Banken einigen sich auf AE&E-Rettung und wollen dafür 50% und den Rücktritt Kovats

Die britische Investmentbank Lazard will A-Tec-Boss Kovats wegen Untreue verklagen. Gläubigerbanken werden den Anlagenbauer bis Oktober 2011 mit Geld versorgen, die Zerschlagung ist programmiert.

Sie wollen nicht lange bleiben, die Vertreter der Londoner Investmentbank Lazard, die kürzlich in Wien eingetroffen sind. Bis Mitte nächster Woche hoffen sie, ihre Arbeit erledigt zu haben. Ein Routinejob, aber vielleicht mit heftigen Auswirkungen für Mirko Kovats. Denn die erfahrenen Leute von Lazard wollen ihn wegen des Verdachts der Untreue verklagen, nachdem Kovats am 20. Oktober die Pleite seiner A-Tec-Gruppe verkünden musste. Auftraggeber der juristischen Breitseite sind institutionelle Anleihegläubiger der A-Tec vor allem aus dem Ausland. Lazard wollte auf Anfrage keinen Kommentar abgeben.

Klage gegen Kovats, Rettung für AE&E

Die Geschädigten, die sich nun die britische Investmentbank zu Hilfe holten – darunter internationale Banken, Versicherungen und Pensionsfonds –, hatten in den Jahren 2005, 2007 und 2009 drei von der A-Tec begebene Anleihen im Gesamtvolumen von 350 Millionen Euro gezeichnet und fühlen sich jetzt um ihr Geld betrogen. Die Frage, die sie sich stellen: Wo sind 253 Millionen aus den Anleihen geblieben, nachdem bis jetzt nur 97 Millionen zurückgezahlt worden sind?

Die Vermutung ist, so ein in die Gespräche involvierter Banker, dass Kovats einen Teil davon in marode Beteiligungen der A-Tec-Tochter ATB (Motoren) gesteckt hat – und das vorbei am Aufsichtsrat. Kovats betont hingegen, dass jeder Cent völlig transparent ausgegeben worden sei – wie sinnvoll, das ist eine andere Frage.

Während es für den 62-jährigen Mirko Kovats immer enger wird, gibt es für den A-Tec-Konzern wieder einen Hoffnungsschimmer. Laut FORMAT-Recherchen haben sich die Gläubigerbanken hinter den Kulissen darauf geeinigt, die schwer angeschlagene A-Tec-Tochter AE&E bis 31. Oktober 2011 über Wasser zu halten. 130 Millionen Euro stellen sie bereit – wollen dafür aber fünfzig Prozent an dem Anlagenbauer.

Mehrere Prüfungen laufen

Aber nicht nur Lazard will sich Kovats nun vorknöpfen. Die hohen Firmenwerte, mit denen die A-Tec als Holding ihre Beteiligungen angesetzt hat, veranlasste den Gläubigerausschuss dazu, den Wirtschaftsprüfer Deloitte mit der Überprüfung der A-Tec-Bilanzen zu beauftragen. Bis 20. November soll das Ergebnis vorliegen. Kovats, der Bilanzen angeblich so schnell zerlegt wie kaum ein anderer, könnte, so die Vermutung, die A-Tec mittels zu hoher Bewertungen aufgefettet haben.

Auch der Consulter Roland Berger prüft die Zahlen, allerdings im Rahmen der vom Unternehmen selbst in Auftrag gegebenen Restrukturierung der AE&E.

Der Ärger über Mirko Kovats wächst täglich. Gläubiger klagen, dass er nicht erreichbar sei und zu vereinbarten Meetings lieber irgendwelche Vertreter schicke. Für Unmut sorgt auch, dass er die Sanierung der A-Tec nicht ausreichend unterstütze: Kovats hat 25 Prozent plus eine A-Tec- Aktie aus seiner Privatstiftung zugesagt. Der Wert für dieses Paket liegt bei aktuell 24,7 Millionen Euro. Außerdem will Kovats eine Dividende des Kupferunternehmens Brixlegg in Höhe von zwölf Millionen Euro springen lassen – für viele sind diese Beiträge nicht genug.

Die Banken wollen die AE&E dennoch bis Oktober 2011 über die Runden bringen, auch, um Gewinne aus laufenden Projekten zu lukrieren. Eine Bedingung gibt es jedoch: Kovats muss gehen, und zwar zum Jahreswechsel. Nur dann stellen sie der AE&E 130 Millionen Euro in Aussicht, voraussichtlich sechzig Millionen davon in Form von Garantien, der Rest sind liquide Mittel.

Laut einer FORMAT vorliegenden Liste sind mehr als 20 Institute an der Rettung der AE&E beteiligt, etwa die deutsche Commerzbank, die belgische KBC, die BNP Paribas und die UniCredit. Für sie geht es in Summe um ein Obligo von zirka einer Milliarde Euro. Rund 550 Millionen entfallen auf Haftungen, der Rest auf Barkredite und Kreditversicherungen.

Zerschlagung ausgemacht

Kovats wird nichts anderes übrig bleiben, als zurückzutreten. „Weil die A-Tec-Holding das ohnehin nicht überstehen wird“, sagt ein Verhandler. Eine Zerschlagung des Konzerns erscheint unausweichlich. Über das Wie tobt ein Kampf der Banken untereinander. Die Gläubiger der Holding – allen voran RZB, RLB OÖ, aber auch Erste und ÖVAG – haben andere Interessen als die Institute, die die Töchter finanziert haben.

Interessenten für das Kupferwerk Brixlegg und die AE&E haben sich bereits gemeldet. Gute Überlebenschancen hat auch der Maschinenbauer Emco. Schlecht sieht es hingegen für den Motorenhersteller ATB aus, der dem Vernehmen nach zusperren könnte, was Kovats jedoch dementiert. Allein am Firmensitz in Spielberg würde eine Schließung 100 Angestellte und fast 500 Arbeiter den Job kosten.

– Silvia Jelincic

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