bwin-CEO Norbert Teufelberger im Interview

Es ist so weit: bwin verlegt seinen Firmensitz im Zuge einer Fusion nach Gibraltar. CEO Norbert Teufelberger spricht von einer großen Chance für bwin, von Österreich ist er enttäuscht.

FORMAT: Kommenden Donnerstag verschmilzt bwin mit der britischen Party-Gaming. Offiziell ist die Rede von einer Fusion, Mitarbeiter sprechen hingegen von einer Übernahme und fürchten um ihre Jobs. Sind ihre Ängste begründet?

Teufelberger: Nein, bestimmt nicht, es ist keine Übernahme, sondern ein Merger of Equals, also eine Fusion gleichberechtigter Partner. Das zeigt schon die Tatsache, dass die bwin-Aktionäre 51,6 Prozent am zusammengelegten Unternehmen halten werden und die PartyGaming-Aktionäre 48,4 Prozent. Auch der Verwaltungsrat ist fair und ausgewogen aufgeteilt: Sechs Verwaltungsräte kommen von bwin und sechs von PartyGaming. Darüber hinaus gibt es einen unabhängigen Aufsichtsratschef, Simon Duffy, der sogar von bwin nominiert worden ist.

FORMAT: Weil der Firmensitz von Wien nach Gibraltar verlegt wird, scheint ein Stellenabbau unausweichlich. Stimmt es, dass Hunderte Jobs betroffen sind?

Teufelberger: Das ist viel zu hoch gegriffen. Natürlich wird es Anpassungen geben. Das ist bei dieser Fusion so wie bei anderen Fusionen auch. Einige Bereiche, darunter die Kommunikation, wurden bereits nach Gibraltar verlegt. Andere werden wiederum aufgewertet. Das Zahlungsmanagement wird künftig zum Beispiel über die Wiener Tochtergesellschaft abgewickelt. Hier können wir sogar neue Jobs schaffen, ebenso im Kundenservice und in der Sportwettentechnologie.

FORMAT: Im Finanzministerium sieht man einem möglichen Mitarbeiterabbau gelassen entgegen. Ein leitender Angestellter sagte, um die paar Hundert Jobs bei bwin tue es ihm nicht leid.

Teufelberger: Diese Haltung kennen wir, und ich finde sie fürchterlich. Das ist sehr schade, weil bwin eine österreichische Erfolgsstory ist – und bleibt. Österreich hat es leider verabsäumt, eine industriefreundliche Standortpolitik zu betreiben, die es uns leichter gemacht hätte, hier zu bleiben. Die Folge ist, dass wir jetzt wegziehen: Der Online-Bereich ist ja nach wie vor nicht geregelt, und als nunmehr weltweit größter Online-Wettanbieter können wir es uns nicht leisten, unseren Sitz in einem Land zu haben, wo die entsprechenden rechtlichen Rahmenbedingungen fehlen.

FORMAT: Wie sieht die Zukunft von bwin aus?

Teufelberger: Wir werden künftig die Technologie für all unsere Kernprodukte selbst produzieren, wodurch wir unabhängig sind. Auch sind wir regional besser diversifiziert als der Mitbewerb und für die zu erwartende neue Regulierungswelle in den USA bestens gerüstet.

FORMAT: Novomatic stellt die Technologie ebenfalls selbst her …

Teufelberger: Der Unterschied ist: Novomatic ist vor allem bei Spielautomaten und im stationären Casinobereich stark, wir sind es im Internet zum Beispiel mit Sportwetten, Poker und Bingo. Vor der Fusion mit PartyGaming hat bwin nur die Technologie für Poker und Sportwetten selbst entwickelt. Jetzt verfügen wir über große technologische Flexibilität. Die Länder unterscheiden sich ja im Angebot, und so können wir auf die Bedürfnisse des jeweiligen Landes bestens eingehen.

FORMAT: Es heißt, Sie und Co-Vorstand Manfred Bodner wollen Ihre Anteile am Unternehmen verkaufen.

Teufelberger: Weder Manfred Bodner noch ich haben die Absicht, unsere Anteile zu verkaufen. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern. Wir haben beide einen Dreijahresvertrag – ich als Vorstandsvorsitzender und er als Verwaltungsrat und Chef des Integrationskomitees.

FORMAT: Sie zeigen sich von der Fusion begeistert. Das war nicht immer so. Vor wenigen Monaten sagten Sie, dass es nicht so weit hätte kommen müssen.

Teufelberger: Durch die Fusion ergeben sich tolle Möglichkeiten für die Aktionäre. „bwin.party digital entertainment“ hat mit einem Schlag 3,5 Millionen aktive Kunden in 27 Märkten. Was mir leidtut, ist, dass sich Österreich um seine Vorreiterrolle gebracht hat. Denn was passiert gerade? Die Märkte sind im Aufbruch. Spanien hat soeben ein Gesetz zugunsten von privaten Anbietern verabschiedet, ebenso Dänemark. Holland und Griechenland ziehen nach, und auch die USA bereiten eine Öffnung vor. Österreich hätte eine Riesenchance gehabt, in der Online-Gaming-Industrie eine Vorreiterrolle einzunehmen, schützt stattdessen aber den Monopolisten.

FORMAT: Casinos-General Karl Stoss meint, es gebe in Österreich längst kein Monopol mehr.

Teufelberger: Natürlich gibt es das Monopol, und zwar auf Lotterien und auf die stationären Casinos. Viel mehr Schutz kann der Monopolist, also die Casinos Austria, gar nicht haben. Fragen Sie Herrn Stoss doch, wer sonst noch Lotterien- und Casinolizenzen hält. Mir ist niemand bekannt. Und dennoch haben es die Casinos nicht geschafft, effizient zu wirtschaften.

FORMAT: Für die Casinos wird es noch schwerer. Alle Spielbanklizenzen werden neu ausgeschrieben. Ihre Meinung?

Teufelberger: Ich begrüße eine pluralistische Regulierung. Sie hätte früher kommen sollen, und auch jetzt lässt sich Österreich bei der Vergabe wieder viel Zeit.

Interview: Silvia Jelincic

Norbert Teufelberger , 46, steht gemeinsam mit Manfred Bodner, 48, dem Online-Wettanbieter bwin vor. Nach der Fusion mit der britischen PartyGaming am 31. März wird der Firmensitz von Wien nach Gibraltar verlegt. „bwin.party“ wird gut 3.000 Mitarbeiter beschäftigen, 800 davon in Österreich. Mit der Fusion entsteht der weltweit größte börsennotierte Online-Wettanbieter. Teufelberger wird Co-Vorstandschef, Bodner wechselt in den Aufsichtsrat.

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