Alfons Mensdorff-Pouilly im Interview

Bauer und Waffenlobbyist Alfons Mensdorff-Pouilly über seine Geschäfte mit British Aerospace, den Eurofighter-Deal, den Unterschied zwischen Bestechungsgeldern und Provisionen und seine Zeit im Gefängnis.

FORMAT: Herr Mensdorff-Pouilly, Sie gelten ja als Lobbyist. Was ist Ihre Meinung zu dem neuen Gesetzesentwurf, der Lobbying künftig transparenter gestalten soll?

Mensdorff: Mich betrifft das nicht, und es hat mich noch nie betroffen, weil ich noch nie lobbyiert habe.

FORMAT: Das ist uns neu. Sie sind international als Waffen-Lobbyist bekannt.

Mensdorff: Ein Blödsinn, der von den Medien behauptet wird und nicht richtiger wird, wenn er ständig wiederholt wird.

FORMAT: In welcher Verbindung stehen Sie dann zum Waffenkonzern British Aerospace (BAE)?

Mensdorff: Ich habe BAE beraten. Man soll einmal Deutsch lernen. Es ist ein Riesenunterschied zwischen Beratung und Lobbying. Wenn ich dem Management rate, was es tun soll, dann berate ich es. Aber ich rede nie mit denen, die etwas kaufen wollen. Ich habe auch immer gesagt, man möge nur einen Politiker oder einen General finden, mit dem ich darüber gesprochen habe, dass der Gripen gekauft werden soll. Ich habe nur dem Management von BAE gesagt: „Eure Leute passen nicht auf, die vergessen das und das und das.“ Darauf haben die Manager dann gesagt: „Warum macht ihr nicht das und das und das?“ Ich war immer Berater, aber nie Lobbyist.

FORMAT: Der Grünabgeordnete Peter Pilz ist da anderer Ansicht.

Mensdorff: Der Herr Doktor Pilz, der dauernd behauptet, ich wäre ein Waffenhändler, ist entweder taub oder blind. Er sitzt, wie auch der Bundeskanzler und der Vizekanzler, der Verteidigungs- und der Außenminister und alle möglichen Generäle, im nationalen Sicherheitsrat. Dort müssen alle Käufe und Verkäufe oder Vermittlungen von Waffen genehmigt werden. Und der Herr Pilz müsste meinen Namen dort irgendwann gehört haben, wenn ich mit Waffenhandel zu tun hätte. Das hab ich aber nicht. Selbst wenn es einmal einen Antrag gegeben hätte, dass der Herr Mensdorff gerne eine Gummischleuder verkaufen möchte, hätte der Herr Doktor Pilz „Nein“ sagen können. Das ist ein bewiesener Blödsinn, den er da erzählt.

FORMAT: Wenn Sie schon so fein unterscheiden: Wo liegen für Sie die Grenzen zwischen Provisionszahlung und Bestechungsgeldern?

Mensdorff: Provisionszahlung ist meiner Ansicht nach eine offizielle Zahlung für eine Tätigkeit, die ganz offiziell von einer Firma bezahlt wird. Eine Bestechung ist etwas, was ich jemanden unter dem Tisch hinschieben muss, weil ich es ihm offiziell nicht geben darf. Alle meine Zahlungen, die ich bekommen habe, sind an meine Firma gegangen und dort versteuert worden. Das ist für mich keine Bestechung. Außerdem: Warum soll mich British Aerospace bestechen? Ich bin ein Niemand.

FORMAT: Und wie definieren Sie dann die von Ihrem Unternehmen getätigten „aggressiven Zahlungen an wichtige Entscheidungsträger“, wie das britische Serious Fraud Office (SFO) in einem Bericht festhält?

Mensdorff: Mein Unternehmen hat nie aggressive Zahlungen an irgendwelche Entscheidungsträger getätigt. Meines Wissens war das eine Auflistung von Möglichkeiten auf die Frage von BAE, weshalb der Schwenk vom Gripen auf den Eurofighter kam. Nach meinen Unterlagen enthält der Bericht, der damals an die Firma von Tim Landon geschickt wurde, aber nichts über aggressive Zahlungen. Ich weiß auch nichts darüber. Ich habe keine Ahnung, wie der Bericht mit den aggressiven Zahlungen, der in den Medien kursiert, zustande gekommen ist. Ich nehme an, mein Bericht war einem Mitarbeiter von Tim Landon nicht spektakulär genug und wurde dann auffrisiert. Und die Antwort dieses Mitarbeiters war intensives Lobbying der vier Botschaften, die am Eurofighter beteiligt sind, und aggressive Zahlungen. Natürlich schaut das aus wie: „Peng, hier ist was gelaufen.“

FORMAT: Und was haben Sie mit der Briefkastenfirma Vector Aerospace zu tun, über die laut SFO Schmiergeldzahlungen gelaufen sein sollen?

Mensdorff: Ich habe damit gar nichts zu tun. Ich kenne die Firma nur aus Zeitungen. Aber ich werde mit so viel Blödheiten in Zusammenhang gebracht, dass es mich nicht einmal mehr juckt.

FORMAT: Können Sie von Ihrem Beratungsjob gut leben? Sie haben ja auch OMV oder Telekom beraten.

Mensdorff: Viele, aber ich sage keine Namen. Ja, wenn man erfolgreich ist, schon. Wenn man nicht erfolgreich ist, dann nicht. Und wenn man 14 Jahre pro Monat eine schöne Stange Geld bekommt, muss irgendetwas dran sein.

FORMAT: Was ist eine schöne Stange Geld?

Mensdorff: Ich bin ein durchschnittlicher Geschäftsmann. Das dreht sich in Größenordnungen, die auch Journalisten verdienen. Wichtig ist, dass ich meine Mitarbeiter und mich selbst gut erhalten kann. Dann ist man schon erfolgreich. Da müssen nicht wahnsinnig viele Nullen auf dem Konto sein.

FORMAT: Und um diese Gage kann man Schlösser erhalten?

Mensdorff: Die erhalten sich selber. Das sind eigene Firmen, eigene Verwaltungen für Forst, Landwirtschaft und Jagd, und davon leben sie. Bei mir ist das genau getrennt.

FORMAT: Und die Schlösser bilanzieren alle positiv?

Mensdorff: Das österreichische Schloss ist sehr positiv, das ungarische auch.

FORMAT: Welche besonderen Qualifikationen hat denn der Berater Alfons Mensdorff-Pouilly? Was unterscheidet ihn von anderen Lobbyisten?

Mensdorff: Gar keine. Wenn einer zu mir kommt und in Ungarn Salami verkaufen will, werde ich sagen: „Lass die Salami, weil dort gibt es genug Salami.“ Man braucht ein Netzwerk und ein politisches Gespür.

FORMAT: Sie haben als Landwirt auch schon Misserfolge geerntet. Einmal versuchten Sie sich als Straußenzüchter, das andere Mal wollten Sie konserviertes Wild in Dosen in die USA verkaufen.

Mensdorff: Das konservierte Wild hat mich nicht viel gekostet, da habe ich nicht draufgezahlt. Das war ein Versuch mit einem alten Freund. Daraus ist eben nichts geworden, weil das Produkt Wild viel zu kompliziert war. Draufgezahlt habe ich bei den Straußen. Ich habe auf Anraten meiner Anwälte die Firma in den Konkurs geschickt, aber es gibt keinen Gläubiger. Wir haben bei Gericht noch 632 Schilling an die Sozialversicherung ausbezahlt und Schluss. Es gibt nicht einen, dem ich einen Schilling schulde.

FORMAT: Sind Sie in der Landwirtschaft eigentlich selbst aktiv?

Mensdorff: Ich? (lacht) Ja, ich habe einen Schreibtisch, ich mache den Landwirt auf dem Papier und in der Kontrolle. Außerdem habe ich super Mitarbeiter. Aber man muss drübersitzen und schauen, dass der Rubel richtig eingeteilt wird. Luising im Burgenland ist das schönste Gebiet, das es gibt. Das ist ein Königreich für sich.

FORMAT: Werden Sie zuhause eigentlich als Graf angesprochen?

Mensdorff: Ja, aber ich bestehe nicht darauf.

FORMAT: Wurden Sie auch im Gefängnis mit Graf tituliert?

Mensdorff: Ja, von manchen.

FORMAT: Auch in England?

Mensdorff: In England erst ab Donnerstag früh, vor meiner Entlassung, weil in den Medien geschrieben wurde, dass ich in der englischen Thronfolge auf Rang Nummer 124 bin. Von da an hätte ich mich in Unterhosen, die man mir vorher versagte, baden können.

FORMAT: Wie haben Sie die Haft erlebt? Sie haben ja diesbezüglich Erfahrung in London und in Wien.

Mensdorff: Eine Hetz ist es keine. Die Haft als solches ist nicht einmal das Problem. Die Tatsache, dass man weiß, dass irgendetwas gespielt wird, was man nicht verstehen kann, das ist die Härte. Ich bin sicher nicht der liebe Gott, von der Sauberkeit her – aber wenn ich gewusst hätte, dass ich irgendjemandem einen Koffer gegeben habe, hätte ich gesagt: „Scheiße, jetzt wissen die das.“ Aber ich wusste ja, dass ich das nie gemacht habe und dass das nur ein politisches Spiel sein kann. Und es hat sich ja in beiden Ländern als solches herausgestellt. Auf jeden Fall in England. Ich hätte von denen nicht so viel Geld als Entschädigung bekommen, wenn dort nicht Fehler passiert wären. Wenn man alleine in einer Zelle sitzt, nichts oder Schlechtes zum Fressen kriegt, wenn man schlecht schläft – das sind alles Nebenerscheinungen, die kann man auch im Internat oder beim Militär überall erleben. Das wirkliche Problem ist die Rufschädigung, die man nie wieder gutmachen kann.

FORMAT: Sie haben in London rund eine halbe Million Euro Haftentschädigung erhalten. Ist damit das Verfahren eingestellt, sowohl in England als auch in Österreich?

Mensdorff: In England ist das Verfahren eingestellt. Ob dadurch auch in Österreich das Doppelbestrafungsverbot gilt, ist noch gerichtsanhängig. Ich habe Rechtsmittel ergriffen und in Österreich einen Einstellungsantrag gestellt. Der wurde im Vorjahr abgelehnt. Österreich steht auf dem Standpunkt, dass das Doppelbestrafungsverbot nicht zur Anwendung kommt. Nach der rechtlichen Zusprechung der Haftentschädigung habe ich einen zweiten Antrag gestellt. Ich finde: Mehr als dass die Engländer 420.000 Euro über den Tisch schieben, kann man fast nicht verlangen. Wozu sollten die Engländer einem Ausländer so eine hohe Haftentschädigung zahlen, dann wieder ein Verfahren einleiten und ihn dann wieder einsperren und verurteilen?

FORMAT: Sie gelten als humorvoll. Vergeht Ihnen manchmal das Lachen?

Mensdorff: Es vergeht einem. Aber das ist wie bei einer Verletzung, irgendwann kriegst du eine Hornhaut. Es geht auch nicht anders: Entweder gibst du dir die Kugel oder wanderst aus. Und ich bin weder lebensüberdrüssig noch habe ich aufgehört, mein Vaterland zu lieben. Also, ich schleich mich nicht.

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