Bierfieber in Österreich: Spezialbrauereien sind eine Klasse für sich

Bierfieber in Österreich: Spezialbrauereien sind eine Klasse für sich

Man sollte es gar nicht glauben, aber nicht alle, die heutzutage Baumgartner sagen, meinen jenen Salzburger Extremsportler, dessen Name momentan in vieler Munde ist.

Die Einwohner der schmucken Barockstadt Schärding beispielsweise, aber auch immer mehr Freunde des überaus beliebten Gerstensaftes denken dabei auch an die dort seit 1609 ansässige Traditionsbrauerei Baumgartner.

Denn seit Baumgartner Bier beim " World Beer Cup 2012 “ in San Diego, wo gut 800 Brauereien um den Weltmeistertitel ritterten, mit seinem Pils unter weltweit 4.000 in dieser Kategorie konkurrierenden Anbietern Bronze geholt hat, mausert sich der oberösterreichische Familienbetrieb vom lokalen Platzhirsch zunehmend zum regionalen Bierchampion.

Baumgartner Bier zählt mit etwa zwölf Millionen Euro Umsatz, 50 Mitarbeitern und einer jährlichen Produktionsmenge von rund 100.000 Hektolitern zu den 15 größten Braustätten Österreichs. Aber im Vergleich etwa zur mächtigen Brau-Union-Gruppe sind die Innviertler trotz vieler begehrter Branchen-Auszeichnungen ein kleiner Spieler. "Doch seit dem Erfolg bei der Bier-WM verzeichnen wir zweistellige Zuwachsraten“, sagt Baumgartner-Geschäftsführer Herbert Bauer. "Und inzwischen verkaufen wir bereits 20 Prozent unserer Produktion in dem für Zuagroaste vielleicht schwierigsten Biermarkt der Welt, in Bayern.“

Neues Selbstbewusstsein

Tatsächlich zeigen in der heimischen Bierszene seit geraumer Zeit, gestärkt durch den Baumgartner-WM-Erfolg, mehr und mehr kleinere oder mittlere Privatbrauereien auf. Sie verbreiten nach der für viele Mini-Brauereien schmerzlichen Marktkonsolidierung in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein neues Selbstbewusstsein. Das ist insofern bemerkenswert, als sich der österreichische Markt, auf dem immer noch 170 Braustätten (inklusive der 79 Gasthaus- und Hausbrauereien) etwa 8,9 Millionen Hektoliter (2011) herstellen und damit rund eine Milliarde Euro Umsatz erwirtschaften, zu knapp drei Viertel fest in den Händen dreier großer Produzenten befindet. Unangefochtener Primus ist nach wie vor die Brau Union, die mit Produkten wie Zipfer, Gösser oder Puntigamer den heimischen Biermarkt dominiert und Teil des Heineken-Konzerns ist. Auf Platz zwei und drei folgen Stiegl und Ottakringer.

Die Speerspitze der Mobilmachung der kleinen und mittelständischen Brauereien gegen diese Übermacht bilden die sogenannten " Culturbrauer “. Unter diesem Namen widmen sich neun kleine Brauereien der "Weiterentwicklung der heimischen Braukultur“ durch "Unabhängigkeit, Vielfalt und Regionalität“. Die Brauereien dieser bereits 2008 gegründeten, aber erst jetzt zur Einigkeit gereiften Gruppe produzieren ca. 1,2 Millionen Hektoliter Gerstensaft und kommen so auf zirka 13 Prozent Marktanteil.

Karl Trojan, Chef der Brauerei Schrems, schenkt recht großzügig ein, wenn er den Krug auf die gemeinsame Initiative hebt: "Die Globalisierung bringt die Eigenständigkeit in Gefahr, die Kleinen müssen den Großen weichen oder werden aufgekauft. Dies beschleunigt die Geschmacksnivellierung. Dagegen wollen sich die Culturbrauer mit dem Mut, gegen den Strom zu schwimmen, zur Wehr setzen. Unsere Biere müssen Ecken und Kanten haben, ein Spiegelbild ihrer regionalen Herkunft sein.“

Zwar erfreuen sich einige der Sorten dieser Brauereien in so manchen Bierhochburgen bereits zunehmender Beliebtheit - so wird Zwettler in Prager Bierhallen kredenzt, Schremser in Londoner Pubs über den Tresen geschoben oder Eggenburger im mittleren Westen der USA ausgeschenkt. Doch ob der Vorstoß der Culturbrauer mehr als bloß eine Marketing-Aktion ist, muss sich erst zeigen. Die Messlatte ist der Erfolg der gemeinsamen "Best of Bock“-Box mit neun Spezialbieren, die derzeit um wohlfeile 13 Euro im Handel angeboten wird.

Prosit "Culturbrauer“

Eine neue Stimme schenkt im umkämpften österreichischen Biermarkt derzeit großmundig ein - die "Culturbrauer“. Zu dieser Gruppe haben sich neun lokale Privatbrauereien formiert, um gegen "Geschmacksnivellierung“ und für "Vielfalt und Regionalität“ zu kämpfen. Dazu zählen die Brauerei Schloss Eggenburg und die Braucommune in Freistadt (Oberösterreich), die Brauerei Hirt in Kärnten, die Mohrenbrauerei in Vorarlberg, die Brauerei Murau (Steiermark), die niederösterreichischen Häuser Schrems und Zwettl, die Trumer Privatbrauerei in Salzburg sowie Zillertaler Bier aus Tirol. Sie wollen dem Lieblingsgetränk der Österreicher, die pro Kopf und Jahr 108 Liter Bier trinken, wieder Ecken und Kanten geben.

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff