Am 13. März entscheidet sich
das Schicksal der AUA

Der 13. März wird zum Schicksalstag für die AUA. Kann die Belegschaft nicht auf einen Sparkurs bei der Airline eingeschworen werden, droht sogar die Insolvenz. Auf die Politik sind die AUA-Manager besonders sauer.

Wolfgang Mayrhuber (Bild) schien am Ziel seiner Träume. Dem gebürtigen Österreicher war es 2009 nach zähen Verhandlungen gelungen, noch kurz vor Abschluss der Karriere „seine“ Heimatfluglinie in den Lufthansa-Konzern zu integrieren. Damit war die größte europäische Fluglinie geboren, und der Lufthansa-Chef wurde als einer der erfolgreichsten Manager Europas gefeiert.

Hochfliegende Pläne hatte Mayrhuber mit seiner AUA: So erfolgreich wie die Schwester Swiss sollten die Österreicher werden und spätestens 2011 den Deutschen satte Gewinne bescheren. „Wir wollen rote Uniformen und keine roten Zahlen“, scherzte er. Doch es kam anders, und Mayrhuber, der heute nur noch Aufsichtsrat bei der AUA ist, kann seinen Frust über die missglückte rot-weiß-rote Erfolgsstory nicht mehr verhehlen. In der letzten AUA-Aufsichtsratssitzung Ende Februar soll er seinem Ärger offen Luft gemacht haben. Die österreichische Politik halte sich nicht an ihre Versprechen, eine Hilfestellung für die marode Airline sei nur in unzureichendem Maß zu verspüren, kritisierte er.

Große Versprechen

Was genau macht den ehemaligen Lufthansa-Boss so wütend? Im Jahr drei nach der Übernahme schreibt die AUA noch immer tiefrote Zahlen. Mehr als 60 Millionen Euro Miese dürften es im Geschäftsjahr 2011 werden, lauten die Prognosen. Besserung ist nicht in Sicht.

Die AUA steht erneut vor einer Zerreißprobe. Bis nächsten Dienstag soll es eine Einigung mit Politik und Belegschaft über den Sparkurs der Airline geben. Wenn nicht, wird damit begonnen, den Betrieb von der AUA auf die günstigere Regionaltochter Tyrolean überzuführen. Mayrhuber ist sich sicher, dass an der verfahrenen Lage nicht Missmanagement und die Lufthansa schuld seien. In den drei Jahren nach der Übernahme wurden die Gebühren (Ticketsteuer, Sicherheit etc.) am Standort Wien um hundert Millionen Euro hinaufgeschnalzt, und das, obwohl die Politik genau das Gegenteil versprochen hatte.

ÖIAG-Chef Peter Michaelis, so heißt es AUA-intern, hätte damals nämlich in einem persönlichen Brief an Mayrhuber zugesichert, dass Österreich den Standort attraktiver gestalten wolle.

Jetzt stößt AUA-Boss Jaan Albrecht, der heuer 220 Millionen Euro einsparen will, bei der Politik zumeist auf taube Ohren. Er ist mit 1. November angetreten, um die AUA endgültig zu sanieren. Um rund 30 Millionen Euro will die Fluglinie allein ihre Standortkosten (siehe Grafik) reduzieren, lediglich die Hälfte scheint bislang sicher. Zusagen gibt es lediglich vom Flughafen und vom Wirtschaftsminister hinsichtlich der Mineralölbevorratung.

Finanzministerin Maria Fekter ziert sich angesichts klammer Kassen mit ihrer Zusage über eine Senkung der Ticketsteuer noch etwas, die Austro Control signalisiert keinen Handlungsspielraum. Für den früheren AUA-Finanzchef Thomas Kleibl, heute beim deutschen Energiedienstleister SAG im Vorstand, ist die Vorgehensweise fatal: „Die große Befürchtung ist, dass Systempartner wie der Flughafen Wien, die Austro Control oder selektive Mitarbeitergruppen nicht einlenken und dann wie ein begossener Pudel vor dem Trümmerhaufen stehen.“ Sprich: dass die Drehscheibe Wien ernsthaft in Gefahr geraten könnte, denn: „Die Bedürfnisse der Aktionäre sind für die Lufthansa wichtiger als der Standort Wien“, sagt Kleibl.

Säbelrasseln auf beiden Seiten

Auch die Verhandlungen mit den Mitarbeitern werden wohl noch ein hartes Stück Arbeit sein. Jeden Tag wird gefeilscht, auch am Wochenende. Rund 45 Millionen Euro jährlich sollen beim AUA-Personal eingespart werden, der Großteil davon bei der fliegenden Crew. Der Wunsch von AUA-Boss Albrecht ist, dass es in Zukunft nicht mehr automatisch mehr Gehalt für AUA-Mitarbeiter gibt, sondern nur, wenn wirtschaftliche Erfolge verbucht werden.

Die Bodenmitarbeiter haben sich bereits mit dem neuen Kollektivvertrag angefreundet, ist zu hören. Allerdings sind sie weniger betroffen, Megaabfertigungen und jährliche Vorrückungen, die die Kosten in schwindelnde Höhen treiben, sind bei ihnen nicht üblich.

Dass die Piloten allein zum Streik aufrufen, halten Insider für unwahrscheinlich. Das würde in der Öffentlichkeit ein schlechtes Bild machen, glaubt man in der Gewerkschaft. Die Flugkapitäne sind zwar verärgert, weil sie in der Debatte als die Buhmänner dastehen, die nur an ihre Privilegien denken würden. Einige Piloten drohen auch damit, zu anderen Fluglinien zu wechseln. „Aber wir glauben an die Einigung, die Gespräche sind sehr konstruktiv“, sagt Bord-Betriebsratsvorsitzender Karl Minhard.

Auch vonseiten der Lufthansa wird in Österreich Druck erzeugt. Nicht zuletzt, weil die Lufthansa 2011 rund 13 Millionen Euro Verlust machte, 2010 wurde noch ein Gewinn von 1,1 Milliarden Euro ausgewiesen. Gerüchte, wonach selbst ein Konkurs der AUA möglich sei, kamen auf. Doch es ist unwahrscheinlich, dass die Deutschen der AUA die Lichter abdrehen. „Im Falle einer Insolvenz müssten alle bilateralen Verträge über Landerechte neu verhandelt werden“, sagt Mario Rehulka, früher Chef der AUA, heute Präsident des österreichischen Luftfahrtverbandes. „Das ist sehr aufwendig und mühsam.“

Außerdem gilt es als sicher, dass die Konkurrenz in Wien, allen voran Air Berlin und Fly-Niki, in die Lücke drängen und es AUA-Nachfolgegesellschaften schwer machen würden. Aus diesen Gründen gilt es als unwahrscheinlich, dass die Lufthansa die AUA fallen lässt. Noch dazu, wo die Deutschen mit Karsten Benz am 1. April einen neuen Manager in den AUA-Vorstand hieven. „Damit setzen wir ein klares Zeichen, unverändert und mit aller Kraft weiter an der nachhaltigen Perspektive der Austrian Airlines zu arbeiten“, wird AUA-Aufsichtsratschef und Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer zitiert.

Benz wird Andreas Bierwirth ablösen, einen Vertrauten von Wolfgang Mayrhuber. 2008 schaffte es Mayrhuber, seinen Lufthansa-Aufsichtsrat zu überzeugen, die AUA zu kaufen, obwohl intern von einem „Schrottplatz an den Alpen“ geätzt wurde. Jetzt braucht er endlich Fakten und schwarze Zahlen, um seinen Ruf als erfolgreicher Manager nicht zu gefährden.

– Miriam Koch, Angelika Kramer

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