Börse Wien: Geplante Expansion könnte an monetären Engpässen scheitern

Eine leere Kasse, Gerichtsverfahren und Widerstand der Konkurrenz machen den ehrgeizigen Expansionsplänen der Wiener Börse einen Strich durch die Rechnung.

Die Nachricht, die Wien kürzlich aus Warschau ereilte, hätte kaum deutlicher ausfallen können: Bei der bevorstehenden Privatisierung der Warschauer Börse lege man auf einen Bieter keinen Wert, und das sei die Wiener Börse. Die Frankfurter, die Londoner Börse oder die Euronext wären hingegen willkommen, so der stellvertretende polnische Finanzminister Michal Chyczewski. Der Grund für diese offene Ablehnung liegt auf der Hand: Im vergangenen Jahr hat Wien dem Konkurrenten Warschau mit Laibach und Prag gleich zwei Börsen vor der Nase weggeschnappt.

Der Expansion verschrieben
Die Chefs der Wiener Börse, Heinrich Schaller und Michael Buhl, trifft diese Ansage zur völlig falschen Zeit, haben sie sich doch mit Haut und Haar der Expanison verschrieben. „Wir sind dabei, einen Börsenverbund zu schmieden. Auch ein einheitlicher Name wird ­angedacht“, sagt Schaller, der neben Wien auch Herr über die Börsen Budapest, Laibach und Prag ist. Für heuer sind gemeinsame Roadshows, Datenpooling, in fernerer Zukunft eine einheitliche Handelsplattform, Regulierung sowie Clearing und Settlement angedacht.

Kapitalerhöhung in Planung
Die Wiener Börse hat sich ihre Expansionsstrategie bislang einiges kosten lassen: Während in Laibach rund 40 Millionen Euro geflossen sein sollen, sollen es in Prag mindestens 200 Millionen gewesen sein. „Wir sehen das als strategische In­vestition“, wehrt Buhl Fragen nach einem Zeitpunkt, wann sich diese Investitionen rechnen sollen, ab. Bislang konnten diese Zukäufe noch aus dem Cashflow und mittels Bankkrediten finanziert werden. Mittlerweile herrscht aber Ebbe in der Kasse der Wiener Börse, weshalb neue Wege beschritten werden sollen. „Wir planen fürs erste Halbjahr 2009 eine Kapital­erhöhung“, verrät Schaller. Damit sollen etwaige neue Akquisitionen möglich gemacht werden.

Zurückhaltende Aktionäre
Ob die Aktionäre der Wiener Börse (börsennotierte Unternehmen und heimische Banken) einer Kapitalaufstockung zustimmen, ist aber noch fraglich. Dem Vernehmen nach zeigt sich die Mehrheit von der Idee nicht allzu begeistert. Denn die fetten Jahre der Börse, als sie Dividenden in zweistelliger Millionenhöhe an die Aktionäre zahlen konnte, sind vorbei. Zuletzt brach der durchschnittliche Handelsumsatz pro Monat um ein Viertel ein, die Marktkapitalisierung reduzierte sich auf ein Drittel, und wichtige Marktteilnehmer wie die Capital Bank brachen weg.

Monetäre Engpässe
Frisches Kapital ist keines in Sicht, wie Börsenchef Schaller freimütig bestätigt: „Wir wissen von keinem Börsengang und keiner Kapital­erhöhung. Die Zurückhaltung der Unternehmen ist aber verständlich.“ Zu all dem kommt noch, dass die Wiener Börse bei der Veranlagung ihrer eigenen liquiden Mittel kein allzu glückliches Händchen bewiesen hat: Der Österreich-Aktienfonds, in dem die Börse zehn Prozent, rund sechs Millionen Euro, veranlagt hatte, hat im letzten Jahr mehr als 60 Prozent an Wert verloren. Damit zählt die Börse selbst zu den vielen Verlierern am Wiener Aktienmarkt.

Warschau bleibt auf der Agenda
Trotz all dieser Probleme setzt man im Börsen­management ganz auf Optimismus. „Das Jahr 2009 hat ohnehin schon jeder abgehakt. Vielleicht sind noch Überraschungen nach oben drinnen“, hofft Buhl. Auch im Rennen um die Warschauer Börse will man sich noch nicht geschlagen geben. „Wir haben grundsätzlich Interesse und werden die Ausschreibung ganz genau auf ihre EU-Konformität prüfen“, heißt es. Widerstand sind Wiens­ Börsianer jedenfalls gewohnt: Während Großaktionäre in Buda­pest seit langem gegen die Börsenspitze rebellieren, ist in Laibach ein Gerichtsstreit gegen die neuen Eigentümer anhängig.

Von Angelika Kramer

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