Bergbau im Weltraum – Die Kolonie auf dem Mars wird Wirklichkeit

Bergbau im Weltraum – Die Kolonie auf dem Mars wird Wirklichkeit

Eric Anderson will den Bergbau revolutionieren. Vom Montanwesen versteht der Technik-Milliardär bislang noch sehr wenig – von der Raumfahrt dagegen umso mehr.

Das sollte er auch, denn Anderson will mit seinem Unternehmen Planetary Resources keine Bodenschätze aus der Erde holen, sondern sie auf Asteroiden im Weltraum schürfen.

Allzu leicht könnte man Andersons Ideen als Science-Fiction-Träumerei abtun, wäre da nicht eine Liste mit Investoren, die aufhorchen lässt: Google-CEO Larry Page hat in Planetary Resources genauso investiert wie Google-Vorstand Eric Schmidt, Milliardär Ross Perot jr. und Hollywood-Schwergewicht James Cameron. Auch wenn es all diesen frühen Finanzpartnern derzeit noch nicht ums Geld gehen dürfte, ist eines schon jetzt klar: Sollten die Pläne von Planetary Resources tatsächlich aufgehen, würden die Renditen jede Blue-Chip-Aktie wie einen biederen Bausparer aussehen lassen.

"Auf Asteroiden gibt es Rohstoffe in extrem hoher Konzentration, die auf der Erde unglaublich selten sind“, weiß Anderson. Platin ist so ein Rohstoff. Gerade einmal vier Minen fördern das begehrte Edelmetall auf der Erde - der Jahresoutput an Platin liegt bei lächerlichen 140 Tonnen. Und die Nachfrage übersteigt das Angebot um ein Vielfaches. Genau dort sieht Anderson das größte Potenzial für seine Weltraumpläne: "Platin ist ein hervorragender Kandidat für Asteroiden-Abbau. Ein einziger Asteroid mit 500 Meter Durchmesser - und das ist eigentlich ein kleiner - enthält weitaus mehr Platin, als in der gesamten Geschichte der Menschheit auf der Erde abgebaut wurde.“

Nicht nur die schiere Menge ist beeindruckend, Anderson rechnet damit, dass das Asteroiden-Platin auch deutlich einfacher zu gewinnen wäre. "Auf Asteroiden kommt Platin in Konzentrationen vor, die um das 100- bis 1.000fache höher sind als auf der Erde.“ Auf die Frage, ob derartig große Mengen eines seltenen Rohstoffes nicht den kompletten Markt überschwemmen würden und den Preis ins Bodenlose fallen ließen, meint Anderson: "Na hoffentlich. Ich möchte jedenfalls lieber in einer Welt des Überflusses leben.“

Wie alle Raumfahrtprojekte benötigt auch Planetary Resources vor allem eines: Geld. Über mangelndes Interesse von Investoren können sich Eric Anderson und sein Mitgründer Peter Diamandis nicht beklagen: "Bisher haben wir rund 15.000 Investmentanfragen erhalten, und das, obwohl wir jedem sagen: ‚Leute, es kann gut sein, dass ihr euer Geld nie mehr wiederseht.‘“

Wie hoch die Gesamtinvestitionen in Planetary Resources bisher ausgefallen sind, ist ein gut gehütetes Geheimnis. Brancheninsider schätzen die Summe auf einen dreistelligen Millionenbetrag. Viel für ein Unternehmen, das bisher kaum Handfestes vorzuweisen hat, jedoch wenig für ein kostenintensives Raumfahrtprojekt.

Unendliche Weiten. Noch hat Anderson freilich ein weitaus beachtlicheres Hindernis zwischen sich und den begehrten Rohstoffen als Geldsorgen: mehrere Millionen Kilometer Weltraum - und kein Raumschiff, das sich für das Bergbauvorhaben eignen würde. Immerhin hat er schon seine Mining-Crew beisammen. "Ja, dazu gehören auch Bergbauexperten“, erzählt Anderson amüsiert, "aber der Großteil unseres Teams stammt aus der Raumfahrt. Vom Nasa Jet Propulsion Laboratory haben wir schon Anrufe erhalten, dass wir endlich aufhören sollen, ihre besten Leute abzuwerben.“

Der erste Schritt für Planetary Resources hat noch recht wenig mit Asteroiden zu tun. "Bevor wir eine derartige Unternehmung auch nur ernsthaft ins Auge fassen können, müssen wir die Kosten für Missionen in den Weltraum drastisch reduzieren. Derzeit ist jede Sonde, jede Rakete ein eigener Prototyp. Das muss sich ändern - wir müssen Raumsonden am Fließband produzieren.“

Anderson schätzt, dass sich schon mit einer sanften Serienfertigung die Kosten für Raumsonden um 90 Prozent reduzieren ließen. "Wer heute eine Sonde ins Sonnensystem schießen will, braucht unter 100 Millionen Dollar gar nicht anzufangen. Aber wir wollen die Kosten für eine Mission eher in der Größenordnung von einer Million sehen. Massenproduktion ist der Schlüssel dazu.“

Data-Mining

Derzeit steht Planetary Resources noch vor einem weitaus banaleren Problem: "Wir haben im Moment noch keine verlässlichen Daten über die meisten Asteroiden. Unsere ersten Missionen sind daher klassische Wissenschaftssonden, die helfen sollen, potenzielle Kandidaten für spätere Raumflüge zu identifizieren“, so Anderson. Den Prototyp dieser Sonde namens Arkyd-100 hat Planetary Resources bereits im vergangenen Jahr präsentiert. Schon im kommenden Jahr soll die erste Gruppe von Arkyd-100-Sonden starten. Ausgestattet sind sie mit einem 9-Zoll-Teleskop, das erdnahe Asteroiden bis herunter auf eine Größe von rund 40 Metern erkennen können soll. "Die genaue technische Ausrüstung der Arkyd-100-Satelliten kann sich aber noch kurzfristig ändern - die Plattform ist flexibel gestaltet, um genau solche Anpassungen auch spät in der Entwicklungsphase zu ermöglichen.“ Konkrete Zeitpläne nennt Anderson nur widerwillig: "Es gibt noch viel zu lernen, bevor wir mit Gewissheit sagen können, wann wir die ersten Rohstoffe von Asteroiden holen werden. Aber wenn Sie unbedingt eine Jahreszahl hören wollen, sagen wir 2030.“

Wie der Abbau vonstatten gehen soll, ist bei Planetary Resources noch Gegenstand intensiver Forschung. "Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wir bauen die Rohstoffe vor Ort ab, verarbeiten sie und bringen die Materialien anschließend zur Erde oder in andere Regionen des Sonnensystems, wo sie benötigt werden. Oder wir holen gleich den ganzen Asteroiden in eine Erdumlaufbahn und extrahieren die Rohstoffe hier sozusagen vor der Haustüre.“

Beide Varianten haben laut Anderson ihre Vorteile: "Um Roboter und Material von und zu einem Asteroiden zu bringen, ist erstaunlich wenig Energie nötig. Anders als bei der Erde oder auch beim Mond muss man bei Start und Landung nicht gegen eine starke Gravitationskraft ankämpfen. Man landet auf einem Asteroiden nicht, sondern ‚dockt‘ an ihm an. Die Verarbeitung von Rohstoffen in der Schwerelosigkeit hat sogar einige Vorteile, da man große Massen mit wenig Kraft bewegen kann.“ Die benötigten Roboter müssten daher nicht gigantische Bergbaumaschinen sein, wie sie auf der Erde verwendet werden, sondern könnten erheblich kleiner und fragiler gestaltet werden.

Das Asteroiden-Mining in der Erdumlaufbahn hätte den Vorteil, dass hier eine direkte Steuerung der Abbaumaschinen möglich wäre. Man könnte schneller und einfacher auf unerwartete Ereignisse reagieren. "Und davon werden wir zu Beginn sicher eine ganze Menge haben.“

Ziemlich sicher ist sich Anderson dagegen bei der Frage, welche Asteroiden für Bergbau überhaupt infrage kommen: "Besonders interessant sind Asteroiden der sogenannten C-Gruppe.“ Diese Himmelskörper sind nicht nur immens reich an wertvollen Edelmetallen der Platin-Gruppe (neben Platin selbst gehören dazu auch Palladium, Osmium, Iridium, Ruthenium und Rhodium - allesamt heiß begehrte Hightech-Materialien), sondern bestehen auch zu bis zu 20 Prozent aus gefrorenem Wasser. "Wasser ist im Weltraum extrem wertvoll“, so Anderson. Denn aus Wasser lässt sich sehr einfach direkt im All Trinkwasser, Atemluft und Raketentreibstoff gewinnen. "Damit könnten wir die Grundbedürfnisse jeder bemannten Raumfahrtmission vor Ort decken.“

Glücklicherweise sind Asteroiden der C-Gruppe alles andere als selten. "Wir schätzen, dass rund 75 Prozent aller Asteroiden zur C-Gruppe gehören“, so Anderson.

Tankstellen im All

Bevor sich Planetary Resources an den Abbau wertvoller Rohstoffe auf Asteroiden wagt, hat man noch einen nicht weniger ehrgeizigen Plan. "Wir werden eine Reihe von Treibstoffdepots im Sonnensystem anlegen, wo Raumschiffe nachtanken können“, so Anderson. Diese Idee ist nicht neu, schon die Nasa plant seit langem, im Erd-Orbit Treibstofflager anzulegen, um zukünftige Missionen zu Mond oder Mars einfacher durchführen zu können. "Der Unterschied zwischen unserem Plan und dem der Nasa ist, dass wir den Treibstoff nicht von der Erde holen wollen, sondern in Form von Wasser aus den Asteroiden“, erklärt Anderson. "Hat man erst einmal diese Treibstofflager im Weltraum, werden Flüge ins Sonnensystem, zum Mond oder zum Mars plötzlich viel, viel einfacher und billiger.“ Vor allem die geplanten bemannten Marsmissionen könnten von derartigen Weltraumtankstellen massiv profitieren.

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