Beim neuen ÖBB-Tower will Bahn-Chef Kern lieber Mieter als Bauherr sein

Der ÖBB-Chef hat schon Baustellen und Schulden genug. Die neue Konzernzentrale wird die Bahn daher – anders als vorgesehen – nicht selbst errichten.

Kurswechsel bei den ÖBB: Während die Abwicklung von großen Immobilienprojekten wie etwa am Wiener Praterstern – bis hin zur Vermarktung und Bewirtschaftung – von der Bahn selber durchgeführt wurde, zieht ÖBB-Chef Christian Kern jetzt die Bremse. Beim neuen ÖBB-Tower am Wiener Hauptbahnhof wird die Bahn, anders als ursprünglich vorgesehen, nur mehr Mieter sein. Um den Bau sowie die Verwertung sollen sich Spezialisten kümmern. Der überraschende Vorschlag des Vorstands wurde jetzt vom Aufsichtsrat abgesegnet.

Risiko-Auslagerung

Die Entscheidung ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Einerseits ist sie eine Ohrfeige für die konzerninterne Immobilien AG. Andererseits ist sie eine bewusste Abkehr von der bisherigen Strategie, die besonders Kern-Vorgänger Martin Huber verfolgte und den ÖBB das Bonmot vom Baukonzern mit angeschlossenem Schienenverkehr einbrachte.

Trotz des möglichen internen Unmuts ist Kern von der Auslagerung überzeugt. „Wir haben mehrere Varianten eingehend geprüft. Die Wirtschaftlichkeitsberechnungen ergaben, dass die Vorteile bei der Baurechtsvergabe überwiegen“, sagt der ÖBB-Chef. Wichtiger Zusatz: „Das ist auch eine strategische Entscheidung im Sinne der Konzentration auf das Kerngeschäft.“

Der General hat Baustellen genug. Er will sich nicht auch noch mit riesigen Hochbau-Vorhaben herumschlagen. Außerdem fehlt sowieso an allen Ecken und Enden Geld, sodass die rund 100 Millionen Euro für das Projekt die Schulden weiter erhöhen würden.

Die Horrorvision des Bahn-Bosses: Ein Debakel à la Skylink mit Kostenexplosion, verzögerter Fertigstellung und nicht vermietbaren Flächen. Alle diese Risiken werden jetzt ausgelagert. Damit nimmt Kern auch Kritikern wie der grünen Abgeordneten Gabriela Moser den Wind aus den Segeln. Die hatte bemängelt, dass die ÖBB sich zu stark auf Immobilien konzentrieren würden.

Baurecht und Miete

Im Wesentlichen sieht der Kern-Plan Folgendes vor: Die ÖBB-Infrastruktur AG schließt mit einem privaten Unternehmen einen Baurechtsvertrag über 80 Jahre. Das bedeutet, dass die ÖBB Eigentümer der Liegenschaft bleiben. Der Vertragspartner kann aber ein Gebäude errichten und 80 Jahre lang nutzen. Für dieses Recht zahlt er an die Bahn.

Im Gegenzug mieten die ÖBB einen großen Teil der Büroflächen des neuen Towers für 15 Jahre. Das bringt dem Projektbetreiber sicheres Geld und minimiert sein Verwertungsrisiko. Denn er muss nur noch die restlichen Flächen vermieten, darunter auch die Shops im Erdgeschoß.

Obwohl die ÖBB Miete zahlen und auch auf mögliche Gewinne aus der Entwicklung der Immobilie verzichten, sieht Kern in dem Deal ein gutes Geschäft: „Dem Konzern entstehen keine finanziellen Belastungen durch weitere Fremdfinanzierung.“

In der neuen Zentrale werden rund 1.400 ÖBB-Mitarbeiter, unter anderem der Holding, der Personenverkehrs AG und der Postbus AG, ihren Arbeitsplatz haben. Das Gebäude wird südlich der Bahnhofshalle errichtet, 24 Stockwerke umfassen und 88 Meter hoch sein. Mit der Generalplanung wurde Ende Juli das Wiener Architekturbüro Zechner & Zechner ZT GmbH beauftragt. Die Fertigstellung ist für Sommer 2014 geplant.

- M. Koch, A. Johannsen

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