Bwin fusioniert mit Party-Gaming zum größten börsennotierten Online-Glückspielkonzern

Die Tage von bwin als österreichischem Unternehmen sind gezählt. Headquarter, Börsen­listing: Alles wandert ins Ausland. Auch die h­eimischen Aktionäre könnten sich abseilen.

Die Herren sahen müde aus, als sie letzte Woche in der Wiener Börse die Fusion zwischen dem Online-Wettanbieter bwin und seinem britischen Pendant PartyGaming bekannt gaben. Die bwin-Bosse Norbert Teufel­berger und Manfred Bodner kamen von einem dreitägigen Verhandlungsmarathon aus London zurück. Am Ende dieses Pokers stand der größte börsennotierte Online-Glücksspielkonzern der Welt mit Umsätzen von 682 Millionen Euro jährlich und einem Gewinn von 196 Millionen Euro.

Mit diesem Merger wird nicht nur die Wiener Börse ein Aushängeschild verlieren und der Standort Wien – hier arbeiten derzeit 800 Mitarbeiter – wohl erheblich dezimiert werden. Auch sonst wird nicht mehr viel an dem neuen Unternehmen österreichisch bleiben. Größte Aktionäre des Party­Gaming-bwin-Konzerns, der in London notieren und in Gibraltar seine Zentrale haben wird, sind die Amerikanerin Ruth Parasol und ihr Mann Russ DeLeon, die künftig knapp 14 Prozent besitzen werden (siehe Grafik). Erst weit dahinter rangieren Hannes Androsch mit seiner Privatstiftung und das bwin-Management mit nur 2,8 Prozent.

Keine Behaltefrist für Aktien

Für die bwin-Großaktionäre gibt es ­allerdings keine Behaltefrist, nicht einmal bis zum Closing des Deals. Zwar dürfte ein Verkauf nur unter bestimmten Auflagen erfolgen – nur über die Börse oder an unbeteiligte Dritte –, aber nicht einmal das gilt für alle. Manfred Bodner, der in Zukunft auch nicht mehr im Management der neuen Gesellschaft sitzen wird, darf 600.000 Aktien nach Gutdünken verkaufen. Und dem Vernehmen nach wird er das auch tun. Der bwin-Gründer hat genug gepokert und ist nach mehr als zehn Jahren im Unternehmen amtsmüde, ist zu hören. Vor allem unzählige rechtliche Streitereien in mehreren Ländern inklusive Verhaftung in Frankreich dürften ihm zugesetzt haben. Zuletzt auch die Großbetriebsprüfung in Österreich, die nun zu einer Nachzahlung der Umsatzsteuer führen könnte.
Die Aussicht auf viel Geld wird ihm den Abschied ver­süßen. Nach Bekanntwerden der Fusion erhöhte sich der Börsenwert von bwin um 330 Millionen Euro. Bodner könnte seine 600.000 Aktien jetzt um 26 Millionen Euro an den Mann bringen. Hannes Androsch bekäme für sein Paket zum aktuellen Börsenpreis mehr als 120 Millionen Euro. Allerdings will er über seine Pläne nichts verraten. Vorerst wolle er die Aktien behalten, sagt er, aber: „Was morgen ist, kann niemand wissen. Ich weiß ja auch nicht, ob es in Altaussee morgen regnet.“
Ein Insider erklärt gegen­über FORMAT, es sei Teil des Deals, dass sich die bwin-Großaktionäre verabschieden können: „Das ist mehr ein Verkauf von bwin als ein Merger.“
Ober-Kontrollor aus England.   Seine Rolle als Aufsichtsratsvorsitzender muss Androsch jedenfalls aufgeben. Der starke Mann im Verwaltungsrat soll der britische Telekom-Manager Simon Duffy werden. Duffy war davor in führenden Positionen bei Orange und dem Plattenlabel EMI tätig.
Die größte Aktionärin des neuen Giganten für Online-Sportwetten und -Glücksspiel kann ebenfalls auf Managementerfahrung verweisen. Ruth Parasol, auch genannt „Ruthless Ruthie“, also rücksichtslose Ruth, arbeitete früher im Pornobusiness ihres Vaters. Das Unternehmen IEG war in den 90er-Jahren Vorreiter bei der Produktion von Online-Pornovideos. Im Jahr 2006 wurde Parasol als Nummer 197 der „Forbes“-Liste der reichsten Amerikaner geführt, bevor die PartyGaming-Aktie nach dem Rausschmiss aus den USA zum Sinkflug ansetzte. Bei den jetzigen Verhandlungen soll sich die Milliardä­rin anfangs heftig gegen den Merger gewehrt haben.
Auch für Matthias Winkler, einst Sprecher von Finanzminis­ter Grasser, bei bwin für Lobbying verantwortlich, dürfte es sich ausge­pokert haben. Zumindest in ­Österreich wird diese Tätigkeit wohl nicht mehr benötigt, sobald bwin kein ­österreichisches Unternehmen mehr ist.

– Angelika Kramer

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