Casinos-Austria – Entscheidungsspiel

Casinos-Austria – Entscheidungsspiel

Ewald Nowotny hat es satt. Der Nationalbank-Gouverneur will sich im EZB-Rat nicht mehr schief anschauen lassen. Zu oft schon haben ihn seine ausländischen Kollegen auf die Beteiligung der Nationalbank an den Casinos Austria angesprochen. Damit steht Österreich europaweit allein da...

Und überhaupt geziemt sich das nicht. Speziell dann nicht, wenn die Casinos - wie gerade in Argentinien - mit dem Vorwurf, gegen Anti-Geldwäsche-Regeln verstoßen zu haben, konfrontiert sind.

Also will sich die Nationalbank von ihren Casinos-Anteilen, die sie über die Tochter Münze Österreich hält, lieber heute als morgen trennen. Und macht damit nun auch ernst. Denn auf der letzten Hauptversammlung der Casinos Austria Ende März hat die Münze Österreich erstmals in der Geschichte des Unternehmens gegen die Dividendenausschüttung gestimmt. Die Casinos könnten sich das gar nicht leisten, das Geld solle lieber im Unternehmen bleiben, so die Vertreter der Münze. Was nicht gesagt wurde: Je mehr Geld im Unternehmen verbleibt, desto höher der Erlös beim späteren Verkauf des 33,2-Prozent-Anteils.

Finanz will mehr Geld

Der Notenbank-Chef hat in seinen Verkaufsgelüsten gewichtige Verbündete: die ÖIAG und Finanzminister Michael Spindelegger. Dieser will nämlich nicht nur seine Verstaatlichtenholding wieder aufwerten - andere Beteiligungen wie ÖBB oder Asfinag sind politisch unrealistisch -, sondern ist auch mit der Performance, konkret mit der Abgabenleistung der Casinos, alles andere als zufrieden. 2013 fuhr der Konzern - inklusive Lotterien - einen desaströsen Verlust von 16 Millionen Euro ein. Schuld daran, so sagen Aktionäre, ist aber nicht nur das Argentinien-Debakel. "Die Erkenntnis unter den Aktionären sickert langsam, dass etwas passieren muss. Ein Technologiepartner oder einer für das Auslandsgeschäft muss dringend her“, sagt ein Aktionärsvertreter.

Was bei vielen Involvierten für Kopfschütteln sorgt, ist die Tatsache, dass die Casinos nicht mehr Stück der äußerst ertragreichen Video Lottery Terminals (VLTs) aufstellen. Obwohl sie die Lizenz für 5.000 hätten, wurden bislang nur rund 1.000 aufgestellt. Der Grund: Allein können die Casinos die Investitionen - ein Standort mit 50 Geräten kostet rund drei Millionen Euro - wahrscheinlich nicht leicht bewerkstelligen - und Partner will das Management um Karl Stoss auf keinen Fall reinholen. Im Finanzministerium wird das aber gar nicht gern gesehen, denn weniger VLTs bedeuten auch geringere Abgaben. Ein Casinos-Sprecher begründet das moderate Wachstum mit "Spielerschutz“. Mit den Münze-Anteilen will man sich in der ÖIAG aber keineswegs begnügen, eine Mehrheit ist das Ziel. Die Kirchenbank Schelhammer & Schattera hat für ihre durchgerechnet zehn Prozent bereits Verkaufsinteresse bekundet und eine Bewertung der Casinos vornehmen lassen. Erste Gespräche mit dem Finanzministerium seien aber erfolglos verlaufen. Anders als kolportiert, will sich auch Aktionärin Maria Theresia Bablik nicht unbedingt von ihren Anteilen trennen, berichtet ihr Stiftungsvorstand, der frühere Casinos-Chef Leo Wallner: "Aktuell weiß ich nichts von Verkaufswünschen.“ Er selbst, so Wallner, könnte sich aber vorstellen, sich von seinen eigenen Anteilen zu trennen.

Eine gewichtige Rolle beim Verkauf von Casinos-Anteilen, der nach Spindeleggers Wunsch noch heuer über die Bühne gehen soll, wird die Raiffeisengruppe unter der Konsortialführung der Leipnik-Lundenburger-Holding spielen. Raiffeisen hat nicht nur ein Vorkaufs- und Vetorecht, sondern ist auch einer der größten Gläubiger der Casinos Austria. Auch hier, so ist hinter vorgehaltener Hand zu hören, hätte man nichts dagegen, wenn die Beteiligung in die ÖIAG wandern würde. Selber zukaufen will man nicht, und mit der Arbeit von Ex-Raiffeisen-Manager Stoss dürfte man nicht allzu glücklich sein. Zuletzt habe es zwischen Stoss und seinem Aufsichtsratspräsidenten Walter Rothensteiner gröbere Unstimmigkeiten gegeben. Der Grund: Stoss habe hinter Rothensteiners Rücken mit seinem Freund René Benko, bei dem Stoss auch im Beirat sitzt, eigenmächtig Verkaufsverhandlungen geführt. Unter dem ÖIAG-Dach hätte man Stoss besser unter Kontrolle, ist ein Kalkül der Aktionäre.

Auch die Streitigkeiten in der Vorstandsetage der Casinos haben nach Angaben von Mitarbeitern ein beunruhigendes Ausmaß angenommen. Vor allem Stoss und sein Kollege Dietmar Hoscher dürften einander nicht grün sein.

Einige Altlasten

Die ÖIAG-Variante gilt unter allen Involvierten zurzeit als die wahrscheinlichste, auch wenn die ÖIAG allein für den Kauf der Münze-Anteile zwischen 150 und 300 Millionen Euro in die Hand nehmen müsste. Ein Verkauf an Außenstehende, wie etwa an Benko oder Novomatic, gilt eher als unwahrscheinlich. Denn in den Casinos schlummern noch einige Lasten: Insider berichten von sehr teuren Altverträgen einiger Mitarbeiter und Knebelverträgen, die teils noch unter Leo Wallner ausgehandelt wurden. So müssen die Casinos für ihren Salzburger Standort im Schloss Klessheim Abschlagszahlungen bis ins Jahr 2122 bezahlen und im defizitären Casino Baden wird in Kürze eine Leasing-Endzahlung von etlichen Millionen Euro fällig. Das Spiel um die Casino-Anteile ist also eröffnet, der Sieger noch offen.

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