Chinas Schuldenproblem: Der Boom im
Reich der Mitte steht auf tönernen Füßen

Chinas Schulden sind so hoch wie die im Westen. Wenn die Immobilienblase platzt, droht auch dort eine Rezession.

Die chinesische Regierung wird die Krise nicht passieren lassen“, glaubt Andy Xie. Der unabhängige Ökonom aus Shanghai hat die Asien-, die Dotcom- und die Subprime-Krise vorhergesehen und hofft offenbar trotzdem, dass die Allmacht der Kommunistischen Partei (KP) das Platzen der chinesischen Immobilienblase verhindern möge.

Die Fakten sprechen allerdings klar gegen ihn: Die Hauspreise in China haben sich binnen zwei Jahren verdoppelt, weil Investoren darauf setzen, dass die Landbevölkerung zunehmend in die Städte zieht. Das passiert jedoch nicht, weil sich niemand die Mieten leisten kann, die wesentlich schneller gestiegen sind als die Löhne. Die Leerstandsquote beträgt satte 60 Prozent. Das wäre für die chinesische Wirtschaft vielleicht noch verkraftbar, wenn der Immobilienmarkt nicht 60 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt ausmachen würde. „In dem Augenblick, wo diese Säule bricht, wird China zusammenbrechen und damit die Weltwirtschaft“, schätzt der deutsche Börsenexperte Dirk Müller (siehe Interview ).

Schulden wie im Westen

Die Hauspreise stagnieren bereits. Sollten sie beginnen zu fallen, könnte das eine verheerende Kettenreaktion auslösen, die sogar das Platzen der Subprime-Blase in den Schatten stellt. Auch US-Ökonom Nouriel Roubini sieht in der chinesischen Wirtschaft derzeit mehr Gefahren als Chancen. „Sobald eine weitere Steigerung der Anlageinvestitionen unmöglich wird, was nach 2013 der Fall sein dürfte, wird China einen steilen Konjunktureinbruch erleben“, schrieb Roubini in einem Kommentar anlässlich des neuen Fünfjahresplans der KP.

Roubini schätzt, dass die Schuldenlast, die sich Zentral- und Provinzregierungen im Reich der Mitte aufgebürdet haben, mehr als 30 Billionen Renminbi (3,2 Billionen Euro) ausmacht – und damit 77 Prozent des BIP. Chinas Miese ist damit absolut vergleichbar mit der in westlichen Industrieländern, allerdings mit einem großen Unterschied: Aus der fehlenden sozialen Absicherung der chinesischen Bevölkerung resultiert eine hohe Sparrate und ein entsprechend niedriger Konsum. Das Wachstum ist daher angewiesen auf staatliche Investitionsprogramme, und diese sind abhängig von billigem Geldnachschub. Helfen würden nur Strukturveränderungen, die aber dauern Jahre.

„Distressed China“

Eine brenzlige Situation, die auch den ersten Krisenprofiteuren aufgefallen ist. Sie wetten auf einen baldigen, scharfen Abschwung im Reich der Mitte. China sei kein Wachstumsmotor für die Weltwirtschaft, sondern deren „enormes Ende“, ätzt Mark Hart vom Hedgefonds Corriente Advisors. Und der Brite Hugh Henry, Chef von Eclectica Asset Management, hat gleich einen „Distressed China“-Fonds aufgelegt.

– Arndt Müller

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff