Baustelle auf Italienisch: BA-Tochter BankPrivat wird in Mutter eingegliedert

Die Bank-Austria-Tochter BankPrivat wird dem Wunsch der UniCredit nach klaren Strukturen im ­Konzern geopfert. Einen Umbau gibt es auch im Investmentbanking. Hunderte Jobs stehen auf dem Spiel.

In wenigen Tagen jährt sich die Übernahme der HVB und von deren Tochter Bank Austria durch die italienische UniCredit zum vierten Mal. Zum Feiern ist aber deswegen kaum jemandem zumute, zumindest nicht in der Bank-Austria-Zentrale in Wien. Denn seit vier Jahren ist Österreichs größtes Institut nicht nur italienisch, sondern vor allem eine Großbaustelle. Auch dieser Tage wird wieder kräftig umstrukturiert. Wie FORMAT nämlich aus der Bank Austria selbst erfuhr, soll deren Nobelkunden-Tochter BankPrivat in Kürze aufgelöst und in die Mutter eingegliedert werden. Die Privatbank, die vor allem das ­Topkunden-Segment mit einem Vermögen von einer Million Euro aufwärts und Privatstiftungen servicierte, war mit zuletzt knapp sechs Milliarden Euro ver­waltetem Vermögen einer der größten Player am heimischen Markt.

BankPrivat und AMG eingegliedert
Gemeinsam mit der ebenfalls zur Bank Austria ge­hörenden Vermögensverwaltungstochter Asset Management GmbH (AMG) soll die BankPrivat in der zweiten Jahreshälfte Teil einer bankinternen „Bank Austria Wealth Management“-Abteilung werden. Bank-Austria-Sprecher Martin Halama schließt die kolportierten Pläne nicht aus: „Es läuft eine Evaluierung im Bereich ­Private Banking mit dem Ziel, uns noch kundennäher aufzustellen. Es gibt aber noch keinen Beschluss, da das Ergebnis der Untersuchung voraussichtlich erst ­Anfang Mai vorliegen wird.“ Nicht be­troffen von der Umstrukturierung im Private Banking soll hingegen das dritte Standbein der Bank Austria in Sachen Vermögensverwaltung, die Schoellerbank, sein. Deren Existenz sei zwar auch intensiv am Prüfstand gewesen. Die Marke sei aber so gut aufgestellt, dass die Italiener von einer Eingliederung in die Mutter absehen wollen, erfuhr FORMAT aus der Bank.

Wunsch nach klaren Strukturen
Viel Freude bescherte die BankPrivat ihren Eigentümern in jüngster Zeit nicht: Das betreute Volumen reduzierte sich 2008 um rund zwölf Prozent auf 5,9 Milliarden Euro, der Gewinn ging von 20,6 auf 17,8 Millionen Euro zurück. Brancheninsider führen das Aus der BankPrivat auch auf das von ihr praktizierte Huckepack-Geschäftsprinzip zurück. Dieses bedeutet, dass die Bank über keine eigenen Kunden verfügt, sondern diese ab einer gewissen Vermögensgröße von der Bank Austria lediglich zugewiesen bekommt. Tatsächlich sind die geplanten Umwälzungen im Private Banking aber weniger auf die schwache Performance der BankPrivat zurückzuführen als auf den Wunsch der Italiener nach klaren Private-Banking-Strukturen nach dem Vorbild Italiens und Deutschlands.

Abbau unter CAIB-Mitarbeitern
Eine straffe Organisation wollen UniCredit-Chef Alessandro Profumo und seine Mannen jetzt auch in anderen Bereichen des Konzerns durchsetzen. Statt bisher vier Divisionen soll es in Zukunft nur mehr drei geben: Retail, Private Banking und Corporate & Investmentbanking. Das Investmentbanking verliert also seine Eigenständigkeit. Allerdings ist dieser Bereich in Österreich, besser bekannt als CAIB, ohnehin in Auflösung begriffen. Der Eigenhandel mit rund 50 Leuten soll ganz aufgegeben werden, es sollen 30 Prozent der insgesamt 300 Leute abgebaut werden, meinen Insider. „Die Leute in der CAIB sind wie paralysiert, niemand weiß, was den Italienern als Nächstes einfällt“, berichtet ein Banker.

Schlechte Ergebnisse verzögern Verkauf
Angesichts des jüngsten Jahresergebnisses der CAIB ist der Jobpoker für die Wiener Investmentbanker jedenfalls noch härter geworden. Die Sparte fuhr im Krisenjahr 2008 einen Rekordverlust von 642 Millionen Euro ein, auch die Niederlassungen in London, Bratislava, Bukarest und Kiew schrieben rote Zahlen. Wegen dieses überraschend schlechten Ergebnisses verzögert sich auch der im Herbst 2008 eingeleitete Verkauf der CAIB an die deutsche HVB, hört man. Ursprünglich hätten die Deutschen für den Investmentbereich der Bank Austria und jenen der UniCredit einen „hohen Milliardenbetrag“ zahlen sollen. Davon kann jetzt nicht mehr die Rede sein. Im Laufe des Jahres 2009 soll eine Einigung mit den Münchnern über den Kaufpreis erzielt werden.

BA-Staatshilfe umstritten
Unsicherheit herrscht auch darüber, wie es mit der UniCredit-Fondstochter Pioneer weitergehen soll, die zuletzt durch den Vertrieb der in den Madoff-Skandal involvierten Primeo-Fonds unliebsame Schlagzeilen machte. Konzernchef Profumo hat jedenfalls angekündigt, bei Pioneer kräftig auf die Kostenbremse zu steigen und einen Teilverkauf des Hauses zu erwägen. In Österreich wären davon 140 Beschäftigte betroffen. Für eine Bank, die in Österreich gerade um einen Staatszuschuss von bis zu 2,7 Milliarden Euro verhandelt, sind das wohl keine günstigen Voraussetzungen. Denn immer lauter werden jene Stimmen, die bemängeln, dass österreichisches Geld nicht nach Italien fließen soll, wenn der italienische Eigentümer hierzulande stetig Jobs abbaut und die Tage der Osteuropa-Zentrale in Wien mit 2011 ein vertragliches Ablaufdatum haben.

Von Angelika Kramer

Im Bild: Bank Austria-Boss Erich Hampel (l.) und UniCredit-Chef Alessandro Profumo

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