Anzengruber: "So ein System ist obskur"

Anzengruber: "So ein System ist obskur"

FORMAT: Herr Anzengruber, was läuft schief am europäischen Strommarkt?

Wolfgang Anzengruber: So ziemlich alles. Braunkohle, der dreckigste Brennstoff mit dem höchsten CO2-Ausstoß, ist derzeit für die Stromherstellung am günstigsten. Ökologisch verträglichere Gaskraftwerke, wie etwa unseres in Mellach, sind wegen teurer, langfristiger Gasbezugsverträge und niedriger Strom-Großhandelspreise ein Verlustgeschäft. Sonnen- und Windstrom werden völlig übertrieben gefördert. Außerdem mangelt es an Netzen. Und der Endkunde zahlt die Zeche. Eine gefährliche Mixtur.

Woran liegt das konkret?

Anzengruber: Das deutsche Fördersystem garantiert den Ökostrom-Erzeugern 20 Jahre lang eine gesicherte Abnahme zu total überhöhten Einspeistarifen; etwa 450 Euro pro Megawattstunde Sonnenstrom. Der Marktpreis liegt aber bei etwa 40 Euro. Die Differenz wird gefördert und auf alle Kunden mit Ökostromzuschlägen übergewälzt. In Österreich ist es nicht ganz so arg. Aber das ist kein Umweltprojekt mehr, sondern ein lukratives Finanzanlagemodell mit staatlich garantierter Rendite von sechs bis sieben Prozent pro Jahr. Denn Ökostrom muss immer abgenommen und bezahlt werden, auch ohne Bedarf.

Was heißt das für traditionelle Stromproduzenten und die Stromkunden?

Anzengruber: Heute investiert keiner mehr in ein neues Kraftwerk ohne staatliche Förderung. Wenn man mit der Ökostrom-Unterstützung so weiter macht, wird man zum Schluss uns auch noch stützen müssen. Denn wir haben ja die Versorgung auch dann zu sichern, wenn kein Wind weht und die Sonne nicht scheint. Und für die Konsumenten ist der Strom nur teurer geworden. Allein 2012 haben sie in Deutschland 21 Milliarden Euro an Ökostrom-Förderungen bezahlt. Am Markt hätten sie die gleiche Menge Strom für etwa 2,5 Milliarden bekommen. Anders gesagt: Die Stromkunden retten nicht die Umwelt, sondern finanzieren die todsichere Geldanlage einiger weniger Investoren. So ein System ist obskur, falsch und birgt immense soziale Sprengkraft.

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff