Addio Italia!

Die Krise in Italien hat einen veritablen Exodus von Unternehmen aller Branchen ins Ausland eingeleitet. Sie wandern aus, weil ihnen die Märkte wegbrechen, die Finanzpolizei immer radikalere Methoden zur Steuereintreibung anwendet und das Klima wirtschaftsfeindlicher wird.

Addio Italia!

In seiner Heimatgemeinde Flumignano bei Udine wartete der Unternehmer Daniele Stolfo lange Jahre vergeblich auf eine Baubewilligung für einen weiteren Betrieb. Kurz entschlossen ging er mit seiner Idee über die Grenze. Im Kärntner Hermagor ging dann alles innerhalb weniger Monate über die Bühne. „Zwei zielstrebige Österreicherinnen“, schwärmt Stolfo, hätten für ihn hier erledigt, was in Italien unmöglich war. Mittlerweile arbeiten 28 Beschäftigte in seiner nun Kärntner „Refrion Kältetechnik“.

Stolfo ist kein Einzelfall: „Petraglas“ (Glasproduktion) aus den Marchen, „Total Healthcare“ (Medizinprodukte) aus Latium, „Cougar“ (Farben, Lacke) aus dem Veneto, „TRP“ (Schuhe) aus der Lombardei oder „Danieli“ (Stahl) aus dem Friaul – alles italienische Unternehmen, die inzwischen ein oder sogar beide Standbeine in Österreich haben.

Eine der von Stolfo gelobten Damen ist Marion Biber, Italien-Expertin von Österreichs staatlichem Betriebsansiedler ABA. Sie erinnert sich noch gut an vergangenen Mai: Die Kärntner Standortagentur EAK hatte mit der ABA zu einer Informationsveranstaltung ins beschauliche Örtchen Moliano Veneto geladen. Der Standort Österreich sollte den südlichen Nachbarn schmackhaft gemacht werden. „Das Interesse war riesig“, erzählt Biber. Weit über 400 Interessenten stürmten die eigens angemietete Villa – gerechnet hatte man mit 150.

Krisengewinner Österreich

Die Krise in Italien hat einen veritablen Exodus von Unternehmen aller Branchen ins Ausland eingeleitet. Sie wandern aus, weil ihnen die Märkte wegbrechen, die Finanzpolizei immer radikalere Methoden zur Steuereintreibung anwendet und das Klima wirtschaftsfeindlicher wird. Auch die überbordende Bürokratie macht Firmen zu schaffen. Bevorzugtes Ziel der Abwanderer: Österreich.

„Anfragen aus Italien haben sich vervielfacht“, bestätigt Marion Biber. Zwischen Mai und Juli wollten 179 Italo-Firmen wissen, zu welchen Konditionen sie nach Österreich übersiedeln könnten. Im gesamten Vorjahr waren es nicht annähernd so viele. Seit Krisenausbruch hätten sich 257 Unternehmer ganz oder teilweise nach Österreich verabschiedet, rechnet auch das italienische Magazin „L’Espresso“ beunruhigt vor.

Derzeit laufen laut ABA 103 konkrete Ansiedlungsprojekte. Rund 1.000 italienische Unternehmen sind bereits in Österreich vertreten, meistens nur mit Filialen. Immer öfter jedoch kommt es vor, dass sie im Heimland ganz zusperren – und in Österreich wieder auf.

Um die Auswanderer hat sich bereits eine eigene kleine Dienstleistungsszene entwickelt. Steuerberater Franco Macoratti etwa berät in seiner Wiener Kanzlei schwerpunktmäßig italienische Klientel, die übersiedeln will. „In Italien Unternehmer zu sein wird immer schwieriger“, sagt er, „in Österreich ist das besser.“

Tipps für Auswanderer

Auch das Beratungsgeschäft der Anwältin Enrica Maggi mit Kanzleien in Udine und Klagenfurt boomt. Seit Jahreswechsel laufen ihr Abwanderungs-Interessenten die Türe ein, rund 50-mal klingelte Maggis Handy seit Mai deswegen. „Umgekehrt meldete sich kein einziges Unternehmen, das nach Italien wollte“, sagt sie.

Vor allem Kärnten, Tirol und Wien sind für Italiens Unternehmer als neue Standorte interessant. Kärntens Skandal-Image stört dabei kaum. So soll Ex-Landesrat Uwe Scheuch bei der erwähnten Veranstaltung in Moliano Veneto sogar besonders gut angekommen sein. Die Italiener seien Skandale dieser Art von zuhause ganz einfach gewohnt, schmunzelt Maggi.

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