Andockmanöver bei Austrian Airlines: Russische Gesellschaft bereit für Übernahme

Die sibirische Airline S7 tut alles, um bei der AUA landen zu können. Weil die AUA mit einem russischen Besitzer die Lizenz verlieren würde, will S7 nun über eine österreichische Privatstiftung kaufen.

Über die AUA-Privatisierung herrscht Uneinigkeit: ÖIAG-Chef Peter Michaelis tendiert klar zur Lufthansa, das AUA-Management ebenso und könnte sich höchstens noch mit der Variante Air France-KLM anfreunden. Leiter des Privatisierungsausschusses, Magna-Boss Siegfried Wolf, ist hingegen kein Anhänger einer Lufthansa-Lösung. Dafür zeigt er reges Interesse am Angebot der russischen Airline S7. Dass es die S7 als dritter Carrier überhaupt auf die Shortlist geschafft hat, sorgt schon für Turbulenzen. Noch in der Vorwoche war im Umfeld der AUA und der Staatsholding zu hören, die Russen würden rausfliegen. Nun ist vielerorts vom starken Druck die Rede, der gemacht wurde, um die S7 im Rennen zu halten.

Die Power hinter S7
Die Gesellschaft gehört zu 25 Prozent dem russischen Staat, ihr Finanzpartner ist die Gazprom-Bank, Tochter des weltgrößten Gaskonzerns. Dessen Konsulent, der deutsche Exkanzler Gerhard Schröder, soll sich bei Kanzler Gusenbauer für die Russen verwendet haben. Gabriel Lansky, ein bekannter Wiener Anwalt mit exzellenten Politkontakten, wurde als Rechtsberater und Lobbyist gewonnen. Exminister Franz Löschnak steht ebenfalls in Diensten der S7. Als Partner, der sich um den geforderten Österreich-Anteil an der AUA kümmern soll, fungiert der einflussreiche Boss von Raiffeisen Oberösterreich, Ludwig Scharinger.

Rasante Internationalisierung
Neben der eingesetzten Power haben Natalia Filewa, die 65 Prozent an S7 hält, und ihr Mann Wladislaw Filew, der die Fluglinie führt, aber auch ein nicht unattraktives Angebot gelegt. Sie versichern, dass – unterstützt von Moskau – eine rasante Internationalisierungsstrategie in Angriff genommen wird, vornehmlich über Wien. Bisher war S7 nur im Inlandsverkehr und im Charter tätig. Die angekündigten zusätzlichen drei Millionen Passagiere für Wien sind im Offert zwar relativiert (derzeit macht der gesamte Verkehr zwischen Russland und Österreich nur 400.000 Passagiere im Jahr aus). Wachstum wird aber versprochen.

S7-Skeptiker
Im Management und im Aufsichtsrat der AUA gibt es dennoch zahlreiche skeptische Stimmen. Die bezweifeln stark, ob die S7 ausreichend strategisches Potenzial mitbringt, damit die AUA den beinharten Luftkampf, der ihr bevorsteht, überlebt. „Was soll das für eine Privatisierung sein, wenn die AUA dann dem russischen Staat gehört?“, ätzt ein Insider. Betriebschef Alfred Junghans ist anderer Meinung: „Ich halte die Russen für sehr interessant, um unsere Arbeitsplätze zu sichern.“ ÖIAG-Privatisierer Wolf, der den Oligarchen Oleg Deripaska bei Magna als Gesellschafter hat, scheint das ähnlich zu sehen. ÖIAG-Aufsichtsratspräsident Peter Mitterbauer verhält sich neutral.

Russen wollen Stiftungslösung
Ob das Ehepaar Filew überhaupt eine Chance hat, entscheidet aber ein anderer Punkt. Laut EU-Recht muss die sogenannte Effective Control der AUA in EU-Hand bleiben, sonst ist die Betriebsgenehmigung weg. Ein russischer Besitzer, der die AUA führt, ist unmöglich. Im Akquisitionskonzept der S7 findet sich daher der Plan, die AUA-Anteile über eine zu gründende Privatstiftung in Österreich zu kaufen. Eine Stiftung hat keine Eigentümer, folglich wäre das Problem gelöst, so lautet die Idee. Zentrale Rolle in einem Österreich-Konsortium soll Raiffeisen-Manager Ludwig Scharinger spielen, der dazu nichts sagen will: „Ich habe eine Vertraulichkeitserklärung unterschrieben.“

Knackpunkt EU-Recht
Aber: Dass eine solche Stiftungslösung juristisch hält, wird von ÖIAG und Merrill Lynch bezweifelt. Denn das EU-Gesetz soll verhindern, dass eine Airline von außerhalb mit Flügen zwischen zwei EU-Destinationen starten kann. Akzeptiert die Kommission die Stiftungslösung, würde diese Abschottung des Luftraumes löchrig. Einzige Alternative für die S7: Sie könnte sich auf Dauer mit 49 Prozent an der AUA begnügen. Die AUA müsste von der Börse genommen werden, und es müssten 51 Prozent stabil bei österreichischen oder EU-Eigentümern liegen. Das ist wohl unmöglich hinzukriegen. Dem Vernehmen nach denken die Russen zwar darüber nach, für diesen Fall österreichischen Interessenten die Finanzierung der Anteile und das Risiko abzunehmen. Die Effective Control würde so aber wiederum bei der S7 liegen.

Von Andreas Lampl

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