Autokrise Magna: Frank Stronachs Zuliefer-Imperium bekommt erstmals Schlagseite

Der Zulieferer schreibt Verluste, hat mit 1,5 Milliarden Dollar aber eine prall gefüllte Kriegskassa. Die Russland-Expansion läuft an.

Als es am Dienstag hieß, Fiat würde sich mit 35 Prozent am angeschlagenen Mitbewerber Chrysler beteiligen, staunten selbst langgediente Auto­experten nicht schlecht. „Absehbar war das Bündnis nicht“, sagt „Auto-Papst“ Ferdinand Dudenhöffer und meint, der Kauf sei „für das im Prinzip wertlose“ Unternehmen Chrysler eine gute Sache. Dabei hatte es noch vor kurzem so ausgesehen, als würde Magna nach Teilen von Chrysler greifen. Magna-Frontman Frank Stronach wurde Interesse an einem Chrysler-Montagewerk nachgesagt. Im Interview stellt der gebürtige Steirer aber klar, keine nennenswerten Einkaufstouren zu planen. Über den Deal selbst wolle er nichts sagen, zumal er noch nicht vertraut genug damit sei.

Dicke Luft bei Magna  
Autozulieferer bekommen die Folgen der internationalen Wirtschaftskrise mit voller Wucht zu spüren: Weil die Lagerhallen der Fahrzeughersteller voll sind, blicken Zulieferer in leere Auftragsbücher. Magna, mit einem Jahresumsatz von zuletzt 25,6 Milliarden Dollar der weltweit drittgrößte Autozulieferer, ist stark vom Schicksal seiner gebeutelten Großkunden General Motors, Ford und Chrysler abhängig. Erstmals seit der Firmengründung 1957 schreibt der börsennotierte Konzern rote Zahlen, im dritten Quartal 2008 waren es 112 Millionen Dollar Miese. Die Folgen: Personalabbau, Kurzarbeit. Im Juni werden zwei Werke in Kanada geschlossen, 850 Stellen abgebaut, was aber nur der Anfang sein dürfte. Branchenkenner gehen von einem Kahlschlag bis 2011 aus, die Rede ist von 30 Prozent der weltweit 85.000 Mitarbeiter. Bei Magna Steyr in Graz-Thondorf wurden jüngst 2.614 Mitarbeiter bis 21. Februar in Kurzarbeit geschickt, die Frist dürfte laut Stronach verlängert werden. Rund 600 Mitarbeiter aus der Chrysler-Produktion sollen wie geplant bis Ende März kurzarbeiten. Nach Einstellung der Produktion des BMW X3 in Graz könnte auch Saab (GM) ­einem schwedischen Zeitungs­bericht zufolge die Produktion des Cabriolets 9-3 bei Magna stoppen.

Elektroauto für Ford
Um die Abhängigkeit von Autobauern aus den USA und Europa zu verringern, will Stronach nun seine Aktivitäten in Russland verstärken, allerdings ohne Ex-VW-Vorstand Wolfgang Bernhard, wie zuletzt behauptet wurde. „Wolfgang Bernhard hat keinen Vertrag mit Magna“, wird in einer E-Mail von Magna an FORMAT klargestellt. „Er ist vielmehr mit Magna-CEO Siegfried Wolf befreundet.“ Groß ist die Freude vorerst über neue Aufträge von Aston Martin, Porsche und Peugeot, auch wird der Geländewagen Colorado von Mini in Graz gebaut. Hoffnungen setzt Stronach zudem in das neue Elektroauto für Ford. Der Prototyp wurde jüngst präsentiert – ob sich aber das Modell made by Magna in Zeiten wie diesen rechnet, bleibt abzuwarten.

Von Silvia Jelincic

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