Brutaler Sanierungsplan für Athen. <br>Plus: Die nächsten EU-Pleitekandidaten

Immer mehr Experten rechnen mit Griechenlands Pleite. Starbanker Willi Hemetsberger erwartet die Insolvenz im FORMAT-Interview spätestens 2012. Portugal & Spanien geraten mit unter Druck.

Jetzt ist es amtlich: Seit Dienstag haben griechische Staatsanleihen nach der Rückstufung ihrer Bonität nur noch Ramsch-Status. Schwacher Trost für die Hellenen: Die Ratingagentur Standard & Poor’s stufte auch Portugal und Spanien herunter, beide Länder bleiben aber noch im halbwegs soliden Bereich. Die Finanzmärkte reagierten binnen Sekunden mit einer massiven Verkaufswelle. Für zweijährige griechische Staatsanleihen wurden Mitte der Woche bis zu 16 Prozent Zinsen gezahlt, der Euro ging ebenso auf Talfahrt wie die globalen Aktienmärkte.

„Spätestens 2012 pleite“
Immer mehr Investoren rechnen schon mit dem Schlimmsten. So prognostiziert Starbanker Willi Hemetsberger, der sich mit dem Wiener Investmentunternehmen Ithuba Capital selbständig gemacht hat: „Ein 45-Milliarden-Euro-Rettungspaket reicht gerade für ein Jahr. Spätestens 2012 ist Griechenland pleite. Das Land ist in einer Todesspirale“. Dann würden die Besitzer von griechischen Anleihen abrasiert. Wenn die Insolvenz halbwegs glatt über die Bühne geht, würden Investoren vielleicht auf 40 Prozent ihres Geldes verzichten müssen. Falls das Finanzchaos wie beim Untergang der Lehman-Bank über Nacht eskaliert, können die Verluste noch weit höher ausfallen. Außerdem drohen dann andere Wackelkandidaten mit in den Strudel gerissen zu werden. Laut einer Ithuba-Studie befinden sich Portugal und Spanien in der Risikozone.

Wechsel zu Euro-Mark?
Österreich und Deutschland sind angesichts der ausufernden Staatsschulden ebenfalls stärker gefährdet als der Durchschnitt, können sich aber durch Sparmaßnahmen wieder in den soliden Bereich hocharbeiten. In einem Horrorszenario, wenn mehrere Mittelmeerstaaten zahlungsunfähig werden sollten, steht auch der Euro auf der Kippe. Deutschland, so der Ex-Bank-Austria-Vorstand Hemetsberger, könnte sich entscheiden, aus dem Euro auszuscheren. Gemeinsam mit soliden Euro-Mitgliedern wie Österreich und den nordischen Staaten könnte man dann, so Euroskeptiker Hemetsberger, gemeinsam zu einer Art Euro-Mark wechseln. Hemetsberger befindet sich, zumindest in seinen Ansichten über Griechenland, durchaus in guter Gesellschaft. So warnte RZB-Chefanalyst Peter Brezinschek schon vergangene Woche zahlreiche Finanzchefs auf dem CFO-Forum in Stegersbach: „Die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland in den nächsten 24 bis 36 Monaten insolvent wird, ist größer als 50 Prozent.“ Die Ouzo-Krise könne durch das geplante 45-Milliarden-Euro-Hilfspaket nicht nachhaltig gelöst werden. Brezinschek: „Das Kernproblem ist die laufende Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit.“ Während sich Deutsche und auch Österreicher bei den Gehältern seit Jahren zurückhalten, steigen die Lohnstückkosten in den Mittelmeerstaaten kontinuierlich. Angesichts dieser Aussichten ist guter Rat teuer.
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wird von Wählern und Medien unter Druck gesetzt, kein deutsches Steuergeld für die selbst verschuldete Misere der Griechen auszugeben, die durch überhöhte Staatsausgaben und mangelnde Steuermoral entstanden ist. So titelt die „Bild“-Zeitung in dieser Woche: „Warum zahlen wir den Griechen ihre Luxus-Renten?“

Lostag 19. Mai
Auf der anderen Seite drängt die Zeit. Am 19. Mai werden griechische Staatsanleihen in Höhe von 8,5 Milliarden Euro fällig. Wenn es bis dahin keine Lösung gibt, müsste die Athener Regierung wohl Insolvenz anmelden. Das hätte auch für österreichische Banken Konsequenzen, die etwa 4,7 Milliarden Euro an Griechenland verborgt haben. Außerdem halten viele Privatinvestoren Akropolis-Bonds im Depot. Gerhard Rehor, Vorstand der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien: „Österreich ist überdurchschnittlich betroffen. Das liegt daran, dass griechische Anleihen bis im Vorjahr KEST-frei waren.“ Am schlimmsten ist Frankreich mit 56 Milliarden Euro Griechen-Bonds involviert. Das erklärt auch den massiven Pariser Druck auf Bundeskanzlerin Merkel, endlich das Rettungspaket zu bestücken. Berlin könnte mittlerweile schon froh sein, wenn es bei den bisher genannten acht Milliarden als deutschem Anteil bliebe. Inzwischen kursieren bereits Zahlen von 30 Milliarden allein für die Bundesrepublik.

Martin Kwauka

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff