Bank Austria-Top-Banker Helmut Bernkopf im FORMAT-Interview

Helmut Bernkopf über seinen neuen Job, die Lage der UniCredit und die Schuldenkrise in Italien.

FORMAT: Sie übernehmen den Private-Banking-Bereich der UniCredit zu einem schwierigen Zeitpunkt. Die Anleger sind wegen der Schuldenkrise schwer verunsichert. Wie wollen Sie in dieser Lage Kunden dazu bringen, ihr Geld bei Ihnen anzulegen?

Helmut Bernkopf: Das Private Banking beruht – ähnlich wie das Firmengeschäft, aus dem ich komme – auf langfristigem Vertrauen. Hier geht es um die Beziehung zum Kunden, und das ist eine absolute Stärke von uns. Es ist uns sogar in der Zeit der Bankenkrise gelungen, dieses Geschäft auszuweiten. Und das Potenzial ist noch sehr groß. Gerade im CEE-Raum, wo wir sehr gut etabliert sind, steckt dieser Bereich erst in den Kinderschuhen.

FORMAT: Diese Woche hat die Schuldenpanik auch noch Italien und damit indirekt die UniCredit erfasst. Das macht Ihren Job doch noch schwerer.

Bernkopf: Man muss schon zwischen dem Staat Italien und den Unternehmen unterscheiden. Die UniCredit ist durch die Finanzkrise gekommen, ohne rote Zahlen zu schreiben und ohne Staatshilfe in Anspruch zu nehmen. Wir haben aus eigener Kraft zwei Kapitalerhöhungen gemacht und auf Konzernebene über neun Prozent Core-Thier-1-Eigenkapitalquote. Außerdem ist die UniCredit regional breit aufgestellt. Das Italien-Geschäft macht mit etwa 40 Prozent weit weniger als die Hälfte aus, und alleine im ersten Quartal 2011 haben wir über 800 Millionen Euro Gewinn gemacht. Wir sind eine grundsolide Bank, die auf einem breiten, sicheren Fundament steht.

FORMAT: Dennoch ist der Aktienkurs zwischenzeitlich um über 20 Prozent eingebrochen. Beunruhigt Sie das nicht?

Bernkopf: Natürlich ist das nichts, was uns Freude macht, aber diese Reaktion ist völlig irrational. Das war aber auch schon bei der Portugal-Krise nicht anders. Auch damals ist unser Kurs eingebrochen, obwohl wir nur einen Bagatellbetrag in Portugal-Papieren halten. Das ist eben alles sehr emotional.

FORMAT: Wie ernst ist die Schuldenkrise in Italien wirklich?

Bernkopf: Die Verschuldung Italiens ist in Wahrheit stabil. Die leben seit 20 Jahren mit diesem Verschuldungsniveau. Die privaten Haushalte haben eine hohe Sparquote und eine sehr niedrige Verschuldung. Das wirkt natürlich auch ausgleichend. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass Italien ein ausgezeichnetes Rating von AA2 hat. Aber wie die Kurssprünge diese Woche zeigen, koppeln sich die Finanzmärkte derzeit von den Fakten ab. Deswegen sind jetzt entsprechend klare politische Signale gefragt. Bislang ist ja das Krisenmanagement der europäischen Politik, höflich ausgedrückt, verbesserungsfähig.

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