleichen. So ein Terminal ist viel komplexer. Seit 2000 ist sehr viel passiert. Das Gebäude, das jetzt errichtet wird, kann viel mehr, insofern sind auch die Kosten nicht zu vergleichen. Denn die Anforderungen sind andere geworden, seitens der Benutzer, aber auch der Sicherheitsbehörden – Stichwort „9/11“. Dazu wurde die Qualität der Geschäfte verbessert, um Shopbetreibern zu höheren Umsätzen zu verhelfen. Das wurde nachträglich geplant. Dann kam die Hochpreisphase beim Bau in den Jahren 2005 bis 2007 mit exorbitanten Indexsteigerungen. Und natürlich gab es keinen Generalunternehmer beziehungsweise keinen Generalplaner für dieses sehr, sehr komplexe Bauwerk. Diese Entscheidung aber fiel vor meiner Zeit.
FORMAT: Warum gab es keinen Generalunternehmer?
Domany: Als ich 2004 in den Flughafenvorstand gekommen bin, habe ich genau dieselbe Frage gestellt. Damals war die Antwort: Es ist besser für das Unternehmen, keinen Generalunternehmer zu beschäftigen.
FORMAT: Und das haben Sie wiederspruchslos hingenommen?
Domany: Wir mussten es hinnehmen, weil die Aufträge schon draußen waren. Es wäre unverantwortlich gewesen, kurz danach alles zu stornieren.

"Alle Entscheidungen gemeinsam getroffen"
FORMAT: In der Öffentlichkeit sind aber Sie der Hauptverantwortliche für Skylink. Warum haben Sie sich nie gewehrt?
Domany: Es gibt ein Aktienrecht. Das besagt, dass die Verantwortung beim Gesamtvorstand liegt. Das haben wir drei Vorstände auch immer so gelebt. In den fünf Jahren sind alle Entscheidungen gemeinsam getroffen worden. Nicht nur im Baubereich, sondern bis hin zu Entscheidungen über Dressen für eine Jugendfußballmannschaft, über soziale oder kulturelle Projekte in der Umgebung. Sogar Summen von 150 bis 500 Euro wurden immer gemeinsam beschlossen.
FORMAT: Also ist auch Flughafenchef Herbert Kaufmann zu gleichen Teilen schuld am Skylink-Debakel.
Domany: Wir mussten das Bauwerk durch die Passagiersteigerungen unbedingt zu Ende bringen. Gemeinsam, mit vereinten Kräften. Wir haben diskutiert, entschieden und den Aufsichtsrat immer zeitnahe über Kostensteigerungen informiert.
FORMAT: Bleiben wir bei der Organverantwortung: Im Flughafenvorstand ging es ja nie harmonisch zu.
Domany: Noch einmal: Alle Entscheidungen wurden gemeinsam getroffen. Es waren oft harte Verhandlungen, manchmal auch lautstarke, aber wir sind insbesondere vor den Mitarbeitern immer als gemeinsamer Vorstand aufgetreten.
FORMAT: Ihr Ex-Kollege Kaufmann gibt aber jetzt Ihnen die Schuld.
Domany: Wenn das so ist, dann wäre dies für mich eine persönliche Enttäuschung.

"Habe mir nichts vorzuwerfen"
FORMAT: Warum wurde eigentlich die Öffentlichkeit nie über die Kostenexplosion informiert?
Domany: Wir haben dies im September 2008 nach Beschluss im Aufsichtsrat getan. Und mein letzter Stand aus dem Februar 2009 ist, dass diese 657 Millionen, die wir prognostiziert haben, halten werden. Was nach meinem Ausscheiden aus dem Vorstand passiert ist, entzieht sich meiner Kenntnis.
FORMAT: Sie haben sich eigentlich nichts vorzuwerfen?
Domany: Nein. Der Rechnungshof wird unter anderem überprüfen, ob es sinnvoll war, keinen Generalunternehmer zu beauftragen, und ob die Grundschätzung der Kosten von 400 Millionen von Anfang an nicht ein zu ambitioniertes Ziel war. Wie gesagt, diese Entscheidung fiel vor meiner Zeit. Im internationalen Vergleich liegen wir mit unseren Quadratmeterkosten sehr, sehr gut. Während meiner Vorstandszeit wurden andere Bauarbeiten von insgesamt 370 Millionen durchgeführt, darunter auch das AUA-Headquarter. Nirgends kam es zu Kostenüberschreitungen, und alles war im Zeitplan.
FORMAT: Sie stehen jetzt auch als Abzocker da. Sie kassieren ab 60 eine Pension von rund 7.800 Euro, wollen ausstehende Abfertigung und drei Monatsgehälter von insgesamt 100.000 Euro einklagen und sind von Februar bis Ende September bei vollen Bezügen spazieren gegangen. Keine gute Optik, oder?
Domany: Die Abfertigung ist noch nicht ausbezahlt worden, sie wird gerade ausgerechnet. Wie für jeden Dienstnehmer, der eine gewisse Zeit in einem Unternehmen gearbeitet hat, gilt auch für mich die gesetzliche Abfertigungsregelung. Außerdem bin ich nicht bei vollen Bezügen spazieren gegangen. Ich hatte noch drei Monate Urlaub und stand dem Unternehmen in dieser Zeit – wenn es notwendig war – zur Verfügung. Wie meine Vorstandskollegen auch, habe ich einen Pensionsvertrag. Wegen der Verschwiegenheitsklausel darf ich über die Höhe nicht reden. Auch wenn es gerne anders dargestellt wird: Mein Ausscheiden aus dem Unternehmen war eine rein private Entscheidung.

"Habe in jeder Phase das Richtige getan"
FORMAT: Stimmt es, dass Sie auch Ihren Bonus für 2008 einklagen wollen?
Domany: Nein, das ist Sache des Aufsichtsrates, seine Entscheidung.
FORMAT: Ihr Mercedes-Dienstwagen um 80.000 Euro hat ebenfalls Schlagzeilen gemacht.
Domany: Der Aufsichtsrat hat beschlossen, dass Dienstwagen maximal 80.000 Euro kosten dürfen. Daran habe ich mich gehalten.
FORMAT: Minister-Autos dürfen maximal 60.000 Euro kosten. Ist Ihnen nicht das Gespür verloren gegangen?
Domany: Auch diese Vereinbarung wurde vor meiner Zeit geschlossen. In den ersten drei Jahren habe ich ein gebrauchtes Dienstauto gefahren, also liege ich im Schnitt darunter.
FORMAT: Sie waren doch viele Jahre in öffentlichen Funktionen tätig, etwa als Generalsekretär der Wirtschaftskammer: Würden Sie nicht sagen, dass Sie ungeschickt agiert haben?
Domany: Die Gehälter der Flughafenvorstände liegen weit unter denen der Kollegen in anderen börsennotierten Unternehmen. Jeder Manager muss damit rechnen, dass es einmal einen Rückschlag gibt. Aber mit so etwas habe ich nicht gerechnet. Und ich bin mir sicher, dass ich in jeder Phase für das Unternehmen das Richtige getan habe. Jetzt konzentriere ich mich auf meine ehrenamtlichen Tätigkeiten, etwa im Hilfswerk Austria. Aber ich werde auch wieder beruflich aktiv sein.

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