AI und PI als Selbstbedienungsladen: Board-Mitglieder kassieren exorbitante Gehälter

Die Klage eines früheren Boardmitglieds der Meinl-Nachfolgegesellschaften zeichnet ein unschönes Sittenbild. Die Rebellen gönnten sich absurde Gehälter.

Sie sind mit dem Anspruch angetreten, für mehr Transparenz zu sorgen und die Abzocke durch die Meinl Bank zu beenden: die sogenannten Rebellen, die bei Meinl Airports International im Juli des Vorjahres und bei Meinl International Power im darauf folgenden Herbst die Macht übernommen haben. Heute sieht das eher nach Lippenbekenntnissen aus. Denn auch die neuen Herren dürften die beiden Firmen, die heute Airports International (AI) und Power International (PI) heißen, als Selbstbedienungsladen betrachten.

Klage eingebracht
Aus einer Klage des ehemaligen Boardmitglieds Björn Pirrwitz (im Bild links) , die FORMAT exklusiv vorliegt, lässt sich dies jedenfalls ab­leiten. Pirrwitz, der im April dieses Jahres aus den Gesellschaften – nicht ganz freiwil­lig – ausschied, fordert von PI 700.000 Euro und von AI 600.000 Euro „Exit Payment“. In der Klage beruft sich Pirrwitz auf ein Agreement mit dem ebenfalls letzte Woche ausgeschiedenen Chairman Wolfgang Vilsmeier. Dieses legt die Summen fest, die bei Abwahl oder Ausscheiden eines Boardmitglieds ausgezahlt werden. Im Falle von Pirrwitz also insgesamt saftige 1,3 Millionen Euro. Und das für gerade einmal neun Monate Tätigkeit in den Gesellschaften. Damit aber nicht genug: In zwei weiteren Klagen fordert Pirrwitz beim Gericht in Jersey Überstundennachzahlungen für März 2009, seinen letzten Arbeitsmonat. Der AI verrechnet er insgesamt 106 Überstunden, davon 30 am Wochenende. Macht 30.250 Euro. Bei der PI begnügt er sich mit 89 Überstunden, davon 32 am Wochenende. Saldo: 26.000 Euro.

Fürstliche Entlohnung
Die Anzahl der Überstunden resultiert aus einem Anfang März 2009 neu festgelegten Vergütungsschema für beide Firmen. Dieses sieht für jedes Boardmitglied eine monatliche Vergütung von 12.500 Euro vor – pro Gesellschaft, versteht sich. Ergibt also ein Fixum von 25.000. Chairman Vilsmeier kassierte noch etwas mehr, nämlich insgesamt 30.000 Euro pro Monat. Für diesen Betrag mussten die Rebellen allerdings nur fünf Tage pro Monat arbeiten. Für jeden Wochentag darüber hinaus kassierten die Herren zusätzliche 2.000 Euro, für jeden Tag am Wochenende 3.000 Euro. Wobei in diesem Schema ein Tag nur mit genau acht Stunden berechnet wird. Allein im März 2009 hätte Pirrwitz also mehr als 81.000 Euro für 243 Arbeitsstunden verdient: ein Stundenlohn von 330 Euro, der so manchen Vorstand österreichischer Großkonzerne alt aussehen lässt. Auf 243 Arbeitsstunden kommt ein fleißigerer Abteilungsleiter in einem normalen Unternehmen auch, aber nur auf ein Zehntel dieser Gage. Geht man davon aus, dass die anderen Boardmitglieder ähnliche Arbeitsleistungen wie ihr Kollege Pirrwitz erbringen (bzw. erbrachten), ergibt das Jahresgehälter in der Größenordnung von rund einer ­Million für die Manager von AI und PI. Aber die Aktionäre können sich trösten: Im Oktober hat das Schauspiel ein En­de, die Gesellschaften werden dann aufgelöst.

Von Andreas Lampl und Angelika Kramer

Im Bild (v. l.): Björn Pirrwitz, Hans-Peter Dohr und Wolfgang Vilsmeier

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