Beny Steinmetz, Rene Benkos reicher Freund

Beny Steinmetz

Beny Steinmetz

In den repräsentativen Büros der Signa Holding ist man vom israelischen Diamantenmilliardär Beny Steinmetz aufrichtig angetan. Clever sei er, schnell in seinen Entscheidungen und hochintelligent. Eigenschaften, die dort bislang vor allem dem eigenen Unternehmensgründer, René Benko, zugeschrieben wurden.

Die Begeisterung ist allerdings verständlich - immerhin ermöglicht Steinmetz mit seinem Vermögen den bislang spektakulärsten Deal der Signa Gruppe: De facto die Komplettübernahme des deutschen Warenhaus-Imperiums Karstadt.

Der Kaufhaus-Coup ist, wie es sich für einen Diamentenhändler gehört, brillant inszeniert. Benkos Signa übernimmt laut einer dem deutschen "Manager Magazin“ vorliegenden Aufsichtsratsvorlage drei Viertel der Karstadt-Holdinggesellschaften. Die Hälfte davon geht in einem zweiten Schritt an Steinmetz. Damit sind Signa und Steinmetz gleichberechtigte Haupteigentümer der deutschen Warenhauskette. Bisheriger Mehrheitseigentümer der durchwachsen wirtschaftenden Karstadt-Gruppe war der deutsch-amerikanische Investor Nicolas Berggruen, der den beiden auch eine Option über 75 Prozent der Stammgesellschaft mit 83 Geschäftszentren - künftig wohl unter dem Firmennamen Signa Retail - eingeräumt hat. Kolportierter Verkaufspreis: ein Euro.

Zum Ausgleich erhält Berggruen an einigen Gesellschaften von Signa und Steinmetz Beteiligungen und Kaufoptionen, sodass er an künftigen Wertsteigerungen mitpartizipieren kann. Sein Vorteil: Er ist die lästige Karstadt-Bürde mehr oder weniger los, muss sich nicht mit Umsatzeinbrüchen oder mit Kritik an Gehaltskürzungen und Steuererleichterungen im Bereich von hunderten Millionen Euro herumschlagen - und kann auf Finanzerträge warten. Signa und Steinmetz erhalten dafür ein wahres Immobilien-Imperium, dass sie mit Fremdmietern in eine wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft führen wollen. Deutsche Regionalzeitungen aus Städten mit Karstadt-Filialen stehen den Neo-Investoren aber weiter kritisch gegenüber.

Cleveres Konstrukt

Die besondere Cleverness von Benko und Steinmetz zeigt sich in einem Detail. Sie planen, in die Karstadt-Unternehmen 300 Millionen Euro zu investieren, holen sich das Geld aber über Mieterhöhungen wieder herein. Allein bei den Premium-Häusern der Gruppe, unter anderem KaDeWe in Berlin, soll dieser Schachzug über 34 Millionen Euro pro Jahr bringen.

Doch wer ist dieser 57 Jahre alte Beny Steinmetz eigentlich? Der Mann, der heute von "Forbes“ auf 4,1 Milliarden Dollar Vermögen taxiert wird, stieg in jungen Jahren nach dreijährigem Militärdienst in Israel mit nur einem Sackerl Glitzersteinen in den Diamantenhandel ein. Er etablierte sich im globalen Rohstoffgeschäft und ist mit seiner Steinmetz Group heute der größte Einzelkunde des Diamanten-Weltkonzerns De Beers. Hinzu kommt noch ein großes Aktienpaket am kanadischen Bergbau-Riesen Gabriel Resources, der auch umstrittene Abbauprojekte in Rumänien verfolgt.

Ärger machten Steinmetz zuletzt Streitigkeiten um Erzabbaurrechte in Guinea, die sogar zu einer Hausdurchsuchung an seinem Wohnsitzes in der Schweiz führten. Denn in Afrika dürfte der israelisch-französische Doppelstaatsbürger laut Menschenrechtsorganisationen den Deal seines Lebens gemacht haben. Steinmetz bekam eine zwangsenteignete Mine praktisch geschenkt und verkauft sie um 2,5 Milliarden Dollar an ein brasilianisches Unternehmen weiter. Seine Anwälte bestreiten die Bezahlung von Schmiergeldern energisch. Die Signa Gruppe gibt übrigens zu Steinmetz offiziell keinen Kommentar ab.




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Ein weiteres unternehmerisches Standbein sind Immobilien-Projekte: Bürohäuser in New York, Montreal, Mailand und Paris, Luxushotels und auch Shoppingcenter. 2004 hat die Firma Five Mount Properties von Steinmetz zusammen mit Merrill Lynch und Apollo Capital das niederländische Unternehmen Haselmere gekauft, das etwa 70 Shoppingcenter und 80 Büro- und Industrieimmobilien in England besitzt. Kleinere Aktivitäten im Spirituosen- und Weinbereich runden das milliardenschwere Firmenkonglomerat ab.

Großes Ego

Der ehrgeizige Entrepreneur hat seinen einstigen Leitspruch "The Sky is the limit“ mittlerweile um die Worte ergänzt: "Dort fängt es gerade erst an.“ Seiner Philanthropie folgt er mit der Steinmetz Foundation, die wohltätige Projekte in aller Welt großzügig unterstützt. Als eine Art Friedensprojekt kann auch sein Engagement bei Signa gesehen werden. Denn neben Steinmetz findet sich auch die Falcon Bank unter den Investoren der Tochterfirma Signa Prime. Und diese steht im Eigentum des Staatsfonds Aabar Investments aus Abu Dhabi.

2012 ist der Israeli bei René Benko als Financier eingestiegen. Kennengelernt haben sie sich beim Hahnenkammrennen in Kitzbühel. Wie Benko hat auch Steinmetz ein Faible für Privatjets und Jet-Set. Der große Unterschied: Steinmetz kommt aus einer durchaus begüterten und polyglotten Unternehmerfamilie, während der um 21 Jahre jüngere Benko aus einfachen Verhältnissen stammt und von Innsbruck aus sein Imperium aufbaute.

Kaufhof noch nicht vom Tisch. Trotz der spektakulären Karstadt-Übernahme hat Benko nicht sein früheres Lieblingsprojekt aus den Augen verloren - und diskret hofft er immer noch, nun mit dem Geld von Steinmetz im Rücken, dieses zu finalisieren. Vor zwei Jahren wollte er den Karstadt-Konkurrenten Kaufhof erwerben. Die Warenhausgruppe steht im Eigentum von Metro und verfügt über attraktive Immobilien in deutschen City-Lagen. Mit Benko war man sich bereits über den Kaufpreis von zwei Milliarden Euro einig, scheiterte aber im Finale an Details. Der Österreicher wandte sich Karstadt zu - mit bekanntem Ergebnis.

Und noch ein Prestigeprojekt Benkos, auch hier mit Steinmetz diskret im Hintergrund, steht unmittelbar vor der Finalisierung: die Verbindung des Goldenen Quartiers an der Wiener Tuchlauben via Fußgängerzone zum neuen Park Hyatt. Statt von Begegnungszone wie in der Mariahilferstraße spricht man hier allerdings lieber von Goldener Meile. Das Park Hyatt eröffnet im Juni kommenden Jahres seine Luxuspforten.

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