Am 11. Jänner startet eines der größten Wirtschaftsstrafverfahren des Landes

Nächste Woche startet einer der größten Wirtschaftsstrafprozesse des Landes. Finanzjongleur Wolfgang Auer-Welsbach soll 12.500 Anleger um 270 Millionen Euro betrogen haben. Er hält sich für unschuldig.

Die Weihnachtsferien von Michael Sommer waren alles andere als ruhig und besinnlich. Denn der Verteidiger von Kärntens berühmtestem U-Häftling, Wolfgang Auer-Welsbach, hatte viel zu tun. Auf insgesamt 240 Seiten zerpflückt der Anwalt die Anklage der Staatsanwaltschaft Klagenfurt gegen seinen Mandanten und fordert die Beiziehung von nicht weniger als 50 Zeugen. Anfang dieser Woche hat er das Konvolut bei Gericht – gerade noch rechtzeitig – abgegeben.

Gerade rechtzeitig noch deshalb, weil am 11. Jänner im Klagenfurter Landesgericht der Startschuss zu einem der größten Wirtschaftsstrafverfahren des Landes erfolgt. Zwar war der entstandene Schaden im Bawag-Prozess mit 1,7 Milliarden Euro ungleich höher, allerdings blieben Kleinanleger verschont. Durch die Malversationen, die dem Kärntner Finanzjongleur Auer-Welsbach, oder wie er sich früher selbst nannte Auer von Welsbach (AvW), zur Last gelegt werden, sollen nicht weniger als 12.500 Anleger, darunter auch zahlreiche Prominente , mehr als 270 Millionen Euro verloren haben.

90 Seiten starker Tobak

So sehen es zumindest die Staatsanwälte Christof Pollak und Thomas Liensberger, die in ihrer 90-seitigen Anklageschrift mit dem Chef der mittlerweile pleitegegangenen Finanzgesellschaften AvW Invest und AvW Gruppe nicht gerade glimpflich umgehen. Sie werfen ihm schweren Betrug, Untreue und Fälschung von Beweismitteln vor. Wolfgang Auer-Welsbach, Urenkel des berühmten Chemikers Carl Auer von Welsbach, drohen im äußersten Fall bis zu zehn Jahre Haft.

Der studierte Jurist habe die Besitzer von AvW-Genussscheinen über Jahre hindurch getäuscht und sich selbst bereichert. Mit „unlimitiertem Gewinnpotenzial“, „100-prozentiger Kapitalgarantie“, „erfolgreicher Alternative zum Sparbuch“ habe er seine Genussscheine beworben und damit viele Anleger angelockt. Der Kurs der Papiere sei dabei durch von ihm selbst getätigte Aktienan- und -verkäufe künstlich hoch gehalten worden. Dabei habe er sich unter anderem der Liechtensteiner Wertpapierdepots seiner Geschwister bedient. Mit „hoher krimineller Energie“ und „außergewöhnlich autoritär“ habe Auer-Welsbach seine Geschäfte geführt, sind die Staatsanwälte überzeugt. „Das von ihm kreierte System hatte den alleinigen Zweck, dem Angeklagten auf Dauer, zumindest aber möglichst lange, eine permanente Einnahme zu verschaffen und damit den luxuriösen Lebenswandel zu ermöglichen“, heißt es in der Anklage.

Und das Einkommen des Finanzjongleurs konnte sich wirklich sehen lassen: Zwischen 2001 und 2008 soll er – nebst einem fürstlichen Gehalt – 52,7 Millionen Euro an „unüblich hohen“ Provisionen eingesackt haben.

Außerdem habe er sich ein Darlehen in der Höhe von 5,3 Millionen Euro von der AvW Gruppe geben lassen, aber lediglich 1,9 Millionen zurückgezahlt. Danach habe er die Organe der AvW Gruppe um eine Bestätigung gebeten, dass damit keine Verbindlichkeiten gegenüber der Gruppe mehr bestünden. Wie Auer-Welsbach das Geld verwendet hat, ist mittlerweile hinlänglich bekannt: Er besaß Seegrundstücke am Wörthersee inklusive Motorboot und zugehöriger Konzession. Sein Hang zum Pomp war unübersehbar: Ein bronzener Bulle und Bär in Lebensgröße schmückten seine Firmenzentrale in Krumpendorf, und er legte sich die kanadische „Maple Leaf Coin“, die größte Goldmünze der Welt, zu.

Von all dem ist mittlerweile nahezu alles – bis auf einen alten Mercedes und das Motorboot – verkauft. Die Konten von Auer-Welsbach sind alle eingefroren, lediglich ein Haus in Krumpendorf ist ihm geblieben, wo seine Frau mit dem minderjährigen Sohn wohnt und wohin er auch zurückkehren könnte, wenn er aus der Haft kommt. Das könnte allerdings frühestens Anfang März der Fall sein, denn bis dahin wird verhandelt, „voraussichtlich noch viel länger“, wie Bernd Lutschounig, Sprecher des Landesgerichts Klagenfurt, sagt.

Denn Michael Sommer will 50 Zeugen antanzen lassen, die die Unschuld seines Mandanten beweisen sollen. Darunter Thomas Goldmann, den ehemaligen Chef der Finanzmarktaufsicht, der AvW im Jahr 2001 geprüft hat und nichts weiter veranlasste. Oder Professor Christian Nowotny, der vor Jahren in einem Gutachten der AvW bescheinigte, dass für die Gesellschaft keine Rückkaufverpflichtung der Genussscheine bestehe. Sämtliche Wirtschaftsprüfer und Vertreter der AvW-Depotbank Raiffeisen Bezirksbank Klagenfurt sollen ebenso bestätigen, dass sie nichts Bedenkliches am AvW-System finden konnten. Sommer: „AvW wurde 20 Jahre lang von sämtlichen Behörden durchleuchtet. Es gab nie Beanstandungen.“ Nachsatz: „Auf irgendetwas wird man sich im Wirtschaftsleben doch noch verlassen können.“

Deshalb wird sich Kärntens Finanzjongleur Nummer eins nächste Woche auch zu allen Anklagepunkten unschuldig bekennen. Auer-Welsbach bleibt bei seiner Version, dass sein früherer Prokurist – gegen den auch ein Strafverfahren läuft – schuld ist an dem Schaden.

Kritik an Richter und Gutachter

Richter Christian Liebhauser-Karl wird in diesem insgesamt mehr als 30 volle Tage dauernden Prozess wohl auch seine Breitseite von der Verteidigung abbekommen. Schon einmal hat Sommer versucht, ihn abzulehnen, ist damit aber gescheitert. Doch damit wird er es nicht bewenden lassen. Er hält Liebhauser für befangen, weil einer seiner Bekannten zu den AvW-Geschädigten zählt. Außerdem habe Auer- Welsbach wesentliche Teile der insgesamt 60 Aktenbände erst kurz vor Weihnachten zu lesen bekommen. Der Richter habe sie nicht vorher freigegeben, wird von der Verteidigung kritisiert. Auch dessen restriktive Vorgehensweise gegen Medienanfragen steht in der Kritik: Liebhauser untersagt sogar, dass der Anwalt schriftliche Fragen von Journalisten an seinen Mandanten weitergibt. Begründung: Die Zeugen könnten dadurch beeinflusst werden. „Die Medien schießen sich auf meinen Mandanten ein, und er darf nicht einmal reagieren?“, ist Sommer erbost.

Auch Gutachter Fritz Kleiner, auf dessen Gutachten sich die Anklage in weiten Teilen stützt, soll wegen Befangenheit vom Prozess ausgeschlossen werden. Gegen ihn laufen zwei Privatanklageverfahren von Auer-Welsbach, der ihm den Bruch der Verschwiegenheitspflicht in zwei Fällen vorwirft. Außerdem, so Sommer, sei Kleiner auch Gutachter im Prozess gegen den beschuldigten AvW-Prokuristen – eine zumindest seltsam anmutende Koinzidenz.

Spannenden Prozesswochen steht also nichts im Wege. Vor allem die 12.500 AvW-Geschädigten, die sich in großer Zahl dem Verfahren als Privatbeteiligte angeschlossen haben, werden das Abwehrgefecht von Auer-Welsbach mit großem Interesse verfolgen.

– Angelika Kramer

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