Audi-Chef Rupert Stadler über neue Leuchtturmprojekte und die US-Ziele

Format: Audi steuert heuer auf einen Rekordgewinn zu. Auch innerhalb des Konzerns erzielt das Unternehmen den höchsten Gewinn. Was macht Audi besser als die anderen VW-Töchter?

Stadler: Für mich zählt nicht der interne Vergleich, da wir viele Synergien aus der Zusammenarbeit mit den anderen Marken ziehen und somit alle voneinander profitieren können. Aber wir entscheiden sicher schneller und mittelständischer als externe Konkurrenten.

Format: Was genau verstehen Sie unter mittelständischer Unternehmensführung?

Stadler: Wir kommunizieren und entscheiden schneller als vergleichbare Konzerne. Wir sind personell schlanker aufgestellt. Bei unseren Mitbewerbern arbeiten zwischen 80.000 und 100.000 Menschen, bei uns sind es gerade einmal 60.000. Und bei uns wird jeder richtig gefordert. Bei einem großen Unternehmen kommt es dagegen häufiger vor, dass sich einzelne Mitarbeiter im Windschatten von anderen ausruhen. Das geht bei uns nicht.

Format: Werden Sie heuer die acht Prozent Umsatzrendite, die Sie angepeilt haben, erreichen?

Stadler: Das ist unser Ziel. Natürlich gibt es auch wirtschaftlich schwierige Phasen wie im Vorjahr, da lag unsere Rendite unter diesem Wert. Aber wir streben eine nachhaltige Rendite in dieser Höhe an – das ist unsere Grundeinstellung.

Format: Salopp gefragt: Was machen Sie mit dem vielen Geld, das Sie jedes Jahr verdienen?

Stadler: Reinvestieren. Bei uns fließen jährlich rund zwei Milliarden Euro in neue Produkte und Technologien wie die Elektromobilität. Und wir beteiligen alle Mitarbeiter am Erfolg.

Format: Die Marke Audi gilt als sportlich und leistungsstark. Wie will sich Audi im Elektrozeitalter positionieren?

Stadler: Sportlich, hochwertig, progressiv. Der R8 e-tron etwa, den wir Ende 2012 als ersten Elektro-Audi in einer Kleinserie auf den Markt bringen, ist ein supersportliches und faszinierendes Auto. Auch was Fahrgefühl und Dynamik angeht, stehen wir erst am Beginn eines Zeitalters. So haben Elektroautos schon vom Start weg das volle Drehmoment, das meist höher als bei vergleichbaren herkömmlichen Antrieben ist.

Format: Sie haben am Pariser Autosalon den e-tron Spyder, eine Sportwagen-Studie mit Plug-in-Hybrid, die es auf über 300 PS bringt, gezeigt. Der A1 e-tron mit 61 PS wurde heuer erstmals präsentiert. Bei beiden ist das Antriebskonzept ein anderes. Welche Technik hat aus Ihrer Sicht die größte Chance, sich durchzusetzen?

Stadler: Es ist wichtig, mit unterschiedlichen Antriebskonzepten zu starten. Beim A1 e-tron, den wir 2011 in einem Flottenversuch in München einsetzen werden, springt bei Bedarf ein sogenannter Range Extender an, der für zusätzliche 200 Kilometer Reichweite sorgt. Der e-tron Spyder verfügt über zwei Elektromotoren und einen Sechszylinder-Turbodiesel. Mit dieser Antriebseinheit kann der e-tron Spyder rein elektrisch oder als quattro gefahren werden. Der Plugin-Hybrid ist das technisch anspruchsvollste Konzept, hat aber größeres Potenzial für einen Serieneinsatz.

Format: Audi ist einer der führenden Hersteller, was die Leichtbauweise betrifft. Werden Sie es schaffen, dass Nachfolgemodelle noch weniger wiegen als die Vorgänger?

Stadler: Das Nachfolgemodell sollte immer eine Stufe leichter sein. Neue gesetzliche Vorschriften, etwa bei der Sicherheit, oder auch der steigende Komfort machen das aber zu einer echten Herausforderungen. Aber da der Leichtbau zu unserer Kernkompetenz zählt, haben wir die besten Voraussetzungen, Materialien wie Aluminium oder hochfeste Stähle so einzusetzen, dass sie den größten Nutzen bei der Gewichtsreduktion bringen. Unsere Leichtbauweise ist neben den Motoren einer der Hauptgründe, warum unsere Modelle weniger verbrauchen. So bringt es der A8 mit dem Sechszylinder-TDI auf einen Verbrauch von sechs Liter Sprit auf 100 Kilometer. Das war vor zehn Jahren nicht denkbar.

Format: Der Audi A2 fehlt in Ihrer Palette. Könnte das ein weiteres verbrauchsarmes Modell werden?

Stadler: Der A2 könnte unser Leuchtturmprojekt werden. Aber eine endgültige Entscheidung ist noch nicht getroffen. Einen A2 würden wir aber sicher als Elektroauto auslegen.

Format: Die hohen Vorgaben der EU für die CO2-Minderung des Ausstoßes der Gesamtflotte sind vor allem für Premiummarken eine Herausforderung. Wie gut sind die Audi-Modelle dafür gerüstet?

Stadler: Wir bieten 51 Modelle, die weniger als 140 Gramm CO2 ausstoßen. Zudem ist bei vielen unserer Modelle Start-Stopp-Automatik serienmäßig eingebaut. Das bieten wenige Konkurrenten.

Format: Nicht alle Märkte entwickeln sich gleich gut. In den USA bleibt der Verkauf stark hinter Mercedes und BMW zurück. Was ist Ihre Strategie, um dort den Absatz anzukurbeln?

Stadler: Wir bauen dort die Marke seit zehn Jahren wieder auf. Sich langfristig als Topmarke zu positionieren ist eine Mammutaufgabe, alleine schon aufgrund der Größe des Landes. Aber wir arbeiten nun verstärkt daran, die Kundenzufriedenheit zu erhöhen und die Marke stärker als sportliche Premiummarke zu positionieren. Unser Ziel ist es, in den USA in diesem Jahr die 100.000er-Marke zu knacken.

Format: Welches Modell fahren Sie derzeit selbst am liebsten?

Stadler: Zurzeit den RS 5, das ist ein tolles Auto mit unglaublichem Motorsound, enormem Drehmoment, faszinierender Fahrdynamik, und es ist gleichzeitig enorm elegant.

Interview: Anneliese Proissl

Zur Person: Rupert Stadler, 47, studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Controlling. Seine Laufbahn begann der Bayer bei Philips und wechselte 1990 zur Audi AG, wo er im Controlling tätig war. 1994 trat er als kaufmännischer Chef bei Audi in Barcelona ein. 2007 wurde er Audi-Vorstandsvorsitzender und trat damit die Nachfolge von Martin Winterkorn an.

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