Bankenkampf um Wien: Verfolger rücken Wiener Platzhirsch Bank Austria zu Leibe

Das Tauziehen um die Privatkunden in Wien wird immer härter. Erste Bank, Bawag PSK und Raiffeisen blasen zum Angriff auf den Marktführer Bank Austria. Günstigere Konditionen spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle.

Wenn Bürgermeister Michael Häupl am 10. Juni beim Wiener Kirtag am Rathausplatz offiziell das Bier ansticht, würde man neben dem roten Bürgermeister den Generaldirektor der Bank Austria oder der Bawag vermuten. Dieses Jahr wird es aber anders sein: Peter Bosek, seines Zeichens Vorstand der eher dem schwarzen Lager zuordenbaren Erste Bank, wird neben Häupl den Klängen der Zillertaler Bergcasanovas lauschen. Denn die Erste Bank ist einer der Hauptsponsoren dieses volkstümlichen Wiener Großereignisses.

Überhaupt bemüht sich die Erste Bank in letzter Zeit besonders intensiv um die rote Bundeshauptstadt. Erst kürzlich wurden zwei besonders öffentlichkeitswirksame Kooperationen eingegangen: eine mit dem Traditionsfußballklub Rapid Wien und eine mit der Wiener Stadhalle. Sogar eine eigene Abteilung für die Stadt Wien wurde bei der Ersten eingerichtet. „Das Match um die Marktführerschaft bei Österreichs Privatkunden wird in Wien gewonnen“, begründet Bosek.

Demografisch gesehen zählt Wien zu den größten Wachstumsmärkten Österreichs, in erster Linie wegen des hohen Migrantenzuzugs. Deswegen ist hier auch der Kampf um Marktanteile noch intensiver als anderswo. „Der Wettbewerb in Wien ist besonders hart“, berichtet auch Bawag-PSK-Boss Byron Haynes.

Zu spüren bekam das in der Vergangenheit vor allem der Marktführer Bank Austria, der laut aktueller Studie von Fessel/Gfk Haare lassen musste: In den letzten fünf Jahren verlor das Institut mehr als fünf Prozentpunkte bei Wiens Privatkunden. Als Profiteure gehen die Erste Bank und Raiffeisen, aber auch die Direktbank ING-DiBA aus dieser Studie hervor. „Die kleineren Marktteilnehmer gewinnen dazu, ohne dass es die Großen dramatisch merken“, meint der Vize-General der RLB NÖ-Wien, Georg Kraft-Kinz. Nachsatz: „Denn die Großen sind groß genug.“

Zuletzt zählte die Bank Austria in Wien 996.000 Privatkunden, die Bawag PSK 553.000, knapp gefolgt von der Erste Bank mit 550.000. Raiffeisen kommt auf 250.000 Kunden. Lange Jahre rangierten die Marktanteile der Bank Austria, die ja aus einer Fusion von Z, Länderbank und Creditanstalt hervorgegangen ist, deutlich über 50 Prozent. Deren Retail-Chef Rainer Hauser will dennoch nicht als Verlierer dastehen. „Nach unseren Aufzeichnungen ist unser Marktanteil konstant geblieben“, meint er. Die Fessel/Gfk-Studie zeige lediglich eine Momentaufnahme. Was zählt, sei nicht die Quantität, sondern die Qualität – und da ist er stolz auf die kürzlich erfolgte Kür seiner Bank zu „Österreichs kundenorientiertestem Dienstleister“.

Soft Facts zählen

Auf einen Kampf über die Konditionen will sich Hauser jedenfalls nicht einlassen: „Der billigste Preis alleine ist nicht ausschlaggebend. Es geht um die Servicequalität.“ Überhaupt spielt sich das Match um den Wiener Privatkunden – mit Ausnahme der Direktbanken – weniger im Zins- und Gebührenbereich als vielmehr auf der Ebene der Soft Facts ab. Kraft-Kinz: „Wir sind sicher nicht die billigsten Anbieter, aber wir wollen die freundlichste Bank der Welt werden.“

Besonders freundlich zeigen sich viele Banken in letzter Zeit zu Migranten, wo sie noch großen Nachholbedarf orten. Von Beratung in deren Muttersprache bis hin zu speziellen Migranten-Produkten, etwa dem türkischen Hochzeitskredit der RLB reicht das Angebot.

Auch die Ausdehnung der Öffnungszeiten spielt vor allem im urbanen Bereich eine immer größere Rolle. Vorreiter ist hier die Bawag PSK, die an Wochentagen bis 18 Uhr geöffnet hat, in etlichen Filialen auch am Samstag. Die Erste Bank will ebenfalls länger offen halten, muss sich allerdings noch mit dem Betriebsrat einigen. Bei Raiffeisen läuft gerade ein Pilotversuch im Bürokomplex Riverside. In der Bank Austria ist nichts dergleichen geplant, an das große Geschäft am Samstag glaubt man beim Marktführer nicht.

Die nächsten Jahre versprechen spannend zu bleiben, denn die Verfolger der Bank Austria werden nicht weniger aggressiv. Während Raiffeisen letztes Jahr jeden Tag 40 Neukunden in Wien gewonnen hat, denkt man in der Erste Bank in größeren Schritten. „Ein Drittel Marktanteil sollte drin sein“, sagt Bosek – was einen Zugewinn von nochmals sieben Prozentpunkten bedeuten würde.

– Angelika Kramer

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff