Ab Herbst will die Meinl Bank wieder
Immobilien anbieten

Die Meinl Bank will im Herbst wieder Immobilienprodukte auf den Markt bringen. Die traurige MEL-Vergangenheit will das Institut mit besserer Kundenberatung vergessen machen.

Es sind immer noch die zahlreichen Gerichtsverfahren gegen die Meinl Bank, die den größten Teil der Aufmerksamkeit von Peter Weinzierl einfordern. So echauffiert sich der Meinl-Bank-Vorstand etwa über eine kürzlich stattgefundene Verhandlung, in der eine Anwältin, die in Meinl European Land investiert hatte, behauptete, sie hätte nicht verstanden, was in den Prospekten der MEL stand. Der Richter schenkte ihr Glauben, und Weinzierl ist erbost: „Wir werden von Teilen der Justiz mit biblischem Hass verfolgt. Ob das damit zusammenhängt, dass auch einige Personen in der Justiz MEL-Papiere besessen haben, weiß ich nicht.“

Doch trotz allen Zorns: Das Schlimmste scheint für die einst florierende Wiener Privatbank überwunden – die Streitereien mit der MEL-Nachfolgegesellschaft Atrium wurden beigelegt, und etwa die Hälfte der MEL-Privatanleger scheint zufriedengestellt.

Insgesamt hat die Meinl Bank, seit 2007 die Affäre um die MEL-Zertifikate begann, 22 Millionen Euro an geschädigte Anleger gezahlt, fünf Millionen Euro gingen für Rechtsberatung gegen Atrium auf, 20 Millionen Euro wurden für sonstigen juristischen Beistand aufgewendet. Sieben Millionen flossen in medienrechtliche Beratung. Insgesamt wurden von der Meinl Bank also bislang mehr als 50 Millionen Euro für die MEL-Aufräumarbeiten gezahlt. „Den Großteil dessen, was wir 2010 verdient haben, haben wir für juristische Auseinandersetzungen ausgegeben“, resümiert der Meinl-Bank-Chef. Weitere 48 Millionen Euro wurden in der aktuellen Bilanz zurückgestellt.

In den Geschäftszahlen der Bank für 2010 nimmt sich das so aus: Das Ergebnis rutschte mit 600.000 Euro ins Minus, die Bilanzsumme ging von 524 auf 433 Millionen Euro zurück. Auf Konzernbasis lag das Minus gar bei 7,2 Millionen Euro. Dennoch gibt es auch positive Aspekte: Die Kundenzahl konnte mit 50.000 konstant gehalten werden, ebenso das verwaltete Vermögen mit 1,5 Milliarden Euro. „Die Talsohle ist durchschritten“, heißt es deshalb auch in der aktuellen Aussendung der Bank.

Zurück zu Immobilien

Zeit also, sich wieder intensiver der Zukunft zu widmen. Und da bahnt sich Spektakuläres an. Ganz nach dem Motto „Einmal Immobilienexperte, immer Immobilienexperte“ will die Meinl Bank im Herbst auf Altbewährtes setzen. „Wir wollen neue Immobilienprodukte auf den Markt bringen“, kündigt Weinzierl im Gespräch mit FORMAT an. Bislang sei das nicht möglich gewesen, weil sich die Bank vertraglich verpflichtet hatte, der MEL-Nachfolgegesellschaft Atrium drei Jahre lang bei Immobilien keine Konkurrenz zu machen. Dieser Zeitraum ist nun zu Ende. „Sehr, sehr konkret“ sind die Immo-Pläne schon, berichtet der Meinl-Bank-Chef. MEL reloaded sozusagen, trotz aller Troubles und des schweren Imageschadens.

Die Bank will zwei unterschiedliche Produkte anbieten: ein konservativeres oder „langweiligeres“, wie Weinzierl zu sagen pflegt, das in fertige Gewerbeimmobilien im nahen CEE-Raum investieren soll. Für dieses Produkt, das als österreichische AG gestaltet wird, will man rund sechs Prozent Rendite erzielen. Beim „aufregenderen“ Produkt will die Bank auch in Immobilienentwicklungen und in Regionen weiter östlich, also in der Ukraine oder Russland, investieren. Diese Gesellschaft soll, so wie MEL, offshore domiziliert sein. Hier würden sogar 20 Prozent Rendite winken, meint Weinzierl. Insgesamt will die Meinl Bank „mehrere Millionen Euro“ von den Anlegern einsammeln. Auch ein Börsenlisting ist geplant.

Mehr Beratung

Hat die Meinl Bank keine Angst, dass die Erinnerung an den MEL-Skandal ein derartiges Unterfangen scheitern lassen könnte? „Umfragen zeigen, dass die Leute glauben, dass wir nach wie vor große Immobilienkompetenz besitzen und auch gut veranlagen können. Jetzt müssen wir den Leuten von null auf zeigen, dass wir das auch nachhaltig zum Vorteil der Anleger können“, gibt Weinzierl die Parole aus. Dazu gehört intensivere Beratung der Kunden, speziell der Privatanleger. Vorwiegend will sich die Meinl Bank aber mit den neuen Immobilienprodukten ohnehin an institutionelle Kunden wenden.

Ganz sicher werden die Papiere nicht MEL heißen, sagt Weinzierl. Auch auf prominente Testimonials à la KHG will man diesmal verzichten. Bank-Eigentümer Julius Meinl soll bei den neuen Gesellschaften keine entscheidende Rolle spielen. „Genauso wenig wie bei MEL“, versichert Weinzierl.

Teileinstellung beantragt

Ungetrübt ist die Aufbruchstimmung im Institut aber nicht. Weinzierl: „Es ist sicher schwieriger, das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, solange die Kaution von 100 Millionen Euro (die Julius Meinl hinterlegen musste, Anm.) von Gericht und Staatsanwalt einbehalten wird.“ Deshalb will die Bank in den nächsten Tagen erneut bei Gericht vorstellig werden. „Wir beantragen die Teileinstellung des Strafverfahrens“, sagt der Bankchef, gegen den – so wie gegen weitere Bankmanager, darunter auch Julius Meinl – wegen Betrugs und Untreue ermittelt wird. Eingestellt werden sollen die Ermittlungen wegen Betrugs. Bliebe nur der Untreuevorwurf. Und dieser, so Weinzierl, rechtfertige sicher nicht die Einbehaltung von 100 Millionen Euro.

Zum zuständigen Staatsanwalt Markus Fussenegger ist das Verhältnis nach wie vor getrübt. Dieser rücke „schikanös“ die Akten nicht heraus. Eine Dienstaufsichtsbeschwerde der Bank gegen ihn blieb bislang ohne Ergebnis. Weinzierl: „Es ist extrem schwer, gegen einen kriminellen Staatsanwalt anzukämpfen. Das ist nicht so wie in den USA, wo – wie bei Strauss-Kahn – ein Fehler sofort korrigiert wird.“

– Angelika Kramer

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