Boom-Pause in Fernost

Die Wirtschaftskrise trifft auch die aufstrebenden Länder Asiens: Das Wachstum verlangsamt sich, aber nur vorübergehend. Österreichische Unternehmen vor Ort setzen auf schnelle Erholung – und expandieren.

Vielleicht hat es ja mit den chinesischen Tierkreiszeichen zu tun. 2008, das Jahr der Lehman-Pleite – in China das Jahr der Ratte. 2009, als alles wirtschaftlich ziemlich träge lief – das Jahr des Büffels. 2010, das Jahr des ökonomischen Zwischenhochs, war das Jahr des Tigers, und 2011, bei uns das Jahr des zaudernden EU-Politikers, war für die Chinesen das Jahr des Hasen. Hat es also mit den chinesischen Tierkreiszeichen zu tun? Wenn ja, dann wäre das jetzt ein gutes Omen.

Für 2012 prognostizieren Wirtschaftsforscher für China, aber auch für Indien und Indonesien jedenfalls hohe Wachstumsraten. Zwar werden sie unter den Steigerungen der vergangenen zwei Jahre bleiben, aber immer noch zwischen sechs und neun Prozent liegen. Wachstumsraten, von denen europäische Staaten nur träumen können. Im ersten Halbjahr wird zwar auch in Asien die Krise spürbar sein, ab dem zweiten Halbjahr setzt jedoch eine deutliche Erholung ein.

Und es gibt jede Menge österreichischer Unternehmen, die davon profitieren wollen. Unternehmen aus den unterschiedlichsten Bereichen: Der oberösterreichische Faserproduzent Lenzing gehört genauso dazu wie der steirische Leiterplattenerzeuger AT&S, der Technologiekonzern Kapsch, der Anlagenspezialist Andritz, der Motorenbauer AVL List oder Lisec, ein Glastechnologieunternehmen aus Niederösterreich. Sie alle sind schon seit Jahren in Asien am Markt und kräftig auf Expansionskurs. Lenzing etwa ist seit 30 Jahren vor Ort, und mittlerweile kommen schon 50 Prozent des Konzernumsatzes aus der Region.

Für viele westliche Unternehmen geht es in Asien längst nicht mehr nur um die billigen Produktionsstätten. Dass es in den schnell wachsenden Volkswirtschaften Asiens eine immer größere Mittelschicht mit westlichen Konsumwünschen gibt, macht die Region auch als Absatzmarkt interessant. Lenzing-CEO Peter Untersperger: „Natürliche Inhaltsstoffe in den Produkten und Umweltschutz – diese Themen sind auch bei den asiatischen Konsumenten längst angekommen.“ Gleiches gilt für AT&S, das China als Zulieferer der Mobilfunk- und Automobilindustrie vor allem auch als Absatzmarkt nützt.

Asien im Wandel

Doch gerade am Beispiel China zeigt sich: Asien ist im Wandel begriffen. Österreichische Unternehmer wie Lenzing-Chef Untersperger weisen darauf hin, dass vor allem an der chinesischen Ostküste die Personalkosten in den vergangenen Jahren rasant gestiegen sind. Das ist gut für den Absatzmarkt, verschiebt die Produktionsstätten aber immer weiter in den chinesischen Westen oder gleich in andere ostasiatische Staaten. Vor allem Bangladesch, Thailand und Vietnam, aber auch Pakistan ziehen mit niedrigen Löhnen, hohen Wachstumsraten und enorm wachsender Bevölkerung immer mehr Firmen an – darunter übrigens auch chinesische Unternehmen.

Gemeinsam mit einigen afrikanischen Staaten und der sehr dynamisch wachsenden Türkei als Verbindung zwischen Asien und Europa zählen sie zu den „Next Eleven“, Staaten, denen die stärksten Entwicklungen vorausgesagt werden.

Längst einen Schritt weiter ist Indien, die mit 1,2 Milliarden Menschen größte Demokratie der Welt. Sosehr dem Land ein wirtschaftliches Kopf-an-Kopf-Rennen mit China nachgesagt wird – der Realität entspricht das nur zum Teil: Zwar lockt Indien gemeinsam mit China weltweit die meisten ausländischen Direktinvestitionen an, doch die Wirtschaftsleistung pro Kopf ist in Indien nur etwa halb so hoch wie bei dem großen Konkurrenten.

„Indien steht heute dort, wo China vor 15 Jahren stand“, sagt Hans-Jörg Hörtnagl, österreichischer Wirtschaftsdelegierter in Neu-Delhi. Der Aufholbedarf ist gerade bei der Infrastruktur noch enorm groß. Flughäfen, Autobahnen und Tunnels entstehen mit österreichischer Beteiligung. Zwar steigen auch hier die Lohnkosten, damit wächst allerdings auch die konsumfreudige Mittelschicht. Österreichs Exporte nach Indien sind jedenfalls allein im ersten Halbjahr 2011 um 37 Prozent angestiegen.

Risiko Immobilienblase

Im Windschatten der großen zwei wächst aber auch Indonesien zu einem Wachstumsmarkt heran. Das Land mit 238 Millionen Einwohnern ist für viele Unternehmen wie etwa den Anlagenbauer Andritz ein Hoffnungsgebiet.

Doch alle bevölkerungsreichen asiatischen Märkte haben ein gemeinsames Problem: die Inflation, die vor allem durch hohe Rohstoff- und Lebensmittelpreise angetrieben wird. In Indien und China versuchen die Regierungen deswegen, ihr mit drastischen Mitteln entgegenzuwirken. Gerade in China könnten sich außerdem die dramatisch gestiegenen Mietpreise noch als Folge einer Immobilienblase herausstellen.

Für den Wirtschaftsforscher Marcus Scheiblecker vom Wirtschaftsforschungsinstitut ist das eines der wenigen Dinge, die das Wachstum in Asien bremsen könnten. Und daran wird sich entscheiden, ob das chinesische Tierkreiszeichen auch für das nächste Jahr symbolisch zu verstehen sein wird: 2012 ist nämlich das Jahr des Drachen.

– Martina Bachler

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