Atomstrom kommt teurer, als die
AKW-Betreiber glauben machen

Aktuell wird Strom an der Börse mit rund fünf Cent pro Kilowattstunde gehandelt. Der Strom kommt nach wie vor überwiegend aus Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken. Eine Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) zeigt allerdings, dass die Produktion von Atomstrom im Vergleich zu anderen teuer kommt.

Eine Kilowattstunde aus Steinkohle-Kraftwerken kostet 3 Cent, eine aus der umweltfreundlicheren Wasserkraft 3,6 Cent, Windkraft schlägt sich mit 5,5 bis 11 Cent zu Buche. Atomstrom aus neuen Kraftwerken kostet 5,8 bis 8,9 Cent – ist also nur unwesentlich günstiger. Warum gab es also die Debatte zur Laufzeitverlängerung? In alten, ausfinanzierten Atomkraftwerken wie zum Beispiel Biblis in Hessen geht es billiger: Die Kilowattstunde kostet nur 1,7 Cent. Der Reaktor ist 35 Jahre alt, für die Betreiber bedeutet das Gewinne bis zu 1,7 Millionen Euro pro Tag.

Atom-Subventionen

Eine Studie des Forums für ökologische Marktwirtschaft zeigt, dass die deutschen AKW-Subventionen von 1950 bis 2010 194,9 Milliarden Euro verschlangen. Bezogen auf den heutigen Strompreis heißt das: Jede Kilowattstunde Atomstrom wird mit 4,3 Cent staatlich gefördert. Zum Vergleich: Auch die Windkraft bekommt, obwohl risikoarm und nachhaltig, nur vier bis fünf Cent pro Kilowattstunde staatliche Mittel. Ohne den Staat könnte sich die Atomkraft schwer am Markt behaupten. Schon der Bau eines Atomkraftwerks kommt enorm teuer: Eine Studie von Moody’s zeigt, dass ein durchschnittliches neues Atomkraftwerk 5,52 Milliarden Euro kostet. Greenpeace-Energiesprecher Jurrien Westerhof sagt dazu: „Gaskraftwerke gibt es für vergleichsweise billige 400 Millionen Euro.“ Und 300 Windräder, die etwa die Leistung von einem AKW bringen, machen in Summe 900 Millionen Euro.

Dazu kommt noch die Forschung: 90 Prozent der Energieforschungsmittel flossen seit den 50er-Jahren laut OECD-Studie weltweit in nukleare Forschung, nur drei Prozent in jene zu erneuerbaren Energien. Und das, obwohl der atomare Anteil an der Stromerzeugung im selben Zeitraum bei 2,6 Prozent lag, erneuerbare Energien aber immerhin 15 Prozent ausmachten.

Kaum bezahlbare nukleare Unfälle

Die Kosten für den Super-GAU trägt nicht der Betreiber, sondern im Falle des Falles die Allgemeinheit. Greenpeace rechnet aber vor: „Würden bei Atomkraftwerken die gleichen Haftungsregeln gelten wie in allen anderen Wirtschaftsbereichen, wäre Atomstrom um bis zu 2,70 Euro pro Kilowattstunde teurer – und damit weder bezahlbar noch wettbewerbsfähig.“

Das ungelöste Problem der Endlagerung

Auf die lange Bank geschoben wurde bis dato die Frage der Endlagerung atomaren Mülls, und das trotz sechs Jahrzehnten ziviler Kernkraftnutzung und geschätzten 270.000 Tonnen verbrauchter atomarer Brennstoffe bislang. Jedes Jahr kommen derzeit über 10.000 Tonnen hochradioaktiven Abfalls hinzu, ein sicheres Endlager existiert aber trotzdem in keinem der Atomstaaten. Angesichts der Herausforderungen an die Sicherheit verwundert das wenig – Endlager müssen je nach Strahlungsdauer des Mülls viele Tausend Jahre halten.

Der deutsche AkEnd-Bericht, der Kriterien für die Suche nach einem Standort aufgestellt hat, geht sogar von einer Lagerdauer von einer Million Jahren aus. Gebiete, in denen die Erdbebensicherheit nicht gewährleistet ist, fallen dort ebenso heraus wie solche, wo Vulkane ausbrechen können. Auch die Möglichkeit einer künftigen Eiszeit, deren Gletscher Hunderte Meter tiefe Schluchten hinterlassen können, muss berücksichtigt werden. In einigen Staaten gibt es immerhin konkretere Pläne für Endlager, Schweden und Finnland etwa haben erste Standorte im Auge, deren Bau jeweils mit drei Milliarden Euro zu Buche schlagen soll.

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