Bawag: Der nächste US-Investor geht an Bord

Bawag: Der nächste US-Investor geht an Bord

Hannes Androsch ist verärgert. Der Ex-Finanzminister und Industrielle besitzt selbst einen Mini-Anteil an der Bawag.

Die Umstände rund um das Zustandekommen der neuen Beteiligung des US-Investmentfonds Golden Tree Asset Management an der ehemaligen Gewerkschaftsbank hält er für "undurchsichtig“. Und er ist nicht der Einzige, der sich die Frage stellt, wie und warum der Hedgefonds Golden Tree bei der Bawag eingestiegen ist.

Bislang hielt der US-Hedgefonds Cerberus über verschachtelte Konstruktionen 90 Prozent an der viertgrößten österreichischen Bank. Der erhoffte Exit zeichnet sich nicht ab, der Höllenhund dürfte die Hoffnung, mit dem Investment in Österreich je Geld zu verdienen, längst aufgegeben haben. Und genau das ist allem Anschein nach der Hintergrund für den Deal von Golden Tree. Das Unternehmen unter Führung des US-Investors Steven Tananbaum bekommt die 40 Prozent an der Bawag nämlich vergleichsweise billig.

US-Banken wie Goldman Sachs und Citibank haben Kredite, die Cerberus für die Bawag-Finanzierung aufgenommen hat, schon seit geraumer Zeit für weniger als die Hälfte des Wertes auf dem Markt angeboten. Golden Tree hat viele dieser Verbindlichkeiten aufgekauft, laut Schätzungen von Insindern für rund 40 Prozent, und nun in Bawag-Aktien getauscht (ein sogenannter Debt-Equity-Swap). Tananbaum kommt so relativ günstig zu der Beteiligung, obwohl er angeblich noch 200 Millionen Euro als Kapitalspritze in die Bawag einschießt.

Cerberus hat die Bawag 2006 für 3,2 Milliarden Euro übernommen, kein gutes Geschäft. Demgegenüber dürfte der von Golden Tree bezahlte Preis eine Gesamtbewertung der Bawag-Gruppe von nur rund 1,5 Milliarden ergeben. Da lässt sich leichter auf Gewinn hoffen.

Eine bombensichere Sache ist die Investition trotzdem nicht. Bawag-Boss Byron Haynes hat die Bank zwar vorangebracht, unter einem goldenen Baum sitzt er aber noch lange nicht. Die Bawag musste erst jüngst eine Strategiewende vollziehen und steigt mehr oder weniger aus dem Firmenkundengeschäft aus. Damit wird sie noch abhängiger vom Retail-Bereich, der schon 2011 über die Hälfte der operativen Kernerträge von 863 Millionen Euro beigetragen hat. Wegen der miserablen Zinsmarge ist mit Privatkunden aber immer weniger zu verdienen.

Die Risken

Hinzu kommt, dass die Neuausschreibung des Zahlungsverkehrs der Republik Österreich in spätestens zwei Jahren fällig ist. Die Bawag PSK führt sämtliche Überweisungen des Staates durch. Geht dieses Geschäft verloren, dann ist die Bawag, so Androsch, "nicht viel mehr als ein ziemlich großer Bankomat“. Von den 41 Milliarden Euro Bilanzsumme entfallen 20 Prozent auf diese Verbindung mit der öffentlichen Hand.

Und da sind dann auch noch die massiven Probleme der Bawag mit der Stadt Linz, die Verbindlichkeiten aus einem Swap-Geschäft mit einem Frankenkredit in Höhe von mittlerweile über 400 Millionen Euro bestreitet. Ein neues, vom Gericht bei dem Kapitalmarktsachverständigen Christian Imo in Auftrag gegebenes Gutachten birgt einigen Sprengstoff in sich: Es kommt zu dem Schluss, dass der ehemalige Linzer Finanzdirektor Werner Penn Komplexität und Risiko des Finanzgeschäfts nicht habe erkennen können. Nun werden bereits Vergleichsverhandlungen geführt. Sollte die Bawag die volle Schuldenlast abschreiben müssen, wird sie laut Androsch "die nächste verstaatlichte Bank in Österreich“. Und Golden Tree ginge es ähnlich wie Cerberus.

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