Angeschlagener Höllenhund: Cerberus
könnte bei der Bawag die Pfoten strecken

Die Bawag schaffte 2009 zwar einen kleinen Vorsteuergewinn – die Probleme des Haupteigentümers Cerberus löst das jedoch nicht. Schon jetzt halten Citigroup, Goldman und Deutsche Bank im Hintergrund Anteile an der Bawag. Und es könnte noch dicker kommen.

Bawag-Mitarbeiter sind Leiden gewohnt. Darum war für sie das Jahr 2009, in dem die Wirtschaftskrise heftige Spuren in den österreichischen Banken hinterließ, gar nicht so arg. Im Vergleich zu 2006 ein regelrechter Spaziergang: Damals konnte die Bawag nur mit Garantien des Staates und dem Verkauf an den US-Hedgefonds Cerberus vor dem Untergang gerettet werden.

Der Höllenhund ist nicht zufrieden
Auch auf dem Papier sieht 2009 auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aus. Nach einem Minus von 548 Millionen Euro 2008 wurde immerhin ein Vorsteuergewinn von 45 Millionen Euro erzielt – auch wenn dafür zahlreiche Kraftanstrengungen nötig waren: Der Staat wurde angepumpt – die Bawag erhielt 550 Millionen Euro Partizipationskapital, Auf- und Abwertungspotenziale in der Bankbilanz wurden geschickt genutzt, und alle Vorstände und Bereichsleiter verzichteten auf ihre Boni. Doch das Erreichte mag innerhalb der Bawag für Beruhigung sorgen, sicher nicht beim Haupteigentümer. Im Vergleich zu den großen Austro-Instituten, die stark im – angeblich so gefährlichen – Osten verankert sind, hat die Bawag mickrig verdient. Ihr Höllenritt wird daher weitergehen. Cerberus, benannt nach dem vielköpfigen Höllenhund der griechischen Mythologie, ist mit seinem Engagement in Österreich alles andere als zufrieden. Ein kleiner Profit der ehemaligen Gewerkschaftsbank ist viel zu wenig, um den Riesenappetit dieses Kolosses zu stillen. Noch dazu, wo bislang keine Dividenden flossen.

Cerberus ächzt unter der Kreditlast
Cerberus wirkt weniger aggressiv als stark angeschlagen und könnte unter der Last seiner Österreich-Beteiligung die Pfoten strecken, was wiederum die Bawag in Turbulenzen bringen würde. Die Amerikaner haben die Bank Ende 2006 um 3,2 Milliarden Euro gekauft – größtenteils auf Kredit. Das bedeutet hohe Finanzierungskosten, die Insider mit mindestens 200 Millionen Euro im Jahr beziffern. Geld, das die Bawag verdienen müsste, damit sich der Deal für Cerberus rechnet. Zum Teil wurden sogenannte Senior Loans eingegangen, bei denen die Geldgeber Aufgriffsrechte haben und die Darlehen in Bawag-Anteile umwandeln können. Das würde vor allem dann passieren, wenn Cerberus seinen Nachschusspflichten („Margin Calls“) nicht mehr nachkommt, die dann fällig werden, wenn der Wert des Investments unter eine gewisse Schwelle sinkt.

Bankenriesen mit Bawag-Anteilen
Und das ist er offenbar: Die Bawag wird infolge der Wirtschaftskrise heute nur mehr auf rund eine Milliarde Euro taxiert. Cerberus tat sich schon 2009 schwer, pünktlich die Bawag-Schulden zu bedienen. Es ist zu erwarten, dass es auch heuer noch haarig wird. Die Kapitalgeber steigen dem Hedgefonds massiv auf die Füße und machen ihre Rechte geltend. Nicht nur Lehman Brothers hat den Bawag-Kauf finanziert. Laut FORMAT-Informationen waren auch die mächtigen US-Institute Citigroup und Goldman Sachs mit von der Partie. Laut Finanzkreisen sollen beide mittlerweile kleine Bawag-Anteile direkt halten. Ebenso die Deutsche Bank, die nach dem Zusammenbruch von Lehman das dortige Bawag-Engagement übernommen hat. Noch haben diese Finanzriesen keine strategischen Überlegungen zur Bawag. Doch das könnte sich ändern, wenn ihnen zwangsweise noch mehr Anteile zufallen und sie dann eine aktive Eigentümerrolle spielen.

Entscheidung im Sommer
Cerberus selbst schweigt zu den Spekulationen. Fest steht, dass sich der US-Investor beim Einstieg 2007 verpflichtet hat, zumindest fünf Jahre lang Hauptaktionär zu bleiben. Insofern hat der Fonds nur die Wahl zwischen zwei Übeln: abwarten, leiden und kleinere Anteile abgeben – oder ganz aussteigen und den Verlust realisieren. Im Sommer soll es Cerberus-intern eine Entscheidung geben, wie es weitergeht. Das letzte Wort hat Robert Nardelli, der bei Cerberus für die Kontrolle und Aufsicht der Beteiligungen zuständig ist. Er war vor kurzem auch in Wien zu Besuch. Weil Cerberus mit hängender Zunge dasteht, gab es sogar in der österreichischen Banken-ÖIAG Fimbag bereits geheime Überlegungen für den Fall, dass Cerberus die Bawag fallen lassen muss. Es wurden Pläne gewälzt, das Institut mit der Not leidenden Volksbankengruppe zusammenzuspannen. Denn die Bawag hat viel Cash – über bis zu rund neun Milliarden Euro an flüssigen Geldern verfügt die Bank. Die Volksbanken und ihre Tochter Investkredit hätten die Kundenbasis. Im Moment ist die Idee aber vom Tisch.

Bawag dreht an allen Kostenschrauben
Dass es bei der Bawag in absehbarer Zeit zu einem Eigentümerwechsel kommen könnte, sieht man intern gelassen. „Ein US-Hedgefonds ist vom Image her ja nicht so reputierlich“, sagt ein Manager. Motto: Es kann nur besser werden. Und letztlich sei es egal, ob man nach New York, Dubai oder Peking berichte. Der Vorstand macht auf Business as usual. „Wir konzentrieren uns nur auf die positive Entwicklung der Bank selbst“, sagt Vorstandsdirektor Stephan Koren. Man versuche, die Ertragskraft der Bank zu steigern. Ein Verlust 2010 ist nach derzeitigem Stand dennoch nicht auszuschließen. Einerseits steigen die Eigenkapitalerfordernisse. Andererseits will der Staat die Finanzinstitute stärker zur Kasse bitten: Noch ist zwar nicht klar, wie die Bankensteuer genau ausschauen wird, aber geht es nach der Bilanzsumme, müsste die Bawag rund 30 Millionen Euro abliefern. Kein Wunder, dass an „allen Kostenschrauben“ (Koren) gedreht wird.

Bawag-Mitarbeiter unter Druck
Auch die Mitarbeiter sind unter Druck: Im Vorjahr wurde die Zahl der Beschäftigten um 200 auf rund 4.000 reduziert. Die Fluktuation in der Bawag-Vorstandsetage ist ebenfalls beachtlich: Treasury-Vorstand Carsten Samusch wird durch den Investmentbanker Christoph Raninger ersetzt, im Vorjahr ging David Roberts und übergab den Vorstandsvorsitz an Byron Haynes. Im Finanzministerium hat man bei den Verhandlungen über das Partizipationskapital für die Bawag vorsorglich eine Klausel eingebaut: Sollte die Bawag zwei Jahre hintereinander die Zinsen nicht bezahlen können, hat der Staat ein Wandlungsrecht und kann Anteile übernehmen. Für 2009 wird die Bawag 25,6 Millionen Euro Zinsen an den Finanzminister überweisen.

Heimische Investoren zeigen sich gelassen
Die österreichischen Bawag-Investoren machen weniger Druck als Cerberus. „Unsere Beteiligung war ein klares Bekenntnis zur strategischen Partnerschaft mit der Bawag“, betont Post-Finanzchef Rudolf Jettmar. Es sei beim Einstieg schon klar gewesen, dass dieser Schritt nicht wegen der Aussicht auf Dividenden gesetzt wurde. „Ob es ein gutes Investment war, wird sich erst herausstellen“, meint Hannes Androsch. Er sieht die Bawag auf gutem Weg – allerdings in schwierigen Zeiten. „Die Wirtschaft ist noch längst nicht aus der Krise“, warnt der Ex-Finanzminister. Dies werde auch Spuren in der Bankenlandschaft hinterlassen, Androsch erwartet eine Konsolidierungswelle. Dass Cerberus die Bawag im Stich lässt, kann er sich nicht vorstellen. „Die haben andere, größere Baustellen.“ Doch das könnte auch schlicht Wunschdenken sein.

Miriam Koch, Ashwien Sankholkar

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