Bau ohne Plan: Bei Prestigeprojekt Skylink laufen Kosten zunehmend aus dem Ruder

Hinter den Kulissen kämpfen die Flughafenvorstände um ihren Job. Das Projekt Skylink droht zum Fass ohne Boden zu werden. In einem Gutachten ist von Misswirtschaft die Rede.

Sein erster Arbeitstag hätte durchaus gemächlicher ausfallen können. Ernest Gabmann, Neovorstand der Flughafen Wien AG, ließ gleich am Montagmorgen via APA ausrichten, „unverzüglich“ ein unabhängiges Expertenteam einzusetzen, um sämtliche Fakten und Zahlen in Zusammenhang mit dem umstrittenen Bau des neuen Airport-Terminals Skylink auf den Tisch zu legen. Ein aktuelles Gutachten sei im Interesse des Unternehmens und der Aktionäre, betonte Gabmann. Im Interesse der Flughafeneigentümer wäre wahrscheinlich auch die Veröffentlichung einer bereits bestehenden Expertise aus dem Juni 2007. Denn in dem 27 Seiten langen Papier, das FORMAT vorliegt, ist von grober Misswirtschaft bei dem seit Jahren in Bau befindlichen sichelförmigen Terminal die Rede.

Anstehende Vorstandsernennung
Das Gutachten ist freilich Sprengstoff im Hinblick auf die anstehende Ernennung der Flughafenvorstände. Denn die Verträge der derzeitigen Führungsmannschaft Herbert Kaufmann, Gerhard Schmid und Ernest Gabmann laufen am 30. September aus. Der Aufsichtsrat hat jüngst eine Personalberatungsagentur mit der Vorstandssuche beauftragt; bei der Sitzung am 25. März soll über die neue Chefriege abgestimmt werden. Wie ein Aufsichtsrat berichtet, steht hinter den Kulissen schon fest, dass Gerhard Schmid, Vertrauter von Wiens Bürgermeister Michael Häupl, vier weitere Jahre bleiben darf und dass der Vertrag von ÖVP-Mann Ernest Gabmann auf die volle Amtszeit verlängert wird; auch die Chancen von Herbert Kaufmann, in Amt und Würden zu bleiben, stehen wieder gut.

Sorgenkind Skylink
Weniger gut ist es um den Skylink bestellt, das Renommierprojekt des Flughafens. Dort laufen die Kosten zunehmend aus dem Ruder: Im Planungsjahr 1999 wurden für den neuen Terminal 366 Millionen veranschlagt, danach 400,2, später 515 und zuletzt 657 Millionen Euro. Ein vom Airport Wien bei der Ingenieursfirma Vasko + Partner in Auftrag gegebenes Gutachten zeigt, dass die verheerenden Pannen in Zusammenhang mit dem Bau des Skylinks bereits 2007 bekannt waren. Gehandelt wurde seither aber wenig, die Kosten stiegen weiter. Bekrittelt werden in dem Papier unter anderem „mangelnde und fehlerhafte Leistungen des Haustechnik-Planers seit Projektbeginn“, „laufende Änderungen der Planung“ oder „verspätete Vergaben“. Heftig moniert wird auch die Projektsteuerung: Von „Passivität“, „Versagen im Troubleshooting“ und „unstrukturierter Besprechungsführung“ ist da die Rede. Zuletzt mussten etwa die Luftschächte im Gastrobereich komplett umgebaut und die Air-Condition-Anlagen mehrfach überholt werden. Im zweiten Obergeschoß wurden die Gänge zu eng gebaut, großflächige Umbauten waren notwendig. Der Anstieg der Kosten auf 800 Millionen Euro gilt als realistisch, hinter vorgehaltener Hand ist freilich schon von einem Milliardengrab die Rede.

Keiner ist's gewesen
Die Verantwortung für die vielen Pannen will freilich niemand übernehmen. In einem offiziellen Statement des Wiener Flughafens heißt es: „Für den Baubereich war bis 28. Februar 2009 Christian Domany zuständig. (…) Das für den Skylink zuständige Vorstandsmitglied hat die Konsequenzen gezogen und beispielsweise die Projektleitung ausgewechselt. (…) Die Mitglieder des Vorstandes haben jedenfalls die ihnen jeweils per Aktiengesetz zugewiesene Aufgabe in vollem Umfang wahrgenommen.“ Neben der Rolle des Vorstands wird auch die des Aufsichtsrats kritisiert. Vor allem dem Vorsitzenden Johannes Coreth wird Tatenlosigkeit vorgeworfen. Er soll seinen Schreibtisch noch heuer räumen müssen. Der 66-Jährige bestreitet das. 2010 soll jedenfalls die endgültige Fertigstellung des Skylinks erfolgen. Gabmann dürfte daran an seinem ersten Arbeitstag aber noch nicht gedacht haben.

Von Silvia Jelincic

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