Carrera: Raus aus dem Kinderzimmer

Der Salzburger Spielehersteller Stadlbauer, berühmt für die Autorennbahnmarke Carrera, steigt ins Geschäft mit ferngesteuerten Fahrzeugen und Fliegern ein. Ein zukunftsträchtiges Business.

Sie ist wichtiger als die Couch, wichtiger als der Küchentisch und sogar wichtiger als der Fernseher: die 35 Meter lange Carrera-Autorennbahn von Andreas Stadlbauer und seinen vier Söhnen. „Sie ist bei uns ständig in Betrieb. Oft sind auch meine Freunde zu Besuch oder die meiner Jungs“, sagt Stadlbauer, der für die schwarze Plastikpiste sogar einen Hobbyraum geschaffen hat. Seine Frau spiele geduldig mit, weil sie „Verständnis für die Urtriebe des Mannes“ habe und für „die Lust am Kräftemessen“.

Beim gemeinsamen Spiel gehen die Stadlbauers allerdings nicht zimperlich miteinander um. Nur der Beste gewinnt, nie würde einer den anderen freiwillig überholen lassen. „Die Jungs glauben oft, dass sie besser als wir Alten sind, aber das stimmt nicht. Auch wir haben es noch drauf“, sagt Stadlbauer, Chef der gleichnamigen Spielefirma, energisch.

Frischluft

Nicht nur privat mögen es die Salzburger schnell. Das Familienunternehmen hat in den letzten Jahren einen beachtlichen Höhenflug erlebt – auch dank der Wirtschaftskrise. Die Gruppe, deren wichtigste Marke Carrera ist, hält bei 150 Millionen Euro Jahresumsatz, 250 Mitarbeitern und liefert Spielwaren in die ganze Welt. „Wir hatten das Glück, dass die Menschen in der Krise nicht bei den Hobbys ihrer Kinder und bei ihren eigenen gespart haben“, sagt der 44-jährige Firmenchef.

Daher ist reichlich Investitionskapital vorhanden. So ist die Familie vor kurzem ins Geschäft mit ferngesteuerten Modellen eingestiegen. Die Autos, Hubschrauber, Schiffe und Flugzeuge der Stadlbauers gibt es also nicht mehr nur im Kinderzimmer, sondern unter der Marke Carrera RC auch an der frischen Luft. „Wir müssen mit der Zeit gehen. Die Wachstumschancen sind in dem Bereich einfach viel größer als in unserem jetzigen Kerngeschäft“, erklärt Stadlbauer. Demnach entfallen zwei Prozent des gesamten Spielwarenhandels auf Autorennbahnen, wo Carrera mit mehr als vierzig Prozent Marktanteil ohnehin klarer Weltmarktführer ist. Sechs bis acht Prozent machen hingegen schon ferngesteuerte Modelle aus.

Eigentlich hatte es ferngesteuerte Autos bei den Salzburgern schon in den 1980er- Jahren gegeben. Doch die Akkus waren schlecht, geladen wurde acht Stunden lang – und das für nur wenige Minuten Fahrvergnügen. Heute beträgt die Ladezeit immerhin eine Stunde, und fahren kann man mindestens 30 Minuten.

Die Spielwaren sind erschwinglich, aber billig sind sie nicht: Den batteriebetriebenen Hubschrauber gibt es ab 69 Euro, soll er gartentauglich, also wetterfest sein, sind es mindestens 139 Euro. Günstiger sind die ferngesteuerten Autos, die es auf 30 km/h bringen und ab 39 Euro zu haben sind. „Es gibt Autos, die je nach Extras mehr als 250 Euro kosten“, erzählt Stadlbauer, „nach oben kann es bei allen Produkten aber noch teurer werden.“

Gefertigt wird das neue Sortiment, so wie der Rest, in China, wo sich in den Fabriken eigens engagierte Ingenieure um die plangemäße Produktion kümmern. Technische Entwicklung, Produktentwicklung und Design bleiben in der Zentrale in Puch Urstein. „Wir sind mit dem Start unserer Neuheiten sehr zufrieden“, sagt Stadlbauer, der die Geschäfte gemeinsam mit seinem 70-jährigen Vater Dieter führt.

Hohe Erwartungen haben die beiden auch ans Christkind. In der Weihnachtszeit rechnen fast alle Spielwarenhändler mit Umsatzzuwächsen – viele machen im Dezember gar vierzig Prozent ihres gesamten Jahresumsatzes. Die Stadlbauers hoffen ebenfalls auf hohe Erlöse, die auch der Siegerwagen von Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel bringen soll.

Autos bleiben Renner

Die schnellen Flitzer werden wohl noch lange der Bestseller der Salzburger sein. „Wenn Sie so wollen, sind wir der größte Autohersteller des Landes. Fast drei Millionen Autos produzieren wir im Jahr, das sind über eine Million Sets (Fahrzeuge, Schienenmaterial, Trafo).“ Stolz ist Andreas Stadlbauer vor allem auf die Produktqualität. „Die Reklamationsquote liegt bei unter einem Prozent, auch hatten wir nie Rückholaktionen“, so der Enkel des Firmengründers Hermann Stadlbauer. Den Namen Carrera muss er sich allerdings teilen. Denn so heißen auch die Sportwagen von Porsche, verschiedene Brillen, Rasierer, Fieberthermometer und Fahrrad- und Skihelme.

Einen kräftigen Wachstumsschub hatte die 1953 gegründete Firma erst im Vorjahr durch den Kauf der bekannten deutschen Seifenblasenfirma Pustefix. Die Salzburger vertreiben auch die Spielkonsole Nintendo in der Schweiz, in Österreich und Osteuropa und die bunten Plastikwelten von Playmobil und des Modellautoherstellers Bburago. Zur Gruppe gehören auch andere Spielzeugmarken, darunter Baufix und Pipi-Max. Eigene Shops gibt es keine, einzig in Shanghai gibt es einen Laden, „weil die Chinesen solche Autonarren sind“.

Eine Frage, die Stadlbauer nicht beantworten kann, ist die, ob seine Rennbahnen bei den Jungen besser ankommen als bei den Alten. „Ich kann es nur von uns daheim sagen. Wir sind alle große Fans.“ Einzig die Ehefrau kann darauf verzichten.

– Silvia Jelincic

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