Auch neuer Flughafen-Vorstand Gabmann hat mit dem Mammutprojekt Schwierigkeiten

Der Flughafen-Terminal Skylink wird nun doch fast eine Milliarde Euro kosten. Neue Ungereimtheiten gibt es bei der Vergabe von Aufträgen.

Eigentlich hätte Ernest Gabmann Ruhe in die Sache bringen sollen. Der seit März 2009 amtierende Flughafen-Vorstand war von Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll nach Schwechat entsandt worden, um den Bau des neuen Terminals Skylink auf Schiene zu bringen. Falsche Managemententscheidungen hatten die Kosten nach oben schießen lassen. Doch jetzt ist klar: Auch Gabmann hat mit dem Mammutprojekt so seine Schwierigkeiten. Laut FORMAT vorliegenden Dokumenten aus dem Aufsichtsrat liegen die Kosten inzwischen bei 915 bis 980 Millionen Euro – und das, obwohl Gabmann mehrfach betont hatte, er bräuchte zur Fertigstellung nicht mehr als 830 Millionen. Hat sich der 61-jährige Finanzvorstand verrechnet?

Ein Fehler ist ihm jedenfalls bei den Auftragsvergaben unterlaufen: Wie schon unter Gabmanns Vorgängern wurden wieder Ausschreibungen umgangen.

Neuerliche Kostenexplosion

Die Geschichte um die steigenden Kosten bei der Errichtung des Skylinks nimmt jedenfalls kein Ende: Noch 2006 war man davon ausgegangen, dass der Terminal etwas mehr als 400 Millionen Euro kosten würde. 2007 waren es plötzlich 513 Millionen, 2008 rund 650 Millionen und zuletzt 830 Millionen. Doch auch diese Zahl stimmt nicht.

Schon am 18. November 2009 präsentierte Gabmann den Airport-Aufsehern das wahre Kostenausmaß: Auf Seite 21 eines knapp dreißig Seiten langen Berichts steht, dass sich die Kosten auf mindestens 830,21 beziehungsweise auf maximal 894 Millionen Euro belaufen werden. Allerdings beinhalten diese Angaben nicht sogenannte „Schnittstellenprojekte“, also zusätzliche Kostenfaktoren, für die weitere 84,6 Millionen Euro anfallen.

Konkret handelt es sich um Zahlungen für Sicherheitssysteme (28,9 Millionen), Leitsysteme (10,7 Millionen), Möblierung (8,9 Millionen), Verkehrsbauten (13,3 Millionen) und Werbe- und Reinigungsmaßnahmen (8,2 Millionen Euro). Hinzu kommen „ergänzende Schnittstellenprojekte“, für die in Summe 14,9 Millionen Euro einkalkuliert wurden, darunter der Bau der 2,5 Millionen Euro teuren Skylink-Lounge.

Wie die Tageszeitung „Presse“ berichtete, soll der Rechnungshof in seinem Skylink-Bericht heftige Kritik an Gabmanns Kostenaufschlüsselung üben. Denn um die angepeilten 830 Millionen nicht zu überschreiten, wurden die oben angeführten Teilprojekte ausgelagert und gesondert gebucht. Der Flughafen verteidigt die Kostenauslagerung mit dem Argument, dass einiges davon nicht nur für den Skylink gedacht sei.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. In dem Papier an die Aufsichtsräte steht, dass 84,6 Millionen Euro ausschließlich für den Skylink bestimmt sind. Flughafen-Sprecher Peter Kleemann: „Aber der Flughafen trägt davon nicht die gesamten Kosten, einen Teil zahlen Dritte. Die ÖBB kommen zum Beispiel für den Bahnhof auf.“ Doch das ändert nichts daran, dass die gesamte Summe für den Skylink bestimmt ist. Nur die 14,9 Millionen Euro für „ergänzende Schnittstellenprojekte“ sind sowohl für den Skylink als auch für den Rest des Flughafens bestimmt.

Freunderlwirtschaft?

Flughafen-Mitarbeiter stören die steigenden Kosten relativ wenig. Vielmehr äußern sie ihren Unmut über das vergiftete Klima im Unternehmen. Für Ärger sorgt unter anderem Gabmanns angebliche Freunderlwirtschaft bei Auftragsvergaben – jetzt in Zusammenhang mit dem von ihm im Juni 2009 verhängten Baustopp. Zur Erinnerung: Gabmann hatte den Bau am Skylink einstellen lassen, um günstigere Verträge mit Partnerfirmen auszuverhandeln. In der Folge beauftragte er fünf Unternehmen damit, die bis dahin geleistete Arbeit, also den Ist-Zustand des Skylinks, zu evaluieren. Sie sollten Beweissicherungen und Bestandsaufnahmen vornehmen.

Die Aufträge erhielten die fünf Firmen Matzka, SAN, FEMAB, ESY und Lainer – ohne Ausschreibung. Zu Gabmanns Verteidigung: Anfangs war eine Ausschreibung nicht nötig, weil davon ausgegangen wurde, dass die erteilten Aufträge pro Firma nicht über 193.000 Euro liegen würden (ab diesem Grenzwert müssen Dienstleistungen in der Baubranche ausgeschrieben werden). Doch Gabmann hatte sich verrechnet, und am Ende flossen – laut einem internen Schreiben – 3,5 Millionen Euro. Der Löwenanteil, rund 1,16 Millionen, wurde an die Firma Matzka überwiesen.

Dabei wurde Gabmann, früherer Vize-Landeshauptmann von Niederösterreich, in einem FORMAT vorliegenden vertraulichen Gutachten der Wiener Beraterfirma Platzer & Partner ausdrücklich eine Ausschreibung nahegelegt: „Sie (die Aufträge, Anm.) wären nämlich durch Abänderung der wesentlichen Vertragsgrundlagen ausschreibungspflichtig (…) “ Und weiter: „ Daher habe ich (…) empfohlen, diese Leistungen auf der Grundlage neuer Vergabeverfahren zu vergeben. Dies nicht zuletzt deshalb, weil (…) nicht auszuschließen ist, dass im Fall einer nachträglichen Feststellung der Nichtigkeit der gesamte Vertrag für nichtig erklärt wird. “

Von Bestbietern und puren Zufällen will man am Flughafen jetzt nichts mehr wissen. Vielmehr soll Reinald Krammer, die rechte Hand von Skylink-Projektleiter Norbert Steiner, früheren Partnern Aufträge zugeschanzt haben. Mit der Firma ESY (Electro System Planung) hat Krammer zum Beispiel in seiner Zeit bei der Porr bei diversen Großprojekten kooperiert.

Gabmann kontert die Vorwürfe so: „Der Flughafen Wien hält sich generell bei Auftragsvergaben an das Bundesvergabegesetz. Den Vorwurf der Freunderlwirtschaft weisen wir auf das Schärfste zurück.“

– Silvia Jelincic

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