AUA: Pfründe und Proteste

Das neue AUA-Sparpaket sieht rigorose Einschnitte vor, besonders bei den üppig bezahlten Piloten. Die gesamte Belegschaft probt den Aufstand, doch die deutsche AUA-Mutter Lufthansa will vom harten Kurs nicht abweichen.

Piloten wird viel geboten: Fliegen die AUA-Kapitäne beruflich auf die Malediven und müssen dort eine Woche bei Sonnenschein in einem Nobelhotel am Indischen Ozean verweilen, bevor sie wieder Richtung Heimat abheben, stehen ihnen 3,5 Tage Ruhezeit daheim zu. „Palmenzulage“ wird dieses Zuckerl intern genannt. Auch andere Annehmlichkeiten wie hohe Abfertigungen und viel Urlaub machen den gut bezahlten Job über den Wolken attraktiv. Das einzige Problem: Die AUA kann und will sich diesen Luxus nicht mehr leisten.

Das Sparpaket des neuen Vorstandschefs Jaan Albrecht, das am 29. Februar vom AUA-Aufsichtsrat beschlossen werden soll, sieht rigorose Einschnitte vor: Um heuer rund 200 Millionen Euro ein­zusparen, werden die Verträge mit Lieferanten akribisch durchforstet. Vom Flughafen und der Austro Control werden Nachlässe gefordert, und die rund 5.800 Mitarbeiter müssen sich auf neue Kollektivverträge einstellen – wogegen sie sich kräftig wehren.

Kursänderung

Derzeit ist der Kollektivvertrag (KV) für das Bordpersonal 170 Seiten dick, dazu kommen noch 180 Seiten Betriebsvereinbarungen. Sie stammen noch aus einer Zeit, als die AUA Mono­polist im Staatseigentum war, als Erträge nur eine geringe, Gewerkschaften eine große Rolle spielten. Künftig werden auf 71 Seiten die Rechte und Pflichten der Mitarbeiter dargestellt: Statt jährlich sollen die Piloten dem Entwurf zufolge nur mehr alle zwei Jahre Gehaltsvorrückungen erhalten. Statt 30 Monatsgehältern Ab­fertigung nach zehn Jahren (und 39 nach 25 Jahren) soll es maximal zwölf Monatsgehälter beim Ausstieg geben. Damit sollen Abschiedsgeschenke in Höhe von über 500.000 Euro für einen Piloten künftig Geschichte sein.
Der alte KV sieht 90 Flugstunden im Monat vor, wobei schon ab der 70. Flugstunde „Mehrleistungszuschläge“ anfallen. So kommen bis 2004 eingetretene AUA-Piloten bei einem Durchschnitts­gehalt von 13.000 Euro monatlich auf 2.200 Euro Mehrentlohnung, wenn sie alle im Kollektivvertrag vorgesehenen 90 Stunden fliegen. Der neue Vertrag sieht eine Flugleistung von 100 Stunden im Monat vor; und eine kurzfristigere Änderung der Dienstpläne. Die Belegschaftsvertreter drohen mit Protesten, denn sie rechnen mit „57 Prozent mehr Arbeit bei weniger Gehalt“.

Der Druck steigt

Sogar AUA-Kollegen sind angesichts der Drohungen der Piloten irritiert: „Die Flugkapitäne sind gewohnt, sich durchzusetzen, und verhalten sich so, als hätten sie die Macht über die Airline. Aber die Zeiten für die Luftfahrtbranche haben sich geändert.“

Tatsächlich stecken derzeit viele Fluggesellschaften in heftigen Turbulenzen. Vor kurzem konnte die Spanair den Treibstoff nicht mehr bezahlen und musste Insolvenz anmelden. Die ungarische Malev befindet sich ebenfalls in arger Schieflage. Und auch die Austrian Airlines sind mit der derzeitigen Kostenstruktur nicht überlebensfähig. Allein in den vergangenen fünf Jahren haben sich die Treibstoffpreise verdoppelt und die durchschnittlichen Ticketpreise halbiert. „Ich wäre vorsichtig, der neue AUA-Vorstand wird bestimmt nicht nachgeben“, warnen Unternehmens­insider. Selbst Wirtschaftskammerchef Christoph Leitl, der vor Jahren im Streit zwischen AUA-Mitarbeitern und Management vermittelte, meint jetzt: „Strukturelle Änderungen im Personalbereich bei der AUA sind notwendig.“

Betriebsrat auf den Barrikaden. Trotzdem probt auch das im Vergleich zu den Piloten nicht so fürstlich entlohnte Bodenpersonal der AUA bereits lautstark den Aufstand. Betriebsratschef Alfred Junghans stört, dass im neuen Kollektivvertrag für seinen Bereich nur mehr das Grund­gehalt der verschiedenen Leistungsstufen festgelegt wird (siehe Tabelle oben). Bis dato wurde auch ausführlich erläutert, welcher Mitarbeiter nach welchen Kriterien eingestuft wird. „Künftig sind wir der völligen Willkür des Managements aus­gesetzt“, befürchtet Junghans. „Offenbar reicht es dann, dass ein Mitarbeiter dem Chef sympathischer ist als ein anderer, um besser bezahlt zu werden.“ Junghans will den neuen KV auf keinen Fall unterschreiben. „Für so ein Grundgehalt finden wir keine qualifizierten Leute mehr“, sagt der Belegschaftsvertreter.
Bei der Aufsichtsratssitzung will er auf die Barrikaden steigen und eine Offensivstrategie fordern: Sofort vier Lang­streckenflugzeuge mehr und neue Langstreckendestinationen sowie ein besseres Vertriebsnetz. „Man kann die AUA nicht über die Kosten sanieren, sondern nur durch Investitionen“, wettert Junghans.
Im Management sieht man das anders. „Es ist notwendig, die AUA von Grund auf zu sanieren, um wieder schwarze Zahlen zu schreiben“, erklärt Firmensprecher Peter Thier. Vorstand Jaan Albrecht bezeichnet die alten Kollektivverträge als „Handschellen“ und „Fesseln“, die die Austrian Airlines behindern würden. Keiner der Mitarbeiter werde weniger verdienen, verspricht Albrecht – nur die Anforderungen würden steigen und die automatischen Vorrückungen zurückgehen.

Die deutsche AUA-Mutter Lufthansa zeigt sich bereit, mehr in das Österreich-Geschäft zu investieren. Aber nur, wenn die Hausaufgaben gemacht werden und ordentlich gespart wird. Eine Patt-Situation.
Im vergangenen Jahr erzielte die AUA einen Verlust von 66 Millionen Euro. Als Vorbild für die Sanierung dient vor allem die Schweizer Fluglinie Swiss, deren Kollektivvertrag auch für den neuen AUA-KV Pate stand.

Zehn Millionen für Überstunden. Schon in den vergangenen Jahren wurde bei den AUA-Mitarbeitern der Sparstift angesetzt. 2009 etwa gab es Kurzarbeit und die Streichung zahlreicher Stellen. 2010 folgte ein Kostensenkungsprogramm. Die wirklich schwierigen Brocken – die Pfründen und Privilegien der Piloten – wurden aber auch damals nur halbherzig angegangen. Dabei kosten allein die Überstunden im Cockpit rund zehn Millionen Euro im Jahr.

Frappant ist auch eine andere Rechnung: Nachdem die AUA ihr Callcenter in Wien geschlossen und nach Innsbruck verlegt hatte, wurden 100 Mitarbeiter gekündigt. Deren Abfertigung machte gleich viel aus wie der Golden Handshake für einen einzigen Flugkapitän. Und deswegen wird den AUA-Piloten künftig wohl weniger geboten.

– Silvia Jelincic, Miriam Koch

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