Am Ende wartet das "Sterbehaus“

Am Ende wartet das "Sterbehaus“

FORMAT: Zur Recherche für das Stück haben Sie 25 Bank-Manager interviewt. Konnten Sie feststellen, ob Banker "böse“ Menschen sind?

Andres Veiel: Nein, das ist Blödsinn und der falsche Ansatz. Viele schämen sich mittlerweile, zu sagen, dass sie Investmentbanker sind. Viele sehen ihre Rolle im Zusammenhang mit der Finanzkrise nüchtern. Sie kannten auch das Risiko - und haben in der entscheidenden Sitzung diesen hochriskanten Deals doch zugestimmt. Es wurde bewusst auf das "too big to fail“ spekuliert.

Wurden deshalb die Geschäfte immer riskanter?

Veiel: Ja, auch weil in der Boomphase zuvor die Gewinnerwartungen zu hoch waren. Ein Bankvorstand berichtete, dass in seinem Haus die Analyse der zukünftigen Geschäftsentwicklung 27 Mal in die Fachabteilung zurückgeschickt wurde, weil die Prognosen zu niedrig waren. Erst bei der 28. Überarbeitung haben sie den Erwartungen entsprochen und man ging damit in den Aufsichtsrat. Um diese Renditen zu erzielen, musste die Bank entsprechend viel Risiko nehmen.

Welche Mechanismen liefen da ab?

Veiel: Es gibt einerseits dieses Spielerische bei Brokern und Händlern. Man hat Erfolg, die Summen werden höher, das löst bei ihnen einen Kick aus. Der andere Aspekt ist die Frage der persönlichen Verantwortung. Es gibt ja immer sehr konkrete Eingriffssituationen, wo ein Vorstand oder Aufsichtsrat zusammen sitzt und jeder Einzelne an einem bestimmten Punkt "Nein“ hätte sagen können. Das ist ganz banal

Warum hat niemand "Nein“ gesagt?

Veiel: In einer Bank macht man mit einer eigenen Meinung keine Karriere. Wer aufsteigen will, braucht hohe Geschmeidigkeit und muss wissen, wann er lieber etwas nicht sagt.

Gilt das nicht für viele Unternehmen und Institutionen?

Veiel: Bei Banken ist das besonders ausgeprägt. Dort gibt es eine spezielle Form der Hierarchie. Da geht es um Privilegien, um sehr subtile Insignien der Macht. Das fängt mit einer eigenen Vorstandsgarage an, von wo man direkt in einen Aufzug kommt, der ohne Zwischenstopp in die Vorstandsetage fährt. Dann hat die Höhe der Etage eine hohe Symbolkraft, ob das Büro eine schöne Fernsicht hat. Auch beim Ausscheiden aus dem Vorstand behalten diese Leute ihre Dienstwagen und ein Büro, das steht Ihnen vertraglich zu. Aber das liegt zehn Stockwerke tiefer und die Vorhänge reichen nicht mehr bis auf den Boden, sondern nur noch bis zur Fensterbank. Damit geht eine Demütigung einher, weil es den Rollenverlust für alle sichtbar macht.

Was ist daran so schlimm?

Veiel: Ist man in einem Bankturm in einem bestimmten Stockwerk gelandet, ist es das Ende. Bei einem Institut wird diese Etage das "Sterbehaus“ genannt. Selbst dort fühlen sie sich noch als Teil einer Banking-Community. Kaum einer ist bereit, seine Kritik öffentlich zu machen, weil sie sich damit gegen die Community stellen müssten. Das ist die besondere Tragik.

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