AWD-Chef Müller: „Der Streitwert liegt sicher nicht mehr bei 40 Millionen Euro“

AWD-Chef Ralph Müller über das neue Geschäftsmodell, die Position gegenüber dem VKI und seine Nachfolge.

FORMAT: Die Provisionseinnahmen sind seit 2007 stark rückläufig. Einer der Schwerpunkte war das Tilgungsträgergeschäft, das durch das Verbot von Fremdwährungskrediten wegfällt. Was ist das neue Geschäftsmodell?

Müller: Genau jenes, das wir immer schon angeboten haben. Wir kommen ja nicht aus dem Anlagebereich, sondern haben unseren Kunden immer schon eine Prüfung ihrer gesamten Finanzen geboten und die Vorsorgesituation optimiert. Zwei Drittel unseres Geschäfts sind Vorsorge- und Versicherungsprodukte, ein Drittel macht das Anlagegeschäft aus.

FORMAT: Früher gab es die Devise, möglichst nur die Produkte zu verkaufen, welche die meiste Provision brachten. Wie ist das heute?

Müller: Wir selektieren Produkte zwar vor, können aber auf Kundenwunsch auch noch weitere Produkte anbieten. Unsere Berater sind ausschließlich selbständig. Die müssen das jeweilige Produkt beim Kunden vertreten. Das ist unser Qualitätscheck.

FORMAT: AWD-Mutter Swiss Life will ab 2011 mehr Präsenz bei den vermittelten Produkten, gemunkelt wird von 25 Prozent Umsatz am Gesamtgeschäft. Wie unabhängig ist der AWD noch?

Müller: Ich kann nur sagen, dass sich auch die Swiss Life unserem Qualitätscheck stellen muss.

FORMAT: Wie viele sind von den ehemals 1.000 Beratern noch übrig?

Müller: Glücklicherweise ist es gelungen, die Beraterzahl weitgehend zu stabilisieren. Wir haben derzeit noch 700 Berater, allerdings haben heuer 150 Mitarbeiter mit der Ausbildung begonnen. Wir wollen qualitativ wachsen, haben jetzt der Ausbildung auch ein Assessment Center vorgeschaltet. Außerdem haben wir die Führungsstruktur überarbeitet. Es gibt jetzt weniger Führungskräfte und mehr Berater.

FORMAT: Nach wie vor ist der AWD mit einer Vielzahl von Klagen konfrontiert und hat damit weiter ein gravierendes Imageproblem …

Müller: Das löst man nicht innerhalb weniger Monate. Das Einzige, was wir tun können, ist, mit einer hochqualitativen Beratungsleistung zufriedene Kunden zu gewinnen. Dann dreht sich das Image von selbst.

FORMAT: Sie könnten auch die Altlasten noch beseitigen, bevor Sie Ende März gehen. Wird an außergerichtlichen Lösungen gearbeitet?

Müller: Dahingehend gibt es überhaupt nichts Neues. Wir haben dem VKI immer angeboten, Einzelfälle zu prüfen. Dort jedoch hat man sich für den Weg der Sammelklagen entschieden.

FORMAT: Wie hoch werden die Rückstellungen für Gewährleistungen heuer sein?

Müller: Dazu kann ich vor Erstellung der Bilanz nichts sagen, aber es wird, verglichen mit dem Vorjahr, nicht wesentlich verändert sein.

FORMAT: Im Frühjahr hatten Sie rund 17 Millionen Euro Rückstellungen. Wäre es nicht geschickt, das einfach auf 40 Millionen zu erhöhen und die Klagen abzuhaken?

Müller: Nein. Außerdem wird der Streitwert sicher nicht mehr bei 40 Millionen liegen, schließlich sind die Kurse der betroffenen Immo-Aktien seither wieder gestiegen.

FORMAT: Warum wechseln Sie zur Wiener Städtischen?

Müller: Wegen der spannenden Aufgabe, die mir dort geboten wird.

FORMAT: Ihrem Kollegen Eric Samuiloff werden gute Chancen auf die Nachfolge eingeräumt.

Müller: An Personalspekulationen beteilige ich mich nicht.

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