Audi will mit neuen Modellen in der Premiumklasse BMW & Mercedes überholen

Das Match um die Vorherrschaft unter den drei Nobelmarken BMW, Mercedes und Audi wird härter.

Das merkt man schon allein am neuen US-Werbespot , in dem sich Audi über die Konkurrenz lustig macht. So spottet der Autobauer: „Es gibt einen Aufsteiger und einen zweiten Sieger, der ein bisschen zurückfällt. Unsere Freunde von BMW wissen genau, wie sich das anfühlt.“

Oberklasse im Visier

Die Luxustochter des VW-Konzerns greift Mercedes und BMW frontal an. Die Zahlen belegen den gewaltigen Wandel. 2009 haben die Ingolstädter in Europa erstmals mehr Autos verkauft als Mercedes und BMW. Der Kampf wird vor allem in der Oberklasse ausgetragen. 2009 setzte Audi in der sogenannten Premiumklasse 245.000 Autos ab. Ziel ist es, bis 2015 rund 400.000 Autos zu verkaufen, die mehr als 50.000 Euro kosten – womit Audi mit Mercedes und BMW auf Augenhöhe wäre. Auch weltweit hat Audi ehrgeizige Pläne: Bis 2015 sollen insgesamt 1,5 Millionen Autos abgesetzt werden, was einer Verdoppelung gegenüber 2009 gleichkäme. Heuer soll der Absatz um 13 Prozent steigen.

USA und China als Schlüsselmärkte

Um das zu erreichen, muss vor allem das Potenzial in den wichtigen Märkten USA und China voll ausgeschöpft werden. Am US-Markt hinkt die Marke allerdings den beiden Konkurrenten stark hinterher. Doch Audi holt auf. Nachdem der Autoabsatz dort in den vergangenen Jahren nahezu konstant verlief, hat Audi 2009 in den USA, trotz Krise, zugelegt und knapp 82.700 Autos abgesetzt. BMW und Mercedes dagegen verbuchten deutliche Einbrüche, verkauften aber mit je 250.000 Autos pro Jahr wesentlich mehr Stück als Audi. Die Aufholjagd geht aber weiter. „Wir bauen dort die Marke intensiv wieder auf“, erläutert Rupert Stadler im Exklusivinterview mit FORMAT.

Bereits im nächsten Jahr will Stadler in den USA die 100.000-Stück-Marke knacken. Für 2018 erwartet der Konzern offiziell einen Absatz von 150.00 Fahrzeugen. Aber inoffiziell werden in Ingolstadt längst 200.000 genannt. Dass Audi in den USA erfolgreicher wird, zeigt sich an den Restwerten. „Audi weist die besten Restwerte bei Importmarken auf“, so Vertriebsvorstand Peter Schwarzenbauer in einem Interview. In den USA will Audi durch Service glänzen. Stadler: „Wir arbeiten daran, die Kundenzufriedenheit zu erhöhen.“ Auch das Image soll kräftig aufpoliert werden.

Hohe Zuwächse in China

Vor allem in China, wo Audi gemeinsam mit VW als Pionier unter den ausländischen Autobauern gilt, erwarten sich die Ingolstädter bei Oberklassenmodellen eine anhaltend hohe Nachfrage. Dort kann der sportlichen VW-Tochter derzeit keiner der beiden Mitstreiter das Wasser reichen. So verkaufte Audi im Vorjahr seine Modelle in China 157.000- mal, bei Mercedes und BMW waren es jeweils mehr als die Hälfte weniger. Heuer will Audi seinen Absatz bereits auf 200.000 Stück erhöhen. Wichtigste Abnehmer: reiche Chinesen. Stadler: „Die Nachfrage ist so hoch, wir kommen mit der Produktion kaum nach.“ Die Kapazitäten werden deshalb weiter hochgefahren. Doch auch wenn Audi heuer das Wachstum um 60 Prozent erhöhen konnte, verliert der Autobauer auf chinesischem Boden an Terrain.

Neue Modelle für die Luxusklasse

Um in der Königsklasse abräumen zu können und gegen den Erzrivalen Mercedes, der mit der S- und E-Klasse bisher den Markt dominiert, zu reüssieren, fuhr Audi in den vergangenen Monaten den neuen A8 und den Q7 auf. Eine Schlüsselrolle kommt dem A7 Sportback zu. Mit dieser Mischung aus Coupé und Dienstwagen will man so richtig auf Managerfang gehen und Mercedes und BMW die verwöhnte Kundschaft abjagen. Laut Schätzungen von Experten könnten sieben von zehn Käufern beim Anblick des A7 schwach werden und ihren BMW oder Mercedes gegen den neuen 204-PS-Schlitten austauschen.

Gewinne sprudeln

Um die hochgesteckten Ziele zu erreichen, ist auch eine solide Kapitalausstattung nötig – über die Audi zweifelsohne verfügt. In den ersten neun Monaten 2010 haben die Ingolstädter das Ergebnis gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 2,3 Milliarden Euro verdoppelt. Auch im VW-Konzern ist Audi die Cashcow und verdiente im Vorjahr dreimal so viel wie die VW-Pkws. Was mit dem Geld gemacht wird, liegt für Stadler auf der Hand: „Reinvestieren.“ Vor allem in neue Technologien. Nur so kann es Audi gelingen, die Premium-Konkurrenten im Rückspiegel zu betrachten.

– Anneliese Proissl

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