Aktiver Klimaschutz und schonender Ressourcenverbrauch an der Tagesordnung

Immer mehr Unternehmen beteiligen sich am Kampf gegen den Klimawandel. Mit innovativen Projekten für nachhaltiges, grünes Wirtschaften verbuchen sie bereits Erfolge. Verstärkter Handlungsbedarf besteht allemal.

„Bitte denken Sie an die Umwelt, und drucken Sie diese E-Mail nicht unnötig aus …“ Dieser kleine Wink mit dem Zaunpfahl, nicht gedankenlos die Tastenkombination „Strg + P“ zu wählen, um den Drucker anzuwerfen, ist mittlerweile das Amen jeder E-Mail und senkt hoffentlich auch Energie- und Papierverbrauch. Gleichzeitig beweist diese simple Maßnahme, dass Ressourcensparen oft einfacher ist, als man denkt. Im privaten Bereich – und sei es nur, Geräte nicht im Standby laufen zu lassen – wie auch in Unternehmen.

Zum Wohle der Atmosphäre
Die Telekom Austria etwa konnte durch ­interne und externe Kampagnen den ­Papierabfall von 17,30 Tonnen im Jahr 2007 auf 10,36 Tonnen im Jahr 2008 ­reduzieren. Auch Kunden und Partner wurden animiert, bewusster zu agieren: 720.000 Kunden der Telekom Austria Festnetz nutzen mittlerweile die Möglichkeit der Bezahlung via Online-Rechnung und helfen, jährlich 43.620 Kilogramm Papier zu sparen. In Bäumen: 87. Darüber hinaus reduziert diese Maßnahme CO2 – einzig die Post schaut durch die Finger. Würden europaweit zehn Millionen Telekomkunden auf Online-Rechnung umsteigen, könnte dies den CO2-Ausstoß um 10.000 Tonnen verringern. Langsam, aber stetig beginnen immer mehr Unternehmen, ihre Aktivitäten auf Green Economics hinzutrimmen. Nachhaltigkeit wird nicht mehr als einmaliger Marketing-Gag (miss)verstanden, um umweltbewusste Konsumenten zu fangen, sondern als gesellschaftlicher Auftrag betrachtet und als Corporate Social Responsibility (CSR) in die Geschäftsstrategie ganzheitlich integriert.

Verantwortung zieht in die Führungsetagen ein
Um CSR in Österreichs Wirtschaft dauerhaft zu verankern, wurde von ­respACT, der österreichischen Unternehmensplattform zu Corporate Social Responsibility und nachhaltiger Entwicklung, ein neues Leitbild entwickelt. „Dieses Leitbild ‚Erfolg mit Verantwortung – Ein Leitbild für zukunftsfähiges Wirtschaften‘ basiert auf fünf Handlungsfeldern – nämlich Führung und Gestaltung, Markt, Mitarbeiter, Umwelt sowie Gesellschaft“, erläutert Peter J. Oswald, respACT-Präsident und Mondi-Geschäftsführer. „Die Wirtschaft hat einen großen Einfluss, da sie zum technischen Fortschritt – Stichwort Green Energy – beitragen kann“, so Oswald, der akuten Handlungsbedarf bei Unternehmen sieht, darüber nachzudenken, wie sie in ihren Kernbereichen einen ­aktiven Beitrag leisten könnten. Gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen bedeute für ihn nicht, sporadisch Einzelaktionen, etwa im Charitybereich, zu setzen, sondern nachhaltig zu wirtschaften. Nachhaltigkeit bedeute – in Anlehnung an den 1987 von der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung veröffentlichten Brundtland-Bericht – „den nächsten Generationen eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen“. Und Klimaschutz stehe da an erster Stelle.

Alarmstufe Rot für Fauna und Flora
Die Klimaerwärmung und die intensive Landnutzung bedrohen bereits akut Öster­reichs Natur, wie aus der im Auftrag der Österreichischen Bundesforste erstellten Studie „Klima­wandel und Artenvielfalt“ hervorgeht. Schließlich werde die Erd­erwärmung im 21. Jahrhundert zwischen 1,8 und 4 Grad Celsius betragen. „Allein unsere Seen und ihr Fischbestand sind schon heute vom Klimawandel betroffen“, erläutert Bernhard Schragl, Pressesprecher der Bundesfors­te, die aktuelle Lage in heimischen Gefilden. „Am Toplitzsee verändert sich seit mindestens fünf Jahren der Fischbestand, weil die Eisdecke am See nur mehr weit kürzer vorhanden ist und dadurch mehr UV-Licht auf den Seegrund dringt, wodurch wiederum mehr Pflanzen wachsen“, erklärt er den Dominoeffekt in ­Fauna und Flora. Es erinnert an die ­Chaostheorie und die Folgen des berühmten Flügelschlags des Schmetterlings im brasilianischen Urwald – mit dem Unterschied, dass Land und Leute die negativen Folgen unmittelbar vor Augen haben. Nur diese oft verschließen. „Was mich jeden Tag in meiner Arbeit schockiert, ist, wie lange wir über Umweltschäden schon Bescheid wissen, über notwendige Maßnahmen diskutieren und dass aber letztendlich viel zu wenig getan wird“, befindet auch Hildegard Aichberger, Geschäftsführerin des WWF Österreich. Österreich sei leider eines der Länder, die noch keinen positiven Beitrag zur Klimawende leisten.

Schulterschluss österreichischer Unternehmen
„Immerhin sind Unternehmen in ihrem Handeln bereits ambitionierter als die verantwortlichen Politiker“, so Aich­berger, und sie verweist auf die WWF ­Climate Group, in der sich zahlreiche Unternehmen, auch die Telekom Austria, für aktiven Klimaschutz enga­gieren. Die Informations- und Kommunikationstechnologiebranche (IKT) erachtet sie insgesamt sogar als „die Schlüs­selbranche“. Eine aktuelle Studie der Global e-Sustainability Initiative (GeSI) schätzt das Einsparungspoten­zial der weltweiten CO2-Gesamtemis­sionen mithilfe innovativer IKT-Lösun­gen bis zum Jahr 2020 auf 15 Prozent. Allein in Europa wäre eine Re­duktion von 50 Millionen Tonnen CO2 jährlich denkbar. Der Einsatz von Videokonferenzen würde in Europa 5 bis 30 Prozent der Geschäftsreisen überflüssig machen – mit einer Ersparnis von bis zu 33 Mil­lionen Tonnen CO2 jährlich.

Im Dienste der Nachhaltigkeit für eine bessere Welt
Auch John Elkington, Nachhaltigkeitsguru und Direktor des Thinktanks und ­Beraters Volans, begrüßt das ambitionierte Ziel der WWF-Climate-Group-Mitglieder, die sich freiwillig verpflichtet haben, in den nächsten drei Jahren mindestens 15 Prozent der CO2-Emis­sionen – Beispiel Telekom: 15.000 Tonnen – einzusparen: „Führende Unternehmen erkennen zunehmend, dass sie die Politik im Kampf gegen den Klimawandel unterstützen müssen, und leisten so ihren Beitrag für eine bessere, nachhaltigere Welt.“

Dina Elmani

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