Causa Madoff-Medici: Österreicher klagt Bank Austria und Sonja Kohn in den USA

In der US-Betrugsaffäre Madoff klagt nun erstmals ein Österreicher in den USA sein Recht ein. Die Klagsschrift „Leonhardt vs. Madoff et al“ (Aktenzahl: 1:09-CIV-2032 wurde am 5. März 2009 beim US District Court for the Southern District of New York eingebracht. Bei dem Einschreiter handelt es sich um einen gewissen Horst Leonhardt. Die renommierte US-Kanzlei Stull Stull & Brody brachte im Namen des „resident of Austria“ eine 25 Seiten starke Klagsschrift beim US-Gericht ein.

Prominente Beklagte
Der FORMAT vorliegende Schriftsatz listet mehr als 30 Personen als so genannte „Defendants“ auf. Darunter Sonja Kohn und ihre Bank Medici, die UniCredit Group und deren Tochtergesellschaften Bank Austria und Pioneer sowie die Depotbank HSBC und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Ernst & Young und PriceWaterhouseCoopers. Für alle genannten Personen gilt freilich die Unschuldsvermutung. Generell wird allen beklagten Banken die Verletzung von Sorgfaltspflichten bei der Kontrolle der Madoff-„Feeder-Funds“ Herald, Thema und Primeo unterstellt. Daher seien sie auch vom Gericht zum Schadenersatz zu verpflichten.

Aus der Klagsschrift zitiert
Die wichtigsten Vorwürfe („Factual Allegations“) aus der US-Klagsschrift:

„47. Defendents have plundered the investments of plaintiff“: Die Beklagten, wie etwa Bank Austria (BA), Bank Medici und Bernard Madoff, haben die Investments der Kläger regelrecht geplündert und das entwendete Kapital für betrügerische Zwecke verwendet („invested capital in a giant Ponzi-Scheme“). Insgesamt sind 50 Milliarden Dollar verschwunden. Über die von Medici und BA gemanagten Fondskonstrukte wurden mehr als drei Milliarden Dollar an Madoff weitergeleitet.

„55. Kohn received kickbacks from Madoff for feeding funds to him.“: Der Bank Medici-Großaktionärin Sonja Kohn werden dubiose Provisionsflüsse von Madoff-Vehikel Cohmad vorgehalten. Zahlungen, die bislang nicht erklärt werden konnten. Laut einer Beschwerde beim Finanzregulator des US-Bundesstaats Massachusetts erhielt sie jährlich 87.792 US-Dollar über einen Zeitraum von sechs Jahren. Eine Behauptung, die Kohn bis dato vehement bestreitet.

„57. All defendents knew that their representations about their investment activities were false and misleading“: Die Beklagten, darunter die Ex-Medici-Vorstände Helmuth Frey und Peter Scheithauer, sollen gewusst haben, dass ihre Darstellung der Investmentaktivitäten, etwa in Fondsprospekten, falsch und irreführend ist. Alle Beklagten sollen sich wissentlich an der widerrechtlichen und betrügerischen Manipulation des Kundenvermögens beteiligt haben. Dass das Kapital letztlich von Madoff gemanagt wurde, steht in keinem Prospekt. Den Investoren wurden wesentliche Informationen für ihre Anlageentscheidung vorenthalten.

„59. It was recently discovered that Madoff had not purchased a single security in 13 years“: Was die Kläger besonders empört, ist die kürzlich festgestellte Tatsache, dass Bernard Madoff in den vergangenen 13 Jahren nicht ein einziges Wertpapier gekauft hat. Das hatte der gerichtlich eingesetzte Madoff-Masseverwalter Irving Picard in einem Meeting mit geschädigten Anleger am 20. Februar 2009 festgestellt. Somit wurden die Investoren über Jahre mit falschen Konto- und Depotauszügen versorgt – für die Kläger ist das ein glattes Versagen der zuständigen Prüfinstanzen, also Fondsmanager, Depotbank und Wirtschaftsprüfer.

„71. Had Herald, Primeo and Thema Fund, or the Fund Managers conducted due dilligence into Madoff, they would have discovered at least some dozens of red flags“: Bei den Managern der Fondsvehikel Herald, Primeo und Thema, also im wesentlichen Bank Medici und Bank Austria bzw. Pioneer, wird beanstandet, dass sie mit mangelnder Sorgfalt agierten. Hätten sie ihre Engagements genauer geprüft, wäre sehr rasch das betrügerische Vorgehen erkannt worden. In einschlägigen Berichten von Wallstreet-Postillen wurde die Investmentaktivitäten von Madoff derart kritisiert. Trotzdem wurde eine genauere Prüfung Madoffs unterlassen, was maßgeblich zum Anlegerschaden beigetragen haben soll.

Von Ashwien Sankholkar

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