Anshu Jain – Der 200-Millionen-Mann

Anshu Jain ist vorsichtig. Geschichten aus seinem Leben erzählt er, der über Jahre zu den besten Tradern Europas gehörte, nur ungern.

Anshu Jain – Der 200-Millionen-Mann

Mit dem Geld und der Gerechtigkeit verhalte es sich ganz simpel, so Anshu Jain: „Jeder Mensch hat Talente, Georg. Sie haben Talente, ich habe Talente. Für meine ist der Preis hoch, für Ihre niedriger. Schlecht für Sie, gut für mich.“

Der auf diese Art mit der Realität konfrontierte Georg Meck, Wirtschaftsjournalist bei der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, notierte nicht nur dieses pointierte Gespräch mit Jain, dem Neo-Boss der Deutschen Bank. Er hat ein Buch über „Deutschlands einzige Bank von Weltrang“ (Zitat Meck) und ihre neue Führung geschrieben. Kommenden Montag erscheint es. Auf 203 Seiten beschreibt Meck die Entwicklung des deutschen Geldhauses, das mit zwei Billionen Euro mittlerweile eine Bilanzsumme erreicht hat, die rund 80 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts entspricht. Meck verflicht die Geschichte der Bank mit der Bilderbuchkarriere des indischen Investmentbankers Jain, der die Bank in die Zukunft führen soll.

Denn eines lässt sich schon jetzt sagen: Mit der Hofübergabe von Josef Ackermann an das Vorstandsduo Jürgen Fitschen und Jain begann am 1. Juni 2012 in der Bank eine neue Zeitrechnung. Die Investmentbanker angelsächsischer Prägung geben nun „den Takt in den Frankfurter Doppeltürmen“ (Meck) vor – und ihr schillernder Anführer heißt Anshu Jain. Fitschen, so die meisten Kommentatoren, ist das Valium für die Kunden im Stammland. Nach dem Schweizer Josef Ackermann sollen sie nun „einem Inder“ ihr Geld überlassen. Der latente Rassismus, mit dem Jain im deutschen Mittelstand häufig konfrontiert ist, prallt an dem zurückhaltenden Manager allerdings ab.

Doch wer ist dieser 49-jährige Inder mit britischem Pass, zu dessen Markenzeichen ein lässig über die Schulter geworfener schwarzer Rucksack gehört? Dem in nur 17 Jahren das seltene Kunststück gelang, an die Spitze jenes Geldhauses zu gelangen, das wie kein anderes für Deutschland steht?

Das Streben nach oben

Anshu Jain ist vorsichtig. Geschichten aus seinem Leben erzählt er, der über Jahre zu den besten Tradern Europas gehörte, nur ungern. „Anshu Jain amüsiert sich darüber, was an fernöstlichen Sagen über ihn in Europa verbreitet wird – das meiste davon mangels Fakten abgeleitet aus dem ‚Jainismus‘, dem jahrtausendealten Glauben seiner Vorfahren“, schreibt Meck.

Also zurück an den Anfang: Anshuman Jain wird am 26. März 1963 in Jaipur, Indien, geboren. Er wächst in einem Land der Verstaatlichungen, Bürokratie und Hungersnöte auf, wird er später sagen. In Zuständen, in die er nie wieder zurückwolle. Jains Mutter Shashi gehört der Glaubensgemeinschaft der Sikhs an, sein Vater Ambuj Kumarnist folgt der Religion des Jainismus. Auch wenn die bürgerliche Familie, die später nach Neu Delhi übersiedelt, nicht streng religiös lebt, prägt der Jainismus den Banker. Nicht nur, weil er wie alle ihre Angehörigen den Nachnamen Jain trägt.

„Wer lernt, seine Sinne zu kontrollieren, so lehrt der Jainismus, der erreicht auch im Berufsleben höhere Ziele. Der Mensch solle fortwährend an sich arbeiten, um sich selbst zu verbessern“, so Meck. Diese Qualitäten werden auch Anshu Jain zugeschrieben. Für den strengen Asketismus und die Abkehr von allem Materialismus, die der Jainismus ebenfalls vorschreibt, gilt das allerdings nicht. Dafür ist Bildung für Jain umso wichtiger. Er besuchte eine der renommiertesten Privatschulen Neu Delhis, studierte mit glänzenden Noten Volkswirtschaft. Seiner Frau Geetika, mit der er zwei erwachsene Kinder hat, folgte er zum weiteren Studium in die USA. „Um ihm seinen amerikanischen Traum zu ermöglichen, muss sich der Vater schwer verschulden, angeblich verpfändet er Haus und Hof“, heißt es in „The Deutsche“. Der Banker zahlte alles zurück.

Jain findet Gefallen an den USA, bis heute schwärmt er von der durchlässigen Gesellschaft der Staaten. Noch an der Uni bekommt er seine ersten drei Job-Angebote. 1985 fängt er als kleiner Börsenmakler bei Kidder Peabody an, dann geht es Schlag auf Schlag. Er landet bei Merrill Lynch und arbeitet sich an der Wall Street nach oben. 1995 wechselt er, seinem Idol Edson Mitchell folgend, zur Deutschen Bank nach London. 2002 wird er dort Head of Corporate & Investment Bank, zuständig für Corporate Finance, Sales und Trading. Das Investment-Banking-Geschäft wächst rasant.

Und irgendwann habe er es dann wissen wollen, schreibt Georg Meck. Irgendwann war klar, Jain wolle ganz nach oben. Nicht nur der heimliche Herrscher in London sein, sondern Vorstandsvorsitzender. Für Ackermann war er nicht der ideale Nachfolger, doch mit sanftem Druck machte Jain klar: Geht er, werden auch andere gehen und das Investmentgeschäft mitnehmen. „Goldfinger, Wunderkind, Sonnengott haben sie den Investmentbanker genannt: Er fährt mit seiner Sparte in London für gewöhnlich mehr Gewinn ein als der Rest des Vorstands zusammen. Und zeigt das auch“, schreibt Meck. Von einer Schattenwelt in London, die unabhängig von der Zentrale in Frankfurt agiert, ist oft die Rede.

Anmut und Macht

Dennoch: Der smarte Banker, der sich, anders als viele Kollegen, von der Londoner Society lieber fernhielt, setzt sich in der Schlammschlacht um die Führung schließlich durch. Schnell im Kopf, schnell im Entscheiden; straffer Körper, klare Gedanken; harte, aber elegante Führung, intellektuelle Brillanz – so wird er charakterisiert. Privat interessiert er sich für die Natur. Er liebt Fotosafaris mit seiner Familie.

„Anshu Jain: Höher wird derzeit niemand bewertet, zumindest kein Angestellter in Deutschland“, schreibt Meck. Kein Topmanager einer deutschen Firma hat in den vergangenen Jahren mehr verdient als Anshu Jain, der „200-Millionen- Mann“, wie ihn Meck nennt. So viel soll der gebürtige Inder mit britischem Pass in den letzten zehn Jahren verdient haben, wahrscheinlich sogar mehr. Er war der bestbezahlte Banker Europas. Der Großteil seines Reichtums steckt als Anteile in der Deutschen Bank – nicht in Statussymbolen.

Als deren Chef verdient er weniger als zuvor. Er stellt sein Team in Frankfurt neu und multikultureller auf. Und beginnt nun mit Kollege Fitschen die Bank neu zu formen.

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Wegbereiter einer neuen Industrie

Mit dem Schlagwort Industrie 4.0 werden revolutionäre Änderungen der …

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Comeback der Krise?

Auffällig viele Topunternehmen schreiben Verluste, eine Besserung der …

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Innovation - der wichtigste Rohstoff

Im Wettkampf der Regionen muss Österreich noch stärker auf …

50 Millionen Euro Umsatz macht die von Ronnie Seunig gegründete Excalibur City pro Jahr und schafft 500 Jobs. Roger Seunig tritt in die Fußstapfen seines Vaters und setzt dessen pittoreske Visionen fort.
 

Roger Seunig - der Ritter von Kleinhaugsdorf

Roger Seunig übernimmt von seinem Vater das Billig-Paradies Excalibur …