Adieu Tirol? Zu wenige Passagiere
nutzen die Strecke von Wien nach Innsbruck

Die Innsbruck-Strecke von NIKI steht wegen hoher Verluste vor dem Aus. Ansonsten ist Niki Lauda aber weiter auf Expansionskurs und freut sich über den neuen AUA-Chef.

Ein Ticket um 29 Euro für einen Flug von Wien nach Innsbruck wird es wahrscheinlich bald nicht mehr geben. Denn die Innsbruck-Strecke steht beim AUA-Konkurrenten NIKI vor dem Aus, wie FORMAT aus Unternehmenskreisen erfahren hat. Das Prestigeduell in die Tiroler Landeshauptstadt bringt Airline-Chef Niki Lauda dem Vernehmen nach eine Million Euro Verlust pro Jahr. Ab dem Frühjahrsflugplan 2011 soll die Strecke deswegen gestrichen werden.

NIKI hat Innsbruck erst Ende Oktober 2008 ins Programm aufgenommen, aber wie schon früher bei SkyEurope ist diese Strecke offenbar nicht kostendeckend durchzuführen. Lauda sagt, es sei noch nichts endgültig, räumt aber ein, „dass wir Innsbruck gerade prüfen. Wir haben noch bis Ende Jänner Zeit, uns die Vorausbuchungen anzusehen, erst dann fällt eine Entscheidung.“

Bis auf das Tirol-Problem ist die heimische Low-Cost-Airline aber weiter auf Expansionskurs. Die Flotte wird 2011 von derzeit 17 auf 21 Flugzeuge erweitert. Fast scheint es, als würde NIKI jene Jets dazubekommen, die beim Großaktionär Air Berlin (hält 49,9 Prozent) eingespart werden. Die Deutschen werden – unter anderem wegen der geplanten Luftverkehrssteuer – ihre Flotte ab dem Frühjahr um sieben Maschinen verkleinern und unrentable Strecken streichen. Niki Lauda schränkt ein: „Die Flieger sind unsere Bestellungen. Wir haben einige Flüge bekommen, die Air Berlin bisher mit Overnight-Stopp geflogen ist. Aber nur eine Maschine operiert ausschließlich für Air Berlin.“

Tatsache ist, dass NIKI kostengünstiger produziert als der große deutsche Bruder. Laudas Piloten, Flugbegleiter und Techniker sind allesamt bei der Personalleasing-Firma Labour Pool beschäftigt, während Air Berlin zuletzt gezwungen war, Kollektivverträge abzuschließen. „Labour Pool hat auch einen Kollektivvertrag, und es gibt jedes Jahr einen Inflationsausgleich“, betont Lauda. „Aber es ist richtig, bei Air Berlin sind die Kosten stärker gestiegen als bei uns.“

Weniger Wasser, mehr Sprit

Dass Lauda jeden Euro zweimal umdreht, kommt bei der Belegschaft nur bedingt gut an. Zu einem Kopiloten, der sich für einen Flug von Wien nach Frankfurt eine 1,5-Liter-Flasche Wasser nahm, sagte Lauda: „Die trinkst du aber schon aus, sonst brauchst du sie gar nicht nehmen.“ Zweimal pro Woche soll es eine ähnliche Konversation geben, so oft sitzt Lauda als Kapitän noch am Steuer einer seiner Maschinen. „Umgekehrt fliegt Lauda extrem schnell und ist immer um zehn bis 15 Minuten früher am Ziel, verbraucht dadurch aber viel mehr Sprit“, ätzt ein NIKI-Mann.

Die Zahlen sprechen für den ehemaligen Rennfahrer. 2009 erzielte NIKI einen Gewinn (nach Steuern) von 12,4 Millionen Euro. Heuer werden es weniger sein, die Rede ist aber immer noch von etwa sieben Millionen. Zugesetzt haben der Airline die Vulkanasche über Europa und die Dumping-Aktionen der AUA. „Letzteres haben wir schon gespürt und anfänglich Passagiere verloren, aber wir haben unsererseits mit dem Preis reagiert. Ich tue mir da leichter, weil ich im Plus fliege“, sagt Lauda. Umsatz hat es dennoch gekostet. Umso mehr ist er über den angekündigten Chefwechsel bei der ehemaligen Staatsairline erfreut: „Mir ist der Schritt ganz klar, denn der jetzige Vorstand hat nur auf die Passagierzahlen und aufs Marketing geschaut, aber nicht auf die Ergebnisse.“ Mit Thierry Antinori als neuem AUA-Chef hofft Lauda, der den Franzosen sehr schätzt, dass wieder mehr Ruhe an der Preisfront einkehrt.

Die Innsbruck-Strecke würde das aber wohl auch nicht mehr retten.

– Carolina Burger

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