Austro-Milliardär Martin Schlaff will in Liechtenstein ein Bankhaus gründen

Der öffentlichkeitsscheue Investor Martin Schlaff steigt ins Banking ein. Eine Tochterfirma seiner MS Privatstiftung suchte im Jänner um eine Banklizenz in Liechtenstein an.

Regnerisch war es draußen. Aber drinnen herrschte eine tolle Stimmung. Vergangenen Sonntag schmiss der öffentlichkeitsscheue Milliardär Martin Schlaff eine Riesenparty im Wiener Arsenal. Im Zentrum stand die Hochzeit von Sohn Benny. Unter den 800 Gästen fand sich reichlich Prominenz aus Kunst und Politik, darunter Staatsoperndirektor Ioan Holender, Exkanzler Alfred Gusenbauer oder Israels neuer Außenminister Avigdor Lieberman. Die große Sause dürfte weit mehr als eine Million Euro gekostet haben. Doch für Papa Schlaff – einen der reichsten Männer Österreichs – ein Klacks.

Einstieg ins Kreditgeschäft
Dass Martin Schlaff seit wenigen Wochen in Champagnerlaune schwelgt, liegt aber nicht nur an Bennys Glück allein. Der 55-jährige Unternehmer steht kurz vor einem großen Coup: dem Einstieg ins Kreditgeschäft. Wegen seiner schillernden Karriere als Osthändler blieb ihm bislang der Zugang zum Geldgewerbe versperrt. Doch das ist nun vorbei. Als Standort für das neue Bankhaus Schlaff ist das Fürstentum Liechtenstein vorgesehen. Das ist kein Zufall. Die Steueraffäre rund um die Fürstenbank LGT und die Diskussion um das Bankgeheimnis ließen bereits viele Milliarden Euro Kapital abfließen. Daher sind die Liechtensteiner aktuell besonders bemüht, Vermögen zurückzuholen. Dem Schlaff’schen Begehren steht Vaduz positiv gegenüber.

Prominente Fürsprecher
„Die Banklizenz wurde nicht von Martin Schlaff persönlich beantragt“, stellt Schlaff-Sprecher Michael Fink gegenüber FORMAT fest. Vielmehr bemüht sich die Universal Finanz Holding um die behördlichen Genehmigungen. Aber: „Die Universal Finanz Holding ist eine Gesellschaft der MS Privatstiftung von Martin Schlaff“, so Fink. Über die Beweggründe für die Bankgründung kann indes nur spekuliert werden, denn offiziell hüllen sich die handelnden Personen in Schweigen. Immerhin hätte der Antrag niemals publik werden sollen, weil die Aufsichtsbehörden ihre Prüfung noch nicht abgeschlossen haben. Fink: „Es handelt sich um ein laufendes Verfahren.“ Rebecca Emberson, Pressesprecherin der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein: „Die FMA unterliegt dem Amtsgeheimnis und kann deshalb diesbezüglich keine Auskunft erteilen.“ Hinter den Kulissen soll Schlaff jedenfalls prominente Fürsprecher haben. Dazu gehören Liechtensteins Erbprinz Alois und sein neuer Regierungschef Klaus Tschütscher. Sie machen sich für eine rasche Entscheidung stark.

Profite mit Festplatten
Eine eigene Privatbank wäre für Schlaff jedenfalls die Krönung einer atemberaubenden Händlerkarriere, die mit westeuropäischen Computerfestplatten für die Ex-DDR begann und mit osteuropäischen Mobilfunkfirmen für die Telekom Austria endete. Die geschickten Deals machten Martin Schlaff zwar steinreich, beschleunigten aber nicht seinen gesellschaftlichen Aufstieg. Bis 2007 holte ihn seine Vergangenheit als Osthändler immer wieder ein. Im österreichischen Industrie-Olymp landete Martin Schlaff erst vor zwei Jahren, als sich seine MS Privatstiftung als größter Einzelaktionär der RHI AG outete. An dem börsennotierten Feuerfestriesen mit 1,6 Milliarden Euro Umsatz und rund 7.700 Mitarbeitern weltweit hält die Stiftung seither knapp unter 30 Prozent. Eine Beteiligungsmarke, die bis dato nicht überschritten wurde, weil sonst ein öffentliches Übernahmeangebot fällig wäre. So kontrolliert Schlaff mit weniger als einem Drittel der Aktien und mithilfe seiner Vertrauten im RHI-Aufsichtsrat – Ex-Länderbank-Vorstand Herbert Cordt und Ex-Vizekanzler Hubert Gorbach – den Konzern.

Kanzlerparty und Kaution
Doch nicht nur mit dem RHI-Deal sorgte Schlaff für Aufsehen: Die Scheidung von Ehefrau Andrea ließ er sich 200 Millionen Euro kosten, für Alfred Gusenbauer organisierte er eine Kanzlerparty, und für Helmut Elsner stellte er im Jahr 2006 die Kaution bereit. Die Freundschaft zu Elsner rührt noch aus dessen Zeit als Bawag-General. Spektakuläre Schlaff-Deals, wie etwa die Mobiltel-Übernahme in Bulgarien oder der Bau des Casinos Jericho in Palästina, wurden von der Bawag mit Hunderten Millionen finanziert. Solche Geldgeschäfte könnte Schlaff künftig selbst arrangieren – wenn er seine Bank in Liechtenstein bekommt.

Von Ashwien Sankholkar

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