Anwaltsranking 2009: FORMAT präsentiert die besten Anwälte und größten Sozietäten

Das neue FORMAT-Anwaltsranking zeigt, wie vierzig Anwaltskanzleien ihre Konkurrenten in achtzehn Kategorien einstufen. Plus: Die zehn meistgenannten Anwälte und die größten Kanzleien des Landes.

Es war ein gutes Jahr für die Kanzlei Freshfields. Zumindest, wenn man sich das ak­tuelle FORMAT-Ranking anschaut: Gleich 17-mal hat es die Anwaltskanzlei mit britischen Wurzeln in den 18 Rechtsbereichen unter die Top Ten geschafft, und in der Liste der meistgenannten Anwälte kommen drei Freshfields-Anwälte vor – so viele, wie von keiner anderen Kanzlei. Was aber natürlich am meisten ins Auge sticht: Freshfields stellt mit ihrem Kartellrechtsexperten Axel Reidlinger ( im Bild ) den Sieger im Ranking der ­besten Anwälte.

Eine Frage der Sympathie
Für den 42-jährigen Reidlinger ist diese Topplatzierung eine besondere Genugtuung, konnte er doch heuer seinen größten Konkurrenten im Kartellrecht, Hanno Wollmann von der Kanzlei Schönherr, vom Thron stürzen. Dieser belegte im letztjährigen FORMAT-Ranking den ­ersten Platz. Damals war Reidlinger nur achter. „Es ist richtig, Wollmann ist mein Hauptkonkurrent. Wir beide werden auch in internationalen Publikationen immer genannt“, freut sich Reidlinger. Warum er und nicht der Vorjahressieger heuer zum Zug gekommen ist? „Ich versuche die Kollegen immer wieder über Neuigkeiten zu informieren. Und das Ranking ist ja nicht nur eine fachliche, sondern auch eine Sympathiebewertung“, sagt Reidlinger bescheiden.

Dauerbrenner und Shootingstars
Viel Sympathie unter der Kollegenschaft scheint auch der Zweitplatzierte, Wett­be­werbsrechtsexperte Lothar Wiltschek, zu genießen. Der Sieger des Rankings 2007, der erfolgreich den Absprung in die Selbständigkeit geschafft hat, zählt seit Jahren zu den Fixgrößen im FORMAT-Ranking. Ebenso zu den Dauerbrennern unter den Top Ten zählen Gesellschaftsrechtsexperte Hanns Hügel, Stiftungsguru Maximi­li­an Eiselsberg und Dorda Brugger Jordis’ Kapitalmarktspezialist Andreas Mayr. Aber auch Shootingstars finden sich unter den Top Ten des heurigen Jahres: Wilhelm Bergthaler von der Linzer Kanzlei Haslinger/Nagele hat es aus dem Stand auf 15 Nennungen gebracht. Was wohl auch daran liegt, dass die Kategorie Umwelt- und Verkehrsrecht, aus der er als klarer Sieger hervorgeht, neu dabei ist und eine Kate­gorie mit nicht allzu vielen Spezialisten ist.

Eingefrorene Gehälter
So erfreulich das Jahr also für Freshfields aus Sicht des Rankings ausfällt, so unerfreulich macht sich die Krise in der Großkanzlei bemerkbar. Um Kündigungen zu vermeiden, werden heuer die Gehälter der Anwälte eingefroren. Obwohl im laufenden Geschäftsjahr noch keine gravierenden Umsatzeinbußen spürbar sind, werden diese für 2009 nicht ausbleiben. „Wir rechnen krisenbedingt mit deutlichen Rückgängen“, gibt Reidlinger, der auch Office Managing Partner bei Freshfields ist, zu. Damit rechnet auch der Branchenprimus Wolf Theiss (163 Juristen), der 2008 den Umsatz noch um 20 Prozent auf 74 Millionen Euro steigern konnte, die Erwartungen für das Budget 2009 aber zurückfahren musste. Wolf-Theiss-Managing-Partner Horst Ebhardt: „Wir spüren die Krise, weil unsere ­Kunden sie spüren.“

Auf Expansionskurs
Dennoch gibt es Märkte und Bereiche, wo auch Wolf Theiss wächst: in Bosnien, Slowe­nien, Serbien, Ungarn und im Heimmarkt Wien sowie im Arbeitsrecht und im Energiebereich. In der zweitgrößten Sozietät des Landes, der Kanzlei Schönherr, wo man erst vor wenigen Monaten voll auf Expansion (Prag, Warschau, Bratislava) gesetzt hat, wähnt man sich trotz des Einbruchs in Osteuropa auf gutem Weg: „Wir haben alle Hände voll zu tun und werden diesen Kurs ungeachtet der Wirtschaftslage weiterverfolgen und die Situation weiterhin genau in enger zeitlicher Tuchfühlung beobachten“, gibt sich Schönherr-Managing-Partner Guido Kucsko selbstsicher.

Für und wider Osteuropa
Weiter an Osteuropa glaubt auch Gabriel Lansky von Lansky Ganzger: „Das abgelaufene Geschäftsjahr ist das beste in unserer Geschichte, weil es uns gelungen ist, den internationalen Teil am Gesamtumsatz massiv zu steigern.“ Neben Ost­europa ist die Kanzlei auch in der ehe­maligen Sowjetunion gut aufgestellt. Kollegen von Lansky hegen hingegen Zweifel daran, ob die aggressive Osteuropa-­Strategie mancher heimischer Sozietäten wirklich die richtige war. „Ich hätte momen­tan ungern Osteuropa-Büros. Sie bereiten vielen Kanzleien jetzt Sorgenfalten“, berichtet Binder-Grösswang-Partner Raoul Hoffer. Binder Grösswang hat sich stattdessen auf Expansion im eigenen Land verlegt und das Büro von drei auf sechs Stockwerke ausgebaut. Trotz massiver Personalaufstockung fühlt sich die ­Kanzlei auch in der Krise ausgelastet. Hoffer: „Wir streben heuer wieder ein Umsatzplus an, das ist nicht unrealistisch.“

Weitere Fusionen geplant
Mit einem Zuwachs im zweistelligen Bereich rechnet man auch in der Kanzlei CMS Reich-Rohrwig Hainz, die im vergangenen Jahr mit einer Fusion mit der Kanzlei Dallmann & Juranek Schlagzeilen machte. Von ihrem ursprünglichen Ziel, unter die Top-3-Rechtsanwaltskanzleien in Österreich aufzusteigen, ist CMS allerdings noch weit entfernt. Mit 50 Juristen, keinem mehr als im Jahr 2008, fehlen CMS 35 Leute auf den Drittplatzierten im Ranking, die Kanzlei DLA Piper. Aber noch ist nicht aller Tage Abend, stellt CMS-­Managing-Partner Peter Huber in Aussicht: „Es wird in Österreich auch 2009 zu einer weiteren Marktbereinigung bei den Anwaltskanzleien kommen. Wir wollen an dieser Entwicklung aktiv teilnehmen.“

Es geht auch alleine
Dass man auch als Einzelkämpfer eine Chance hat, im FORMAT-Ranking prominent vertreten zu sein, beweist Stiftungsexperte Maximilian Eiselsberg, der letztes Jahr den Absprung von der Kanzlei e/n/w/c wagte. Über das Ausbleiben von Klienten kann er sich nicht beklagen und setzt jetzt ganz auf Dienstleistung: „Der Druck ist weg, ich bin viel freier und kann mir die Zeit für meine Mandanten nehmen, die ich mir nehmen will“, beschreibt der 62-Jährige sein neues Leben. Auch für Lothar Wil­tschek – den Zweitplatzierten im Ranking – hat sich der Absprung von der Großkanzlei Schönherr bislang ausgezahlt.

In der Nische der Anleger
Andere erfolgreiche Kanzleien haben den Zug der Zeit erkannt und ihre Nische gefunden, wie etwa die auf Kapitalmarktrecht spezialisierte Sozietät Brandl & ­Talos. Sie betreut große Banken gegen den Ansturm erboster Anleger und ist damit ganz gut gefahren: „Wir mussten acht Leute aufnehmen, das sind 50 Prozent mehr. Es kommt bei unseren Kunden gut an, dass wir uns weigern, Anleger zu vertreten“, erläutert Ernst Brandl sein Erfolgsrezept. Viel Geschäft mit Banken macht auch sein Kollege Markus Fellner von Fellner Wratzfeld, der jüngst an der Rettung der Constantia Privatbank maßgeblich beteiligt war, oder Stefan Eder von DLA Piper, der für die Ausarbeitung der Verträge zwischen der Fimbag (Finanzmarktbeteiligung AG des Bundes) und den um Staatshilfe ansuchenden Banken zuständig ist.

Bundesländer vor den Vorhang
Dass auch außerhalb Wiens gute Wirtschafts­anwälte arbeiten, zeigt das erstmals vorge­nommene Bundesländerranking. Führend sind mit Haslinger/Nagele sowie Saxinger Chalupsky zwei Linzer Kanzleien. Mit Wilhelm Bergthaler hat es auch erstmals ein Anwalt aus den Bundesländern unter die Top Ten des Landes geschafft.

Von Angelika Kramer und Silke Pixner

Die Ergebnisse des FORMAT-Anwaltsrankings in allen achtzehn Kategorien finden Sie in der Printausgabe 14/09.

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